Die Bayern… ganz großes Kino!

Vor zwei Wochen durften wir alle herzhaft über den bayerischen Innenminister Joachim Herrmann in direktem Zusammenhang mit Roberto Blanco lachen – ich konnte es kaum glauben, aber nein, es stimmte. Offensichtlich hat er sich da nur aufgewärmt.

Das Trara um das Oktoberfest in München finde ich eh etwas übertrieben. Ja, ist ne nette Party, aber diese Dirndl und Lederhosen – naja. Ich empfehle da doch lieber den Kölner Karneval – DAS ist eine Party. Und verkleidet sind da auch alle.

Äh, zurück zum Thema. Joachim Herrmann. Es ist schon herzig, welche Sorgen er sich um das Seelenheil der Flüchtlinge macht. Zitat: „Insbesondere Asylsuchende aus muslimischen Ländern sind Begegnungen mit massiv alkoholisierten Menschen in der Öffentlichkeit nicht gewohnt.“

Man glaubt es kaum.

Ich kann dazu nur eins sagen: wer hier leben will, muss das aushalten. Genau wie Frauenrechte, Schwule und Leute, die Religionen für eine geistige Verwirrung und den Propheten für einen Spinner halten. Das kölsche „trink doch ene met“ wäre vielleicht die bessere Aussage gewesen wäre. Wobei feiern ohne Alkohol nur bedingt spaßig ist, aber das kann ja jeder so machen wie er möchte. Levve un levve losse (für Nichtkölner: leben und leben lassen).

Und ich möchte, dass es genauso bleibt in Deutschland.

Meine Linktipp kommt ausnahmsweise mal von der FAZ, ein sehr guter Kommentar.

38 Kommentare

  • Dirndl und Lederhosen sind unsere Tracht und nur weil x-beliebige Auswärtige sich gerne damit verkleiden macht das unsere Tracht deshalb noch lange nicht zu etwas Lächerlichem (dann schon eher die Träger der Billigfetzen die sie mal eben am Hauptbahnhof im Vorbeigehen zusammengeramscht haben). Und das Oktoberfest dauert immerhin 16 Tage (wieviele Tage dauert dieser Karneval gleich nochmal?) was für die Stadt in weiten Teilen eine große Belastung darstellt. Die unzähligen Besoffenen bedeuten für die Polizei, Sanitäter und Feuerwehrleute mehr als zwei Wochen Dauereinsatz. Wer nicht in München lebt, nur mal einen Abend auf der Wiesn erlebt hat oder das Ganze gar nur aus dem Fernsehen kennt, mag die Sorge von Innenminister Herrmann ja belächelnswert finden. Wer aber täglich damit konfrontiert ist, kann nichts Lächerliches daran finden.

    • Der Karneval beginnt am 11.11. und endet Aschermittwoch, das sind dann idR mehrere Monate…
      Und wer das nur aus dem Fernseher kennt, vielleicht nur den Rosenmontagsumzug , oder als Touri…… Ich denke nicht, dass die jeweilige Großveranstaltung hier das eigentliche Problem darstellt.
      Wie die Flüchtlingsfrage jetzt, mittel-und langfristig gelöst werden kann ist mir offen gesagt ein Rätzel. In einem Café hörte ich eine wütende Disskursion zwischen Rentnern, dass für Flüchtlinge Wohnungen in bester Wohngegend eingerichtet werden, die sie sich nicht leisten können.

      • ja, die Session ist länger als man meint 😉

      • Die Großveranstaltung, die ich zugegebenermaßen nur aus dem Fernsehen kenne (da ich überzeugter Bayer bin und mit Fasching nichts anfangen kann ;-)) dauert aber wohl eher nicht Monate, sondern nur zwei Tage….

