Die goldenen 3 – Energieanbieter wechseln

Heute bei der Rubrik „Die Goldenen 3“ Tipps zum Wechsel des Energieanbieters. Ich finde immer erstaunlich, dass „der Laie“ sich das kompliziert vorstellt oder glaubt, am Ende ohne Strom oder Heizung dazustehen. Keine Bange, es ist einfach, geht schnell und Geld sparen kann man auch.

Gaszähler

Nun bin ich zugegebenermaßen „vom Fach“, ich bin seit 1992 in der Energiewirtschaft tätig und daher habe ich wenig Berührungsängste.

Zunächst einmal das Wichtigste: niemand wird ohne Strom oder Gas zurückbleiben – außer die Rechnung wird nicht bezahlt, dann kann der Anbieter sperren. Allerdings auch erst nach diversen Mahnungen. Ansonsten gibt es absolut IMMER Strom und Gas, das nennt sich „Grundversorgung“ und da Deutschland ein ordentliches Land ist, ist das alles gesetzlich genauestens geregelt.

Wie wechsele ich nun? Sehr einfach.

1. Notwendige Informationen zusammensuchen

Dazu gehören:

  • Zählernummer und Zählerstand
  • aktueller Lieferant
  • aktueller Vertrag
  • Rechnungen der letzten Jahre, am besten drei oder vier

Der Zähler befindet sich meist im Keller (bei mir der Gaszähler) oder in der Wohnung (bei mir der Stromzähler). Am besten ein Photo machen, dann hat man alle Infos zusammen.

Den Lieferanten und Informationen zum Vertrag findet man auf der letzten Rechnung. Ist man in der sog. „Grundversorgung“ (im Zweifel beim Lieferanten anrufen und nachfragen), kann man nach vier Wochen wechseln. Bei allen anderen Verträgen muss die Laufzeit beachtet werden. Man kann jedoch zwölf Monate im voraus einen neuen Vertrag abschließen.

Anmerkung: bei einem Umzug kann man immer den Anbieter wechseln

Die Rechnungen braucht man, um den jährlichen Verbrauch feststellen zu können. Am besten über zwei oder drei Jahre nachschauen und aufschreiben.

2. Preise vergleichen

Das geht am einfachsten über die Wechselportale wie Verivox oder Check24. Dort sind fast alle Anbieter versammelt. Dort klickt man auf Strom oder Gas, gibt die PLZ an sowie den voraussichtlichen Verbrauch und schon kommt eine lange Liste an Angeboten. Nicht alle Anbieter liefern an jeden Ort, daher ist die PLZ wichtig.

Worauf ist zu achten?

  • Vertragslaufzeit (max. 12 Monate wählen)
  • keine Vorauskasse
  • Kündigungsfrist (max. 6 Wochen)
  • Preisgarantie (mind. 12 Monate)

Noch eine Info zu den Preisen. Im Normalfall setzen sich diese aus einem monatlichen Grundpreis (d.h. das zahlt man unabhängig vom Verbrauch jeden Monat) und dem Verbrauchspreis (d.h. wieviel Energie hat man tatsächlich verbraucht) zusammen. Je nach persönlicher Situation bzw. erwarteten Änderungen (Auslandsaufenthalt oder ähnliches) lohnt sich da ein genauer Blick. Also einfach mal mit dem Verbrauch „spielen“ und schauen, mit welchem Anbieter man gut wegkommt.

Der Gesamtpreis wird immer auch unter Berücksichtigung des Neukundenbonus berechnet. Das kennen wir alle von Handytarifen, wenn man einen neuen Vertrag abschließt. Das ist natürlich eine nette Option für die Sparfüchse unter uns. Es spricht ja nichts dagegen, jährlich den Anbieter zu wechseln und jeweils den Neukundenbonus mitzunehmen. Man muss nur rechtzeitig daran denken und erneut wechseln.

3. Anbieter wechseln

Das geht dann ganz einfach: Anbieter auswählen, alle Daten eingeben und fertig. Die ersten Mails kommen dann sehr zeitnah an (1-5 Tage, je nachdem). Wer keinen Papierkrieg möchte, kann meist auch komplett alles per Mail bzw. Portal des Anbieters abwickeln. Ich mag das gerne, ich lade mir die Schreiben auf den Rechner herunter und muss nichts abheften. Im Dateiordner „Strom und Gas“ habe ich dann auch alle Rechnungen stets griffbereit.

Und, wer ist nun in den Keller gelaufen und hat nachgerechnet?

13 Kommentare

  • Danke für diesen Artikel, kam genau richtig. Bin umgezogen, hab’s verpasst und bin nun in der Grundversorgung. Da möchte ich gerne wieder raus und weiß Dank Dir, dass ich das auch jetzt einfach so kann. Allerdings finde ich es schwer, meinen Verbrauch einzuschätzen – die alten Rechnungen kann ich ja nicht zu Rate ziehen, weil ich vom Alt- in einen Neubau gezogen bin, jetzt ne Spülmaschine habe etc. Ich schaue mal, was mir die Rechner vorschlagen. (Aber jetzt erstmal ab in den Keller 😉

  • Guten Morgen, ich wechsle jedes Jahr. Wir haben in unserer Wohnung mit fast 4 m Deckenhöhe eine Gasetagenheizung. Da lohnt sich das und geht super einfach. Setze mir ins iphone jedes Jahr eine Erinnerung vor den Kündigungszeitpunkt, gehe auf verivoxx oder check24, 10 Minuten Werte eintragen, Ergebnisse prüfen, abschicken, fertig. Klappt super. Strom genauso. Wenn alles so schön easy wäre. Mit der Steuer – da fehlt mir die Geduld. Wer da gute Tipps hat. Ich rege mich immer so auf, dass ich doch wieder auf den Steuerberater zurückgreife…trotz BWL-Studium.

