Bücher und Minimalismus – Anleitung zum Weggeben

Es gibt Bereiche, die sind sensibel. Bücher. Die heilige Kuh des Bildungsbürgers. Garanten unzähliger, vergnüglicher Stunden in anderen Welten. Und tonnenschwerer Ballast im Leben. Ich habe mich über lange Jahre allmählich an meinen persönlichen Wohlfühlbuchbestand herangetastet und hier kommen meine Tipps.

Bücher kann man auf verschiedene Weisen los werden.

  • Verkaufen: schwierig, aber ich kann Rebuy und Momox empfehlen. App herunterladen und einfach schauen, was es gibt. Lohnt sich aber meist nicht.
  • Verschenken: wunderbar! Wenn jemand sich wirklich darüber freut, ist das einfach toll.
  • Wegwerfen: ich habe schon vor Jahren jegliche Scheu vor der Kombination Buch / Altpapiercontainer verloren. Meist fahre ich dann bei gutem Wetter zu einem Container im Kreuzviertel (hohe Lehrerdichte) und stapele einfach auf den Rand. Mit etwas Glück findet sich jemand. Und ansonsten kommt man auch nicht in die Hölle. Hoffentlich.
  • Tauschecken: seit neuestem gibt es bei mir um die Ecke einen Schrank, in den man alte Bücher packen und andere mitnehmen kann. Finde ich gut, eignet sich aber nicht, wenn man zwei Umzugskartons loswerden möchte.

In den letzten zehn Jahren habe ich immer mal wieder sortiert. Vorzugsweise Mengen von Science Fiction, die mich dann doch nicht interessiert hat (Jagdbeute von Remittendentischen) – im Science Fiction Forum verschenkt und drei Leute glücklich gemacht. Oder auch Krimis aus den 80ern und 90ern, wirkt halt schon etwas altmodisch.

Es war immer noch sehr viel übrig…

Hinzu kam noch mein Regal im Schlafzimmer mit ungelesenen Büchern.

Es war mir zu viel. Es hat mich belastet. Ich wusste sehr genau, dass ich viele Bücher nie wieder lesen werde, weil ich froh bin, wenn ich es schaffe, ein neues Buch zu lesen. Und mich manche Themen auch nicht mehr interessieren. Wenn ich dann in zehn oder zwanzig Jahren mal GANZ VIEL Zeit habe, gibt es bis dahin sehr sehr viele sehr gute neue Bücher. Mit Themen, die mich dann interessieren.

Also nochmal aufgeräumt. Übrig blieb – mit Einschränkung – so viel:

Im Schlafzimmer noch immer die ungelesenen Bücher, der Stapel wird irgendwie auch nicht entscheidend kleiner.

Dann habe ich die Hörbücher auf Spotify entdeckt, das mag ich gerne. Ich nutze das immer auf längeren Autofahrten (also eine Stunde und mehr). Das hat aus meiner Sicht zwei Vorteile: ich nutze die Autofahrt ganz wunderbar zu meinem Vergnügen und ich habe keine Bücherstapel zu Hause.

Ihr findet mein aktuelles Hörbuch bei Spotify übrigens immer rechts in der Leiste.

Tja, und jetzt muss ich nur noch eine Lösung für dieses Problem finden.

Science Fiction Sammlung. Erstauflagen, Lieblingsbücher, Sammlerstücke. Hm, ich grübele noch… und habe echte Skrupel, meine Stanislaw Lem-Sammlung aufzulösen. Vermutlich werde ich das nie mehr lesen, aber…

24 Kommentare

  • Derailroaded

    Hahaha… Dem Stapel Ungelesen rücke ich zu Leibe, indem ich ein halbes Dutzend davon gleichzeitig lese. Wird auch nix, denn es gibt noch einen Vorrat im Keller. Und immer wieder interessante Neuerscheinungen. Ansonsten ebenfalls verschenken und Altpapier. Etwaige Skrupel diesbezüglich habe ich bei meinem letzten Umzug sehr schnell fallen lassen.

  • Liebe Irit,

    Das kenne ich nur zu gut…
    Ich habe bei meinem letzten Umzug rigoros ausgemistet. Und alle Bücher, an denen ich nicht wirklich mit Herzblut hänge (weil von einem besonderen Menschen geschenkt oder tatsächlich schon mehrmals gelesen) an eine caritative Einrichtung hier im Ort gespendet.
    Wie viele Bücher genau es waren weiß ich nicht – es waren aber bestimmt 20 große Umzugskartons voll.
    Es hat mich unheimlich befreit. Was ich anfangs nicht gedacht hätte.