  • Ja unser „wunderbarer Neger“. Schön gelassen hat er reagiert. Ich mache mir große Sorgen um das was aktuell passiert und noch mehr um die Zukunft. Hier wirds bald mächtig „bunt“ zugehen… unsere Demokratie scheint aus dem letzten Loch zu pfeiffen, was viele Leute offenbar noch gar nicht sehen (wollen?).. Ich hab die Wende miterlebt und das war gegen das was jetzt passiert ein Kindergeburstag…

  • Liebe Irit,

    oft sprichst du mir aus dem Herzen. Diesmal bedingt. Dirndl und Lederhosen sind wunderschöne Tracht, und wer gesehen hat, wie sonntags eine Familie mit Kindern, allesamt in Tracht, am Gottesdienst teilnahm, wie eine Braut sich ihr Hochzeitsdirndl aussucht und der Bräutigam dazu seine Jacke (dies natürlich alles aus einem feinen Münchner Gegschäft), der sieht das anders. Das gehört zu Bayern, von den Bayern getragen und nur von denen. Und das hat nichts mit den Polyesterfetzen für 30 Euro zu tun, die man kaufen kann, um „dabei zu sein“. Ich bin Rheinländerin, finde Dirndl wunderbar, feminin, mir käme es allerdings niemals im Leben in den Sinn, im Dirndl über die Kö zu spazieren. Weil es eben nicht Meine Tracht ist. Dann wäre ich verkleidet. Karneval eben.

    Und das Oktoberfest ist das größte Volksfest der Welt und dauert über 2 Wochen. Dagegen ist der rheinische Karneval wirklich ein Witz. Man kann beides schön finden.

    Der verlinkte Artikel ist sehr gut. Und hier ist schon die Frage: Wir haben auch von Anfang an viel falsch gemacht, aus der Historie bedingt wollten wir zu viel verstehen und akzeptieren. Nun wird es uns schwer fallen, unsere Grundrechte einzufordern. Ich denke an die Richterin, die den Ehrenmord als „normal“ bezeichnete.

  • Ich habe jahrelang in Partenkirchen, unter den Einheimischen gelebt. Ich habe erfahren welche Bedeutung die Tracht für diiese Menschen noch hat. Deswegen werde ich auch nie ein Dirndl tragen. Zur Wiesen geht’s in Jeans und Stiefel. Früher, als ich in München lebte, war alles noch ganz toll. Heute ist es mir zuviel schicki-micki…und zur gleichen Zeit zuviel Alkohol, zuviel erbrochenes, zuviele Bierleichen…ich glaube ich werde doch alt. eine halbe Maß im Biergarten tut’s auch!

  • Meinetwegen kann Dirndl etc tragen, wer es möchte und wem es gefällt – mein Fall ist es eben nicht. Genauso kann auch jeder sehr gerne in den Gottesdienst welcher Art auch immer gehen.

    Anlass für den Artikel war weniger das Oktoberfest, ich las gestern Abend den FAZ Artikel und da ist mein Bauchgrummeln ob der aktuellen Situation sehr genau beschrieben. Und dazu passte die Aussage in Sachen Betrunkene einfach perfekt. Ja, hier gibt es Leute, die sich hemmungslos betrinken. Und das sollten sie auch weiterhin tun können – das war eigentlich mein Anliegen.

    • Mich hat die Überschrift des Posts sehr irritiert. Was an Bedenken und Sorgen in Sachen Logistik und Sicherheit in dieser Situation „großes Kino“ sein soll, erschließt sich mir immer noch nicht. Und was das mit Vorliebe für und/oder Abneigung gegen Trachten zu tun haben soll, ist mir ebenfalls nicht klar.

      Den Artikel habe ich inzwischen gelesen – wenn auch nur in Teilen – und bin froh um jeden Journalisten, der sich ohne Pathos und erhobenen Gutmenschen-Zeigefinger der Themen annimmt, die eben auch aus dieser Flüchtlingssituation entstehen. Es reicht nicht, sich klatschend an den Münchner Hauptbahnhof zu stellen und refugeeswelcome zu hashtaggen.