  • Gerade vor ein paar Wochen genutzt und gewechselt-300€ weniger im Jahr zahlen, da lohnt es sich 😉 Schönen Tag Dir :-*

  • Aber nicht einen der Vorauszahlungs-Tarife auswählen! Die sind im „billig Ranking“ natürlich ganz vorne, sind aber mitunter brandgefährlich (obskure Anbieter). Zum Glück hat sich die“Goldgräberstimmung“ in diesem Metier mittlerweile ja ein wenig gelegt. LG

    • das steht ja ausdrücklich bei meinen Tipps dabei

      bei den Portalen ist auch meist eine Voreinstellung, dass Anbieter mit Vorauskasse nicht im Ranking dabei sind

  • Darauf habe ich nur gewartet. Ich wechsle gerne und viel – nur nie den Stromanbieter, da mache ich aus genau den von Dir genannten Ängsten einen Bogen und hab mich bisher einfach nicht getraut. Verglichen habe ich schon oft – und natürlich Einsparpotenzial entdeckt, dabei blieb es aber dann auch. Ich bin total dankbar für diesen Bericht, da ist endlich mal kurz, knackig und kompakt alles erklärt was man wissen muss. Ich denke ich gehe es jetzt wirklich an – DANKEEEE !

  • Äh – kurzer Nachtrag – wir wohnen in einer ETW – die Zähler sind im (natürlich verschlossenen) Zählerraum, aber warum muss ich da überhaupt hin? Es geht doch alles aus den Rechnungen hervor? Ich passe z.B. meine Vorauszahlungen immer online an (Stadtwerke München), da habe ich doch alle Informationen? Oder stehe ich jetzt auf der (Strom…)-Leitung?

    • Wir wohnen auch in einer ETW und die Zählerstände müssen wir jedes Jahr 1x ablesen und dem kommunalen Netzbetreiber melden, der gibt das an den jeweiligen Anbieter, bei dem man gerade ist, weiter. Ich trage auch ab und zu den Zählerstand online beim Anbieter ein. Der Zählerschrank ist bei uns nicht verschlossen im Treppenhaus. Habt Ihr als Eigentümer keinen Schlüssel für den Schrank/Raum?

    • Grundsätzlich muss man den Zählerstand einmal jährlich ablesen und entweder an den Netzbetreiber oder an den Energieverkäufer melden (in D gibt es das sog. Unbundling, d.h. der Betrieb des Netzes und der Verkauf von Energie sind in getrennten Unternehmen)

      Tut man das nicht, nimmt der Energieverkäufer eine Schätzung anhand der letzten Verbräuche vor und schickt dann eine Rechnung

      Ich weiß nicht, wie das bei dir ist, evtl. wird da gesammelt abgegeben, aber du solltest halt schon mal schauen, ob die Zahl auf der Rechnung mit der Zahl auf dem Zähler übereinstimmt. Außerdem ist es auch ganz interessant, zwischendurch mal zu schauen, wie viel man verbraucht hat.

  • Jetzt bin ich völlig irritiert – ich kann den Zählerstand jederzeit online abfragen – Fernablesung? So wie bei den Heizkosten? Wie peinlich – schließlich bin ich als Immobilienökonomin auch irgendwie „vom Fach“ – hab allerdings eher mit Gewerbeimmobilien zu tun 😇Einen Schlüssel haben wir nicht, und der Raum ist verschlossen da nicht ausschließlich Eigentümer hier wohnen, einige Wohnungen sind auch vermietet. Jetzt habt Ihr mich ganz kirre gemacht, muss morgen den Hausmeister fragen…. Witzig übrigens – wir unterhalten uns hier bei Dir Irit über ZÄHLERSTÄNDE – mal ganz was Neues, sehr schön 😂

    • Hihi. Finde ich auch witzig. Ich glaube Strom online das müssten Schätzwerte sein. Sicher liest aber bei Euch der Hausverwalter/Hausmeister die Zähler 1x im Jahr ab. Und bei Fernwärme können die Zählerstände wohl elektronisch vor der Haustür abgelesen werden – bei diesen kleinen Zähleinheiten an den Heizkörpern. Da bin ich unsicher, wir haben ganz altmodisch eine Gastherme mit Zähler in der Wohnung.

    • Ich gehe mal davon aus, dass du eine ganz normale Energieversorgung hast, also Strom für die Wohnung. Das könnte dann einer der neuen „Smart Meter“ sein, mit denen eine Fernabfrage möglich ist. Das müsstest du allerdings explizit genehmigt haben, sonst gibt es da bei euch ein Datenschutzproblem. Ständige Übertragung von Daten ist ohne ausdrückliche Zustimmung NICHT zulässig.

      Und warum sollten wir uns nicht über Zählerstände unterhalten? Ich kreise den ganzen Tag um solche Themen. Normalerweise allerdings etwas allgemeiner….

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