    Bei einer Sammlung besonderer Bücher (wie bei dir die Bücher von Stanislaw Lem) hätte ich aber sehr wahrscheinlich auch große Probleme gehabt diese weg zu geben.
    Dann nur in Hände die das auch zu würdigen wissen.

    Viele liebe Grüße und ein schönes verlängertes Wochenende
    Nicole

  • … Bücher wegwerfen finde ich ganz schwierig. Zwei für mich akzeptable Wege, die Regale nicht zum Bersten zu bringen, sind einmal ein Bibliotheksausweis für Krimis und Bücher, von denen ich weiß, dass ich sie nur einmal lesen werde. Zum anderen haben wir hier vor Ort die Brockensammlung, die in ihrem Laden Bücher und gebrauchte Sachen, auch Kleidung, verkauft. Oxfam wäre auch eine Möglichkeit. Viel Erfolg mit den blauen Riesentüten, Annette

  • Ich habe gerade ein dejavu- bei uns sah es auch so aus, ich stapelte die Bücher schon in zwei Reihen hintereinander… ich lese inzwischen fast ausschließlich auf dem Kindle, auch Augentechnisch weil man da die Schrift vergrößern kann und ich keine Lesebrille brauche 😂 Wegwerfen schaffe ich nicht, vor allem bei gebundenen Ausgaben. Für Momox zu viel (Arbeit+Menge) also habe ich bei eBay Kleinanzeigen geschaltet. Wohlwissend dass da Leute kommen könnten die ihrerseits nur verkaufen. Das habe ich aber ausgeblendet, gekommen ist ein Studentenpäärchen, total nett, haben sich richtig gefreut zumal die Frau genau meine Genres liest. Das Ausräumen stockte immer wieder weil sie Klappentexte las 😂 Ich habe die Beiden mit einem wirklich guten Gefühl verabschiedet – trotzdem- Klamotten ausmisten ist viel leichter!

  • Ist es nicht merkwürdig, wie wir uns mit Büchern verhalten? Beim ersten Mal am Altpapiercontainer, auf Druck meines Mannes, hab ich echt was Tränen in den Augen gehabt…Ich war so froh, dass mich niemand gesehen hat und es kam mir vor, als begehe ich eine Todsünde.
    Ich mag gelesene Bücher nicht mal vom Kindle löschen.

  • Mein Mann und ich sind beide Vielleser und wir haben eine kleine Wohnung. Wir müssen uns regelmäßig befreien.

    2 Wege bei uns:

    Die städtische Bibliothek nimmt immer gern, was noch nicht zu alt ist.

    Wir setzen sie im Hausflur an der Straße aus. Da ich in einem Touristenviertel lebe, ist das immer ganz schnell weg.

    Ganz neue Qualität: wir machen das schon direkt nach dem Auslesen. Einzig Sachbücher hebe ich mehr auf.
    Wir bestellen uns auch in der Bibliothek, was dort verfügbar ist und kaufen nur den Rest, der trotzdem noch viel oder halt Spontankauf war.

    Für mich ist der Kindle eine Befreiung. Nichts verstopft mehr die Schränke und ich denke immer, falls ich mal im Krankenhaus bin, hab ich massig Auswahl. Leider gibt es nicht alles digital.
    Wenn ich genau weiß, das Buch nie wieder zu lesen, lösche ich es gleich nach dem Auslesen.

    Auch Reiseratgeber finde ich da toll. Guck ich sie mir eigentlich lieber als Buch an, bin ich glücklich, es sogar per Handy bei mir zu haben ohne schweres Gepäck.

    Ich hab sogar begonnen, richtig gute Bücher und Ratgeber, wo man ein Stichwort suchen kann, noch mal als Kindle-Version zu kaufen. Auf dem Buchsektor hab ich in den letzten Jahren viel verändert, sonst würde ich kaum noch was lesen oder müsste massig mehr Wohnraum mieten. Letztlich lese ich auch wirklich gute Bücher nicht so oft noch einmal, wie ich immer denke.
    Das war früher wirklich anders.