      Aber jetzt genug von dem Thema. Ich will mich um schöne Dinge kümmern, solange es noch geht. Die Zeiten, in denen ich mich wieder mit all dem beschäftigen muss, kommen noch früh genug.

  • Der Artikel spricht vieles an was wirklich laut gesagt werden MUSS! Das Leid und die Not der menschen verstehe ich…auch das ihnen kurzfristig geholfen werden muss. Was ich nicht verstehe ist der Gedanke daß sich hier alle einen Neuanfang erhoffen…und das dies ihnen auch ermöglicht wird! Ich bin Amerikanerin. Lebe 44 Jahre hier und bekomme NULL…und habe hier auch nie etwas bekommen. Als ich 1966 in Heidelberg auf die Welt kam musste der Vater die Deutsche Staatsbürgerscht haben um dem Kind eine doppelte Staatsbürgerschaft zu erlauben. Ich hatte „Pech“, meine Mutter, nicht mein Vater, ist Deutsch. Als ich mal einen Anwalt um Rat fragte, sagte er mir, wenn ich Deutschland etwas zu bieten hätte, würde mich Deutschland mit offenen armen aufnehmen…ich müßte aber entweder Krebs heilen, oder Bayern’s neuer Torwart sein! Das lässt mich dann auch fragen…was werden diese neuen Bürger Deutschland bieten können?

  • Hallo Irit, der FAZ-Artikel macht deinen Post erst richtig rund. Und damit triffst Du auch meinen Nerv. Die, die schon seit Monaten hier sind, langweilen sich. Offenkundig lernen sie nicht gern unsere Sprache, haben Probleme die europäische Lebensweise zu verstehen (z. B. bitte kein offenes Feuer im Wohnzimmer, bitte keine Gebetsteppiche aus der Auslegware schneiden und die Wäsche auf der Leine im Hof gehört nicht allen – und das sind nur „lustige“ Fälle aus einer Kleinstadt). Ich frage mich, was sich die Politiker dabei denken, wenn Sie den roten Teppich ausrollen und es dann den Ehrenamtlern überlassen, Struktur in das Chaos zu bringen. Es gibt viel zu wenige Menschen, die mit der Integration beauftragt sind. Ich frage mich sehr besorgt, wie wir das schaffen sollen.

  • Ich habe in einem anderen Blog, den ich lese, weil ich ihn so schrecklich selbstinzeniert finde und dessen Autorin ein echter politisch korrekter Gutmensch ist (Hauptsache, die Leser applaudieren) auch einen Beitrag gelesen. Der ging natürlich so, dass man ein Wochenende beim Kleider und Hygiene-Artikel packen half und damit natürlich der vorbildlichste Mensch der Welt war. Nicht falsch verstehen: Ich finde derartiges Engagement toll, aber die Problematik darauf zu reduzieren, dass der rote Teppich ausgerollt werden muss, das greift zu kurz. Natürlich ist es eine Schande, wenn Flüchtilinge angegriffen werden und die „Willkommenskultur“ eine nette Geste dagegen, aber wir dürfen Probleme auch nicht totschweigen und aus allem ein Multi-Kulti-alles-ist-bunt machen. „Neukölln ist überall“ öffnete sehr die Augen. Wie bekommen wir die Menschen integriert un vor allem in Lohn und Brot? Das haben wir ja mit weitaus weniger Asylbewerbern nicht hinbekommen. Der Artikel bringt es gut auf den Punkt!

