Minimalismus oder weniger Geld ausgeben

Das Thema Geld spielt meiner Beobachtung nach bei Minimalismus eine recht große Rolle. Da gibt es Nichts-Kaufen-Challenges, diverse Tauschforen usw usw. Das vermischt natürlich verschiedene Ziele – Nachhaltigkeit, bewusster Konsum und auch das Zeitthema. Denn: wenn ich weniger Geld brauche, kann ich (theoretisch) weniger arbeiten und meine Zeit für andere Dinge nutzen. Aber bleiben wir mal beim Geld.

Ich gehöre bekanntermaßen zur Fraktion der Menschen mit protestantischer Ethik und Sparsamkeit ist da eingebaut. Nachdem mein Exmann ausgezogen war, habe ich sehr genau meine Ausgaben geplant. Um festzustellen, dass immer weniger Geld im Portemonnaie war als erwartet.

Mein erster Versuch zu dem Thema war eine Exceltabell in 2016 – ich habe alle Ausgaben eingetragen, Budgets für die einzelnen Sachen festgelegt usw. Das war anstrengend, ziemlich viel Arbeit und irgendwie auch insgesamt nicht so toll. Nach einem halben Jahr wieder weggepackt.

Seit Anfang des Jahres habe ich eine Haushaltsapp

Kostet 3 Euro und ist meiner Meinung nach gut angelegtes Geld. So sieht das Ganze aus:

Man tippt unten auf das Pluszeichen und gibt einfach Ausgabezweck, Datum, Betrag und Zuordnung zu einer Kategorie ein. Die Kategorien (Haushalt, Lebensmittel, Auto, Wohnung etc) kann man selbst eingeben und nach dem eigenen Geschmack anlegen. Außerdem befüllt die APP vor, d.h. wenn ich z.B. „St“ tippe, schlägt die App mir „Strom Eon“ vor samt dem Betrag etc. Man kann auch die Bankkontodaten als csv-File importieren, mag ich persönlich aber nicht.

Seitdem weiß ich haargenau, was ich jeden Monat ausgebe bzw. im laufenden Jahr schon ausgegeben habe.

Und dabei tritt der übliche psychologische Effekt auf: man gibt automatisch weniger aus. Oder zumindest überlegter. Ich mag das, ich komme mir nicht vor wie ein Verschwender.

Und jetzt sagt mir bitte, dass ich nicht die einzige Irre mit Haushaltsbuch bin.

13 Kommentare

  • Andrea Fröhlich

    Nein, bist du nicht. Allerdings keine App, sondern so eine Tabelle, wie du sie weggepackt hast.
    Und ich war entsetzt, was man bei Lebensmitteln verplempert.

  • Ich trau‘ mich fast nicht zuzugeben, dass ich sogar noch ganz superaltmodisch in ein HEFT SCHREIBE .. weil ich finde, dass das psychologisch einen stärkeren Eindruck hinterlässt, ebenso bin ich aus dem gleichen Grund bei „normalen“ Beträgen = Dinge fürs tägliche Leben nach wie vor Bar- statt Kartenzahler! Ich für mich bin überzeugt, dass einem so der wahre Geldwert, den man gerade wofür auch immer „eingetauscht“ hat, bewusster ist.

    Mal abgesehen davon, dass mich persönlich der unnötige Mehr-Zeitaufwand der Zahlung mit Karte – besonders bei Bagatellbeträgen, und gerne in einer langen Kassawarteschlange 😉 – sehr nervt.

    Solange also überhaupt noch möglich, halte ich es mit „nur Bares ist Wahres“.

    • „Der unnötige Mehr-Zeitaufwand der Zahlung mit Karte“ ….kauft du etwa in „meinem“ Rewe ein?
      Wer glaubt, Senioren hielten an der Kasse den ganzen Betrieb auf –
      nein, das tun sie in aller Regel nicht. Ja, sicher, sie kramen ihr Portemonnaie aus der diebstahlsicheren Innentasche ihrer Oberbekleidung, gucken hinein und reichen es der Kassiererin : „Machen Sie das bitte. Wissen Sie, ich sehe doch nicht mehr so gut.“ Die Kassiererin macht und gut ist.
      In der Schlange hinter dem Jungdynamiker mit Energy-drink und zwei Chipstüten habe ich reichlich Zeit, meine Einkäufe im Kopf zu addieren, das Geld abgezählt bereitzuhalten und den ein oder anderen philosophischen Gedanken zu fassen.
      Es beginnt eigentlich ganz harmlos: „Ich bezahle mit Karte.“ Der Jungdynamiker kramt seine Karte aus der diebstahlsicheren Innentasche seiner Oberbekleidung, die Kassiererin schiebt sie in das Lesegerät. Soweit alles klar. Dann bückt sich die Kassiererin nach einer tiefen Schublade, entnimmt ihr ein Klemmbrett, schließt die Schublade, öffnet sie erneut, fummelt in der Schublade, ganz hinten links findet sie einen Kugelschreiber, will ihn dem Jungdynamiker reichen, der inzwischen in der Innentasche … „Moment, ich habe einen eigenen“ sucht, der fällt runter, der Jungdynamiker (kann man denn in dem Alter schon „Rücken“ haben?) bückt sich ächzend, der Kugelschreiber rollt natürlich nach ganz hinten links, der Jungdynamiker richtet sich stöhnend auf, prüft, was er da unterschreiben soll, die Kassiererin nimmt den Zettel entgegen, guckt drauf, nimmt das Klemmbrett, notiert darauf was-auch-immer, klemmt den Zetttel an das Klemmbrett, ruiniert sich dabei einen Fingernagel, macht die Schublade auf, legt das Klemmbrett und den Kugelschreiber hinein, schließt die Schublade und dann sagt der Jungdynamiker: „Ich habe aber noch eine Payback-Karte.“
      Dann kann ich nur noch hoffen, dass mir nicht das abgezählte Münzgeld aus der Hand fällt.
      Und jetzt sagt bloß, dass das in eurem Rewe-Markt auch so ist.