  • Mein Sohn hat letzhin sein Zimmer altersgerechter entrümpelt. Auch Kinder- und Jugendbücher wurden aussortiert. Er hat mittlerweile eine Manga-Sammlung. Er hat ohne nachzudenken die Bücher einfach ins Altpapier entsorgt.
    Da habe ich fast Schnappatmung bekommen und ihn angemacht, dass man Bücher doch nicht einfach in die „Verbrennung“ geben kann. Also, wurde neu sortiert. Ein Teil u.a. Harry Potter wurde an die bald zehnjährige Nichte versand. Der andere Teil kam in die Brockenstube.
    Und die Brockenstuben waren jahrelang meine Rettung. Ich bekam dort günstig neuen Lesestoff und konnte anderseits andere Leser glücklich machen.
    Mittlerweile lese auch fast nur noch elektronisch und liiiiiiiiiiebe es! Denn mein Bücherstabel ist immer gross. Ich habe nie mehr das Gefühl das mir mein „Stoff“ ausgeht. Früher würde ich nervös, wenn ich nur noch 5 ungelesene Bücher hatte.
    Im Schlafzimmer wohnen meine absoluten Lieblingsbücher, die ich sicher zum Teil schon 10xgelesen haben. Im Wohnzimmer sind die ganzen historischen Lieblingsromane und Reiseführer. Tja, und ist da noch der Lesewintergarten. Fünf Billyregale voll Bücher, die eigentlich aussortiert werden könnten….

    Aber,liebe Irit, deine Minimalismus-Post haben eine ganze Menge bei mir ausgelöst. Und ich folge seit einiger Zeit zum Beispiel der 2-min-Regel und ich danke dir dafür sehr!!!

    • Die Regel ist genial, oder?

      Und in Sachen MInimalismus kommt noch sehr viel mehr, das Thema hatte „unerkannt“ einen großen Platz in meinem Leben und jetzt arbeite ich schriftlich so nach und nach auf. Hat was, der Minimalismus-Samstag

  • Ich glaube, ich brauche doch wieder einen Kindle. Oder vielleicht lieber ein Amazon-unabhängiges System, mal sehen.

  • Oh ja, ich ertrinke in Büchern, kann mich aber furchtbar schwer davon trennen😞.
    Das Regal mit deinen ungelesenen Büchern finde ich toll- wo hast du das gekauft? Würde genau in meine Schlafzimmerecke passen
    Liege Grüße
    Sabine aus Hamburg

  • Ich finde ja Wohnungen mit vielen Büchern toll. Allerdings lese ich selbst am liebsten im Bett auf dem Kindle. Da braucht man keine Lampe und es ist so schön leicht. Trotzdem kaufe ich immer wieder Bücher. Wir haben eine ganz tolle Buchhandlung um die Ecke. Ich verschenke aber alle Trivialliteratur sofort und behalte schöne Ausgaben. Bücher in die Tonne – das schaffe ich gar nicht.

    • Ich finde auch Wohnungen mit Büchern toll. Ich finde, es ist auch ein Kommunikationsweg, über Bücher gemeinsame Interessen zu finden. Man hat gleich Gesprächstoff, nicht? Wie analoges Facebook. 😉

      Aber eines Tages war ich bei einem Freund in London, in dessen Haus alles sehr überschaubar, auf elegante Art simpel und einladend war. Erstaunlich wenig Bücher für seinen Beruf und seine vielseitigen Interessen, kein Fernseher, kein Computer zu sehen. Dann bekam ich mit, dass er alles mit seinem Laptop machte, das er zusammengeklappt im Bücherregal stehen hatte, er steuerte von dort mit leichter Hand unglaubliche Playlists und Lichtstimmungen in der Wohnung, zeigte uns Anleitungen aus Youtube, sah abends damit auf der Couch noch mal ins deutsche Fernsehprogramm mit einem Gin auf dem Couchtisch und las bis mitten in die Nacht – und ich wollte es danach genau so haben. Das ist jetzt 16 Jahre her und ich bin immer noch auf dem Weg, aber schon ein gutes Stück weiter. 😀

      • Ja, das ist die Form von Kultiviert-/Aufgeräumtheit, die mir auch sehr zusagt. Ich finde ja auch, dass man Besuchern kein Zeugnis über die eigene Belesenheit ablegen muss. Trotzdem fühle ich mich in Bücherwohnungen allgemein sehr wohl. Es ist auf jeden Fall ein guter Ansatz, sich der Ordnung zuliebe etwas zu beschränken. Den Gin lege ich schon mal auf Eis :o)

        • Moooooment, lese ich hier Gin????