  • Hallo Irit, danke für Deinen Blog, die tollen Tips und gerade auch für diesen Artikel – er spricht mir aus der Seele und dem Herzen – ich sehe hier ganz deutlich eine große Gefahr auf uns zukommen, wenn wir alle hier in Deutschland nicht rechtzeitig aktiv werden und unsere lange und mühsam erworbenen Rechte nicht schützen. Sonst laufen wir in 10 Jahren alle mit dem Kopftuch rum…. oder beantragen woanders Asyl… ich habe ehrlich gesagt große Angst vor dem was hier gerade passiert.
    Und die Trachten finde ich wunderschön. Sie gehören zu Bayern wie die Matrosenhemden hier zur Küste oder die den bayerischen Trachten gar nicht so unähnlichen friesischen Trachten. Das ist unsere Tradition! Das gehört zu unserm Nationalstolz, Patriotismus wie die Amis so schön sagen. Ich finde wir können stolz auf Deutschland sein, damit es aber so bleibt und wir nicht von einer völlig anders denkenden Kultur überrannt werden, müssen wir Nationalstolz beweisen.

  • Danke für diesen Link!

  • Liebe Irit, ich weiß nicht, ob du schon mal das Oktoberfest miterlebt hast und selbst Zeuge dieses Ausnahmezustands geworden bist. Ich habe auch nichts gegen Menschen die sich bis zur Besinnungslosigkeit dabei betrinken (jeder wie er mag). Allerdings neigen sehr viele alkoholisierte Menschen zu gesteigerter Agressivität und da reicht schon eine Lapalie um diese zum austicken zu bringen. Beruflich bedingt musste ich letztes Jahr an einem Samstag Abend während des Oktoberfestes den Zug von München nach Regensburg nehmen. Es war Chaos pur! Der Zug war komplett überfüllt, es gab keine Kontrolle mehr geschweige denn Schaffner und die Passagiere die keinen Sitzplatz ergattern konnten quetschten sich wie die Ölsardinen zusammen. Dazwischen die besoffenen Rückkehrer vom Oktoberfest die Frauen und Mädchen verbal sexuell belästigten und grundlos! aggressiv gegen mitfahrende Personen wurden. Mehrmals mussten Mitfahrer schlichten um schlimmeres zu verhindern. Es roch nach Erbrochenem und Urin und war nach zusätzlich 2 Stunden Stellwerkstörung die schrecklichste Zugfahrt meines Lebens. Auch wenn Herrmann bei mir auf der Liste der Politiker ganz tief unten steht, kann ich seine Ansicht nachvollziehen.
    Ja, und auch ich trage gerne echte Tracht, bin stolz auf Bayern und seine Tradition und kann darum deine Aussagen diesbezüglich null nachvollziehen.
    Uli S

    • ich finde Trachten halt generell nicht besonders schön – wenn andere das tragen wollen: gerne. Aber deswegen muss es mir ja nicht gefallen.

      Deine Schilderung der Zugfahrt erinnert mich dann doch an den Kölner Karneval… 🙂 ja, und Männer haben halt manchmal ein wenig viel Testosteron und in Kombination mit Alkohol ist das anstrengend

  • Birgit, wir haben unsere Rechte nicht mühsam erworben, sondern nach dem Krieg von den Besatzungsmächten geschenkt bekommen. Auch werden wir nicht von den Asylsuchenden (woher weißt du, dass sie alle völlig anders denken, als wir?)überrannt. Rechne mal in % aus, was das für Deutschland bedeutet. Und was bedeutet Nationalstolz? Stolz auf unsere Vergangenheit im 20. Jahrhundert?

    Wir im Rheinland sind schon von den Römern und den Franzosen überrannt worden, haben ihre fremde Kultur erleben müssen und uns geht es echt schrecklich damit. Blöd, dass wir damals nicht woanders Asyl gesucht haben 😉

    • 👍Auf den Punkt gebracht!

    • Das stimmt aber so nicht.

      Gerade im Bezug auf Frauenrechte ist das nach 68 mühselig erkämpft worden. Ich erinnere an §218, altertümliche Paragraphen im BGB und das alte Scheidungsrecht mit der Schuldfrage. Selbiges gilt für die Rechte Homosexueller (§175).

      Und ich denke, man kann eine Besatzung nicht mit Flüchtlingen vergleichen. Der Kölner Karneval z.B. ist die Verarsche an sich der französischen Besatzungsmacht – oder woher kommen die Uniformen?