      • … passt vermutlich auf fast alle Märkte/Geschäfte ….

        Im DM-Drogeriemarkt wollte letztens ein nicht-mehr-ganz-so-Jungdynamiker einen Becher O-Saft direkt an der „Gesunde Pause-Theke“ mit Visa bezahlen, was nicht möglich war. Sein anschließendes Theater deswegen – sehenswert :-)!

        • ähem, ich zahle auch meist mit Karte, aber ich schwöre: das geht schnell bei mir 😀 und ich habe auch keine Paypalkarte…

  • Hallo,
    Ich habe auch eine App, in der ich allerdings nur meine Einkäufe, Kosmetik, Benzin….. eintrage. Versicherungen, Haus…..gebe ich nicht ein. Ich war auch etwas entsetzt, was da im Monat so alles zusammenkommt….

  • Ich führe seit 5 Jahren ein Haushaltsbuch – mit Papier und Kugelschreiber. Hinten habe ich dann eine altmodische xy-Tabelle reingezeichnet, die die Höhe der monatlichen Ausgaben anzeigt. Das finde ich total praktisch – wenn die Kurve einen kritischen Wert erreicht, trete ich automatisch auf die Geldbremse.
    Finde ich super, daß Du dieses „unsexy“ Thema hier ansprichst- es ist so wichtig.
    LG Tina

  • Hallo allerseits,
    also ich gebe lieber mit vollen Händen alles aus – wenn alle, dann alle 😉 Nein, ganz so doch nicht (mehr), aber ich möchte im täglichen Leben nicht darüber nachdenken, ob ich mir jetzt ganz normale Sachen kaufe oder lieber nicht. Es wird einfach gekauft und ich will das auch alles gar nicht irgendwo eintragen oder darüber nachdenken, ob der Lebensmitteleinkauf auf dem Markt nun (zu) teuer war. Ich mache keine Schulden und bin manchmal auch am Monatsende im Dispo, aber das ist es mir wert, nicht darüber nachdenken zu müssen.
    Ein schönes Wochenende!
    rosalili

  • Nein, sowas hab ich auch nicht, zumal bei uns jeder mal den Einkauf/Benzin/Kindergedöns bezahlt und damit es als Finanzgemeinschaft, die so ein Haushalt nunmal darstellt, sinnvoll ist ein Haushaltsbuch zu führen, müssten beide eintragen und da haben wir keinen Bock drauf.

    Wir haben ein gemeinsames Konto auf das wir einen Festbetrag einzahlen, von dem Miete, Kindergarten etc pp abgeht und den Rest hat jeder für sich und kann damit seine eigenen Hobbys finanzieren und für sich sparen. Damit fahren wir bisher sehr gut, von daher halte ich es schlichtweg nicht für nötig das ganze noch zu dokumentieren 🙂

    Ich hab das jedoch einmal im Studium gemacht, weil ich mich gewundert hatte wo mein ganzes Geld immer hin ist. Unglaublich wie sich Kleinigkeiten zusammenläppern können! Von daher, auch wenn ich es nicht mache, würde ich es trotzdem jedem jungen Erwachsenen vorschlagen es 2-3 Monate zu tun um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, für was man alles so Geld ausgibt.

  • Andrea B.

    Ich führe auch kein Haushaltsbuch o.ä. Es ist bei uns wie bei Berit. Es gibt ein gemeinsames Konto wo jeder was überweist und von dem Hausabtrag, Nebenkosten und Lebensmittel Einkäufe runtergehen. Ansonsten macht jeder mit seinem Geld was er möchte. Ich komme gut zurecht und spare auch was, von daher sehe ich auch keinen Grund jeden Euro zu dokumentieren 😊

  • Schönen Sonntagmorgen,
    ich notiere im altmodischen kleinen Taschenkalender in der Jahresübersicht, wieviel Bargeld ich vom Geldautomaten abhebe und an sich unnötige Geldausgaben (zb. Taxikosten).

  • sabine wiegmann

    ich habe auch mal 4 wochen ausgaben notiert – was mich da am meisten überrascht hatte war, wieviel geld wir für zeitschriften ausgeben

    der eine will den stern, der nächste den spiegel , ne computerzeitschrift (besser noch 2:) – mode, ernährung, geo – einfach verrückt.

    und ausgaben für bücher waren da noch garnicht bei – naja inzwischen schaffe ich es ne buchhandlung zu betreten und ohne neue literatur wieder rauszukommen:)

    lg sabinew

  • Die Bandbreite ist wieder mal erstaunlich.

    Als ich noch verheiratet war, hatten wir fast genau das Modell, dass hier auch beschrieben wurde: ein gemeinsames Konto für die gemeinsamen Ausgaben, jeder ein Konto mit „Taschengeld“ für eigene Ausgaben. Allerdings gab es bei uns für beide dasselbe Taschengeld und der Rest wanderte aufs gemeinsame Konto.

    Ich denke, ich bin immer noch in der Allein-verantwortlich-Findungsphase und ich fühle mich deutlich sicherer, wenn ich meine Ausgaben (und mein Sparkonto) unter Kontrolle habe.

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