Monumentale Weltliteratur von Karl-Ove Knausgard, oder

warum habe ich drei Jahre gewartet, bis ich nach „Lieben“ nun die anderen vier bisher auf deutsch erschienenen Teil des sechsbändigen Lebenswerkes gelesen habe? Ich weiß es nicht. Aber es macht auch nichts, denn in dieser Urlaubswoche habe ich es ja getan.

Es handelt sich um Sterben, Spielen, Leben und Träumen, so die relativ harmlosen Titel der in jeder Hinsicht wuchtigen Einzelbände. Und es war wieder genauso wunderbar wie Lieben, meine erste Begegnung – harmlos reinlesen und dann für Tage in den Büchern verschwinden. Denn da steht alles drin, über das Leben, die Liebe, das Erwachsenwerden, die Eltern, Erziehung mehr oder weniger gelungen, Kindheit, Verrücktheiten, Verzweifelung undsoweiterundsofort.

Ich kann mich seiner Ehrlichkeit, Direktheit und Schonungslosigkeit nicht entziehen. Zadie Smith hat über Knausgard geschrieben, sie habe erst 200 Seiten gelesen und sie sei schon so süchtig wie nach Crack. Genauso geht es mir auch. Er ist nämlich ein begnadeter Erzähler, der es schafft, den großen Spannungsbogen in jedem Buch genauso zu halten wie die vielen kleinen Bögen um die einzelnen Geschichten. Und er ist ehrlich, schonungslos ehrlich. Ich weiß nicht, wie seine Frau es verkraftet hat, über sich in Lieben zu lesen. Und ich weiß nicht, wie er es aushält, was er alles über sich selbst erzählt hat. Aber für die Leserin ist diese Ehrlichkeit einfach wunderbar, das sind Bücher wie Stahl, klar, hart und widerstandsfähig. Ich kann es kaum erwarten, bis der sechste Band 2016 oder gar 2017 kommt.

Und das sind Bücher, die ich verkörpert im Regal stehen haben will für den Rest meines Lebens, denn ich werde sie sicher nochmal lesen. Und nochmal. Und ihr wisst, das tue ich äußerst selten.

Wer es sich also so wie ich in der letzten Woche leisten kann, komplett abzutauchen, der möge eines seiner Bücher aufschlagen. Ich habe sie jeweils verändert zugeschlagen –  ich habe mich verirrt und gelernt und gestaunt und gelacht. Und geweint. Großartig.

6 Kommentare

  • Honeypearl

    Janne, wer kann da noch widerstehen und dieser Bücher nicht lesen? Ich habe auch schon von Knausgard gehört aber bis jetzt leider noch nichts von ihm gelesen… Das werde ich definitiv nachholen. Die Zeit, die ich sonst im Garten verbracht habe, kann ich bei dieser Jahreszeit ja jetzt zum Lesen nutzen. Wunderbar, ich freue mich schon. Danke für den Tipp! Dir noch einen schönen Tag.

  • Die Bücher dümpeln schon ewig auf meiner amazon Wunschliste herum, mir fehlte noch ein kleiner Schubs.
    Das nächste Buch das ich mir kaufe heißt dann wohl „Lieben“ 🙂

  • Ihr werdet es nicht bereuen!!

  • Liebe Janne,
    das hat mir gerade noch gefehlt. Suchtpotential, fünf dicke Bände. Und das, wo ich gerade Mattthew Thomas angefangen habe, neunhundert Seiten. Aber was solle, „Lieben“ ist bestellt und morgen muss ich mich entscheiden, was ich in den nächsten schlaflosen Nächten lese.

  • Hui, ich habe den ersten Band gelesen, aber war trotz der erzählerischen Kunst kam ich mir vor wie eine Voyeurin. Richtig gern habe ich dagegen Donna Tartts Distelfink. Der Roman war wirklich wie ein Suchtmittel.

  • „Der Distelfink“ – noch so ein herrlich dickes Buch. Von Büchern normalen Umfangs schaffe ich ja so zwei bis drei pro Woche, aber soo schlaflos bin ich dann auch wieder nicht.

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