      Es gibt gelungene Integration, ich lebe als Rheinländerin im Ruhrgebiet, das geht durchaus. Und dass es hier sehr viele Leute mit polnischem Nachnamen gibt, ist ja auch kein Geheimnis.

      Ich glaube nicht, dass hier alle mit Kopftuch rumlaufen müssen oder ähnliches. Aber ich sehe auch, dass es eine Parallelgesellschaft gibt.

    • Katharina

      Hallo Loulou, darf man nicht stolz auf unsere Nationalität sein? Wir schämen uns für das, was vor 80 Jahren passiert ist, wir entschuldigen uns immer noch dafür, wir distanzieren uns von dem Gedankengut und können trotzdem stolz auf das sein, was wir sind, auf unser Land, dass liberal und demokratisch ist, auf das, was unsere Eltern erreicht haben, auf die Schönheit unserer Landstriche und die Sauberkeit unserer Umwelt, auf die Hochachtung, die uns aus dem Ausland entgegengebracht wird und auf unsere Traditionen, die sich über so lange Zeit erhalten haben, sei es in Trachten oder Feierlichkeiten. Damit kehrt man kein Unrecht unter den Teppich und damit übersieht man auch nicht die schlechten Seiten, die es überall gibt. Ich denke nicht, dass irgendjemand das Recht hat, uns das abzusprechen.

  • Exilberlinerin

    Na da haste ja mal wieder ein heisses Eisen angefasst meine Liebe 🙂 Für mich ist beides zum gleihen Maße eine Horrorvorstellung: Oktoberfest und Kölner Karneval ! Hurrrrr !!! Brrrrr !!! Nicht meine Vorstellung von Spaß. Aber es zwingt mich ja keiner, dort hinzufahren, und deswegen ist es völlig irrelevant, ob mir das gefällt oder nicht. Der Artikel handelt ja von etwas ganz anderem, und ja, das ist eine große Herausforderung, und es stimmt dass unsere demokratischen Grundsätze ganz klipp und klar kommuniziert werden müssen. Und wenn das gelingt, dann ersparen wir uns in Zukunft auch diese völlig absurden Diskussionen wie z.B. „in 10 Jahren müssen wir hier alle mit Kopftuch rumlaufen“. Klar doch ! Weil der IS die Weltherrschaft erringen wird oder wie? Oder weil die syrischen Flüchtlinge die Regierung stürzen und die Scharia einführen werden? Solche Äusserungen ärgern mich zwar imens, aber sollten sie wahrscheinlich nicht, weil sie nur ein Ausdruck der allgemeinen Verunsicherung und des allseitigen Fehlen von Information und Wissen sind (sowohl auf Seiten der Flüchtline/Einwanderer als auch auf unserer Seite). Viel zu tun. Und was auch immer man als persönliche Meinung hat, so finde ich, dass Du Irit hier als vielgelesene Bloggerin das tust, was Du am besten kannst und was in DEINEM Aufgabenbereich liegt: informieren. Themen aufzeigen und anstoßen. Das ist langfristig bestimmt wirkungsvoller als am Hauptbahnhof Kuscheltiere zu verteilen.

  • Das hoffe ich.

  • Katharina, Nationalstolz ist mir immer suspekt. Unter diesem Deckmantelbegriff hat schon viel Missbrauch stattgefunden.

    Natürlich kann man auf einzelne Aspekte stolz sein, was das aber mit der Nationalität zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht. Und was ist mit den vielen Menschen nicht deutscher Herkunft, die genauso zu „unserem“ Deutschland beigetragen haben und Teil davon sind? Vor denen hatte man am Anfang auch Angst gehabt.

    Irit, das Erkämpfen von z.B. Frauenrechten hat aber auch nichts mit der Nationalität und Deutschland zu tun. Das unterscheidet uns nicht von anderen Nationen und darum wüsste ich nicht, warum das in der Debatte um die Zuwanderung eine Rolle spielen sollte (wie von Birgit angesprochen.)

