Letzte Filme in 2015: was ich noch sehen wollte

Noch ein Beitrag von Sabeene – irgendwie habe ich es im letzten Jahr mit dem online stellen nicht mehr geschafft, aber den kann ich Euch ja nicht vorenthalten.

Auch ich bedanke mich für die tolle Möglichkeit, hier meine kinematografischen Begegnungen vorstellen zu dürfen und hole zum jahresendlichen  Kino-Überblick  aus.

 

Im Dezember habe ich einiges nachholen müssen, da ich in den drei Monaten vorher arbeitsmäßig vom aktuellen Kino abgeschnitten war – mit 2 Ausnahmen: „Der Staat gegen Fritz Bauer“ habe ich als Premiere mit dem tollen Burghart Klaußner live erlebt. Wer diesen Film nicht gesehen hat, hat etwas verpasst. Nämlich den Umschwung in der deutschen Nachkriegsgeschichte vom Weggucken zum Hingucken. Sollte in den Lehrplan von Schulen aufgenommen werden! Ersetzt locker ein halbes Jahr Geschichtsunterricht .

Die andere Ausnahme war „Der Sommer mit Mama“, ein Film, den ich schon auf der Berlinale geliebt habe, siehe hier „Que horas e la volta“. Auch beim 2. Sehen war dieser Film ein absolutes Highlight.

Jetzt aber zur Dezember-Auslese: tatsächlich war ich in „ James Bond – Spectre“, darüber habe ich auf „Berlin-woman“ berichtet, daher hier nur der link.

Schon thematisch empfiehlt  sich der Film „Das brandNeue Testament“ für die Weihnachtszeit. Er ist lustig und durchaus mit Tiefgang, erfreut die Atheistin, hat ein paar schöne Gags und Göttin sei Dank ein frauenfreundliches happy end.  Ein schöner Familienfilm, den man/frau auch gut mit Kindern anschauen kann, vielleicht ergibt sich sogar ein Gespräch danach?

Noch etwas mehr Tiefgang bietet „Irrational Man“ von Woody Allen. Der Titelheld ist ein alkoholaffiner Philosophieprofessor, neu an einem US-Bilderbuch-College. Was macht eigentlich einen Mann mit Narbe auf der Oberlippe, Flachmann in der Tasche und Wampe so sexy? Das von Selbstzweifeln getränkte philosophische Gequatsche? Nach und nach nimmt er das Schicksal in die Hand, will heißen er spielt Schicksal und hält sich für den Größten, dadurch bekommt die Geschichte drive und ein bisschen was von einem Krimi.  All dies wird sehr überzeugend von Joaquin Phoenix verkörpert.  Das ist die eine Seite …immerhin braucht er ja eine Dialogpartnerin und Emma Stone  spielt ganz wunderbar eine kluge Studentin, die sie sich von ihm be- und dann auch entzaubern lässt. Normalerweise läuft Woody ja auch einmal durch seine Filme, das ist mir nicht aufgefallen in der durchgestylten amerikanischen Unikulisse.

Zwischendurch war ich noch in „Mistress America“, da geht es um eine Beinahe-Patchworkfamilie: die kleine Schwester lässt sich von der großen Schwester die Welt, in diesem Fall das New Yorker Studentenleben erklären. Schwestern werden sie aber erst, wenn der Vater der einen die Mutter der anderen heiratet. Diese Hochzeit platzt kurzfristig und gegenseitiges Trösten ist angesagt….nett und das war es schon.

Den Film „Ewige Jugend“ wollte ich erst gar nicht anschauen. Zwei alte Männer gucken schönen Körpern hinterher, das wirkte doch sehr klischeehaft auf mich. Ein Freund überredete mich, der Film sei tief philosophisch (noch mehr Tiefgang?) und es geht eben nicht ums Klischee. OK. Auch dies ein eher wortlastiger Film, der nicht nur die beiden Hauptdarsteller (Michael Caine und Harvey Keitel) recht genau beobachtet und mit allen Marotten eben nicht vorführt. Am meisten hat mich Jane Fonda beeindruckt, die einen leider kurzen, aber imposanten  Auftritt hat.

Gilt noch die alte Werbung: Mach dir ein paar schöne Stunden, geh ins Kino!?

Für den folgenden Film eindeutig: JA! Ein Geburtstagsgeschenk für meine Freundin Carola war der Film „Carol“ nach einer Erzählung von Pat Highsmith mit Cate Blanchett und Rooney Mara…in den Hauptrollen als Carol und Therese. Carol spielt auch wieder zur Weihnachtszeit, macht nix, Weihnachten ist ja vorbei. Erstens ein Super-Ausstattungsfilm. Klamotten, Autos, Deko und Dekor, alles 50ger Jahre middleclass america vom feinsten. In dem Film passiert nicht so viel: Carol und Theres lernen sich beim Weihnachtseinkaufsrummel kennen, verlieben sich, was Carol Noch-Ehemann zum Anlass nimmt ihr das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter aberkennen zu lassen. Dadurch würden alle unglücklich, daher Carol sucht nach einer anderen Lösung.

Bereits 1952 veröffentlichte P. Highsmith diesen Roman (unter Pseudonym) und beschreibt damit sehr präzise die bigotten Moralvorstellungen jener Zeit.

Mehr will ich nicht erzählen; der Film lebt und erzählt durch unglaublich tolle Bilder und Schnitte, oft unscharf und verwischt hinter Autoscheiben, ich denke das beschreibt die Suchprozesse ebenso wie die Zeit: vieles wurde einfach nicht gesagt, man bleibt im ungefähren, in Andeutungen. Dafür sprechen die Gesichter und Gesten der Schauspielerinnen eine dermaßen beredte Sprache, dass selbst die Dialoge überflüssig scheinen. Dieser Film zeigt auch den wunderschönen goldenen Käfig, in dem Frauen vor 50 Jahren sich noch befanden. Zumindest, wenn frau in bestimmten Kreisen lebte. Feminismus sei Dank, ist das heute anderes möglich – in unseren Breitengraden.

Nach dem Film ist vor dem Film, Berlinale ist im Februar, deshalb auch für 2016 viel Spaß im Kino und: Film ab!

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