          Aber abgesehen davon: das mit dem Laptop ist natürlich toll. Aber bei mir klappt das nicht. Ich habe zwei Handys, mein Airbook und ein iPad Mini. Und jetzt überlege ich mir, ob ich mir einen Reader zulege. ICh mag meinen Spiegel auch auf dem iPad lesen, das mag ich am Rechner nicht. Und umgekehrt tippe ich nur ungern auf dem iPad rum. Ach, es bleibt eine Aufgabe…

  • Da ich gerne und viel und vorzugsweise Abends lese, lese nur noch auf dem E-Reader mit Beleuchtung. Gute Informationen über Hard und Software diesbezüglich findet man auf lesen.net und papierlos-lesen.de
    LG Tina

  • Und da waren sie wieder, meine Probleme….
    Ich sortiere jetzt seit 5 Jahren aus und habe immer noch zu viele Bücher. Ich gehöre allerdings zu den Menschen, die Bücher durchaus häufiger lesen. Alle nur einmal gelesenen sind inzwischen (hoffentlich) in einem guten Zuhause. Der Rest stapelt sich in Schränken Regalen und auf der Treppe…
    Und dann gibt es da noch den Kindle. Und die Bücher die ich aus der Online-Bibliothek meiner Bücherei ausleihe. Und die Bücher, die ich nur noch einmal lesen will, bevor ich sie verschenke…

  • Ich habe Ende letzten Jahres den Großteil meiner Bücher und CDs via Momox und Rebuy „entsorgt“. Wie Du schon anmerktest, viel kommt dabei zwar nicht rum, es hat mir den Abschied aber etwas erleichtert. Hilfreich fand ich in diesem Zusammenhang die App „Wer zahlt mehr“. Man scannt den Barcode des Artikels und erhält dann eine Liste mit den besten Ankaufpreisen. Hat sich für mich in jedem Fall bezahlt gemacht und ich habe endlich wieder Platz im Schrank. Schönes Wochenende! =)

  • Cich mag nicht papierlose lesen, sonst gerne iPhone, pad etc- aber beim Lesen muss ich ein Buch aus Papier in Händen haben!

  • Bücher ins Altpapier kann ich gar nicht, das ist mir gefühlt zu nah an der Bücherverbrennung. Für mich kommen nur die anderen deiner Vorschläge infrage. Es kommt auch auf die Art des Buches an. Von broschierter Trivialliteratur trenne ich mich schmerzlos und sehr schnell, die besseren gehen an den weihnachtlichen Bücherbasar der Firma. Die schlechten setze ich im Karton bei schönem Wetter an der Schule um die Ecke aus, ebenso wie einen Teil meiner alten Kinderbücher. Ich bin inzwischen sehr kritisch bei Neukäufen und kaufe kaum noch One-Read-Books. Es lebe die Bibliothek!
    Bücher, die ich mag, behalte ich und lese sie von Zeit zu Zeit wieder, besonders die, mit denen mich Erinnerungen verbinden (Kinderbücher!). Als Kind bewertete ich Leute übrigens nach den Büchern, die ich bei ihnen sah. Erst später lernte ich, dass nicht alle ihre Bücher im Wohnzimmer aufbewahren. 😄
    Viele Grüße!

    • Ja, genau, liebe April, wie Bücherverbrennung. Wer als Kind in der DDR Remarque, Hesse, Böll oder Kafka lesen wollte, der musste schon einen guten Draht zum Buchhandel haben. So etwas wirft man dann nicht einfach so in die blaue Tonne. Ich bin bis heute in Wohnungen ohne (sichtbare) Bücherregale geneigt, Vorurteile zu haben. Du hast natürlich recht, nicht überall stehen sie sichtbar rum. Oje, ich glaube, meine Bücher müssen meine Söhne entrümpeln 😎

      • 😀 jeder braucht eine Aufgabe…

        ich würde Hesse, Böll etc auch nicht ins Altpapier geben, siehe meine Skrupel in Sachen Lem

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