    Mir ging es um den Ausdruck „wir werden überrannt“, den ich tendenziös und fast beleidigend finde.

    Nationen sind politische Gebilde, in die man zufällig hinein geboren wird und die sich auch ändern können. Warum sollte man sich dann mit angeblich nationalen Tugenden identifizieren? Man sollte lieber den einzelnen Menschen und seine Taten betrachten. Ich kenne genügend gruselige Deutsche, mit denen ich aber auch nichts gemeinsam habe und nur denke, dass wir nun mal zufällig im selben Land leben.

    • ich bin der gleichen meinung wie loulou. vielleicht auch deswegen, dass ich selber eine „zugezogene“ bin und das ganze etwas lockerer sehe.
      ich habe auch nichts gegen ausländer und flüchtinge solange die sich ordentlich verhalten und bereit sind sich hier zu integrieren.
      in einer sache bin ich aber etwas „streng“: ich finde, dass sobald sie kriminell werden, müssten sie des landes verwiesen werden.

      das beste beispiel heute in berlin: einen verurteilter alkaida terrorist wird aus dem gefängnis entlassen und das gesetz verbietet deutschland ihn zurück nach irak zu schicken, weil ihn dort eine todesstrafe erwartet. heute tötet er fast eine polizistin und wäre er zufällig nicht dabei getötet, würde er weiter von steuergelder leben. für mich ganz unverstänlich.irgendwo müsste schon die grenze sein…

  • Der FAZ- Artikel beschreibt sehr genau, was ich bisher als unklares Unwohlsein empfunden habe. Ich wünschte, die Politik würde den Empfehlungen eines kleinen Journalisten folgen und wirklich von Anfang an klarstellen, was in Deutschland toleriert wird und vor allem was nicht. Die Idee eines solchen „Willkommensbriefes“ finde ich übrigens nicht schlecht. Natürlich kann und soll den Menschen, die aus unsicheren bis katastrophalen Verhältnissen hierher kommen, geholfen werden. Gleichzeitig muss ihnen aber auch beigebracht werden, dass es hier nur deshalb so lebenswert ist, weil bestimmte Regeln für alle gelten und eingehalten werden. Dazu gehört eben auch, dass z.B. Besoffenheit in der Öffentlichkeit zwar unappetitlich sein kann, aber nicht gesetzwidrig ist. Und Frauen im Dirndl ordentlich was herzeigen dürfen, gern auch in Gesellschaft wildfremder Männer und ohne Begleitung eines männlichen Verwandten.

    Ich befürchte allerdings, dass aus politischem Kalkül und „Bedenken“, das Beharren auf demokratischen Grundwerten könnte als Fremdenfeindlichkeit ausgelegt werden, mal wieder solange schwammig herumgeeiert wird, bis die Situation eskaliert. Und dann sollen es die einfachen Helfer vor Ort mal wieder in Ordnung bringen.

    • @April: ich gehe mit deinen Worten d’accord, aber zum Thema „Besoffenheit aushalten müssen“ nur so viel: ich glaube nicht, dass es Innenminister Herrmann darum ging, dass die Flüchtlinge mit dem bunten Treiben ein Problem haben könnten. Das hat er zwar gesagt, aber er muss ja auch Blanko-Abbitte leisten….

      Man wird die Flüchtlinge und die Wiesn-Besucher räumlich trennen. Die entsprechenden Absperrungen wurden an Hauptbahnhof schon aufgestellt. Hätte Herrmann das einfach angeordnet und nicht begründet, die Refugeeswelcome-Winkekatzen hätten einen Shitstorm sondersgleichen losgetreten. Dabei ist die räumliche Trennung das einzig Sinnvolle.

      So, morgen geht der Wahnsinn wieder los. Dann hat München zeitweise wieder 3 Millionen Einwohner mehr, die Straßen sind voll mit Besoffenen und allem was sie rückwärts trinken. Was für ein Spaß….

  • ach ja, es ist schwierig und wird es bleiben

    @loulou: ich finde Nationalstolz auch merkwürdig, aber ich bin froh in Deutschland zu leben. Und ich trage meinen Teil dazu bei, dass es hier gut bleibt. Ich mag den deutschen Staat. Wir haben ein vorbildliches Grundgesetz, bei uns funktioniert alles, auf Behörden ist im Zweifel Verlass, die Gewaltenteilung funktioniert auch. Ich denke schon, dass das „deutsche“ Tugenden sind, aber diese Tugenden haben auch viele Nicht-Biodeutsche. Nun ja, wie ich sagte: es ist schwierig.

  • Nationalstolz…..ich war früher oft in Amerika und fand die Vorstellung, dass wir Deutsche und eine Flagge in den Vorgarten stellen, wie es dort üblich ist, befremdlich. Dennoch nervt mich dieses Nicht-Selbstbewusstsein, dass wir oft, auch im Umgang mit anderen Kulturen, an den Tag legen. Wenn eine Schule in einem Brief anregt, dass Klassenarbeiten während des Ramadans ja nicht unbedingt sein müssen und man es ja auch regeln kann, dass der Hausmeister im Sport-Trakt nichts zu suchen hat usw. dann frage ich mich, was das soll. Unsere Vergangenheit darf nicht in Vergessenheit geraten, aber sie dient oft genug als „Keule“ und als „Maulkorb“, die eine realistische Auseinandersetzung mit Einwanderen verhindert. Irgendwie geartete diesbezügliche Probleme auszusprechen, ist eben nicht angesagt. Deshalb fand ich den FAZ Artikel gut und mutig.

  • @Nicole: Meintest du vielleicht „Texterellas“ Blog?

    Die scheinbar in ihrer eigenen Parallelwelt lebt….

    • ich lasse das stehen, aber ich möchte hier keine Lästerei über andere Blogs. Beim nächsten Mal lösche ich.

  • Nein, den meine ich nicht. Luziapimpinella.blogspot.com

  • @Chlea: Huch, ich bin für dich ein Gutmensch, der in einer Parallelwelt lebt??? :-)) Bloß weil ich der Meinung bin, dass jeder Mensch ein Recht darauf hat, nach Glück zu streben?

    Na gut. 😉

  • @Chlea und @Nicole

    PS: Ich liebe es ja immer ganz besonders, wenn in anderen Blogs über andere Blog gelästert wird. Warum äußert ihr euch nicht an Ort und Stelle …?

    Ach, stimmt, da müsste man ja mal Farbe bekennen …

  • Hallo Irit,

    vielen Dank für den Linktipp. Der Artikel ist gut!

    Viele Grüße
    Silvia

  • @susi, welchen Sinn macht es, jemanden den ich nicht kenne, an Ort und Stelle „die Meinung zu sagen“?
    Dafür ist mir das nicht wichtig genug.
    Ich mag den Blog von Irit, weil sie informiert und weil sie augenscheinlich nicht darauf aus ist, everybodys Darling zu sein. Sie bezieht Stellung, auch wenn die Meinung mal nicht „Mainstream“ ist. Das wollte ich damit, eben gerade im Vergleich, ausdrücken. Mit einem Blog geht man letztlich an die Öffentlichkeit. Ich finde, man muss dann auch damit leben, dass man kritisiert wird, auch wenn es an andere Stelle ist.

  • Hallo Nicole,

    für mich ist das keine Sinnfrage, sondern eine Frage des guten Stils.

    Schönes Wochenende!

  • Danke für die Verlinkung des Artikels aus der FAZ, den ich gerne weiter geteilt habe. So langsam fällt mir das Schweigen im Netz dazu immer schwerer … ich habe Angst um meine Rechte und Leben als Frau.

Deine Meinung?