Nur langweilige Frauen haben aufgeräumte Wohnungen

Kürzlich auf Facebook gelesen (eins von diesen verbreiteten Photos) und gleich gedacht: was für ein grandioser Unsinn. 

Ich gebe zu, dass vermutlich nicht jeder die Energie aufbringt, ALLES in Ordnung zu halten. Ich auch nicht, mein Keller ist immer noch nicht in dem Zustand, den ich mag. Und noch ein paar kleine Altlasten, die entsorgt werden müssen. Alte Kindermöbel usw (apropos: für den Sperrmüll zu schade, wo kann man derlei spenden?).

Aber ansonsten: ich liebe es, wenn alle Dinge ihren Platz haben und auch genau dort sind. Hat man einmal die Ordnung hergestellt, ist sie mit relativ wenig Aufwand zu erhalten. Und immer an die Zwei-Minuten-Regel denken: alles, was man in der Zeit erledigen kann, SOFORT machen. Überhaupt ist SOFORT machen das Zauberwort. Aufschieberei aller Art wirkt sich meiner Meinung nach in Wohnungen katastrophal aus und mündet in Haufen in allen Ecken usw.

Und es fühlt sich einfach gut an, wenn ich abends um 22:30 von einer Dienstreise nach Hause komme, schnell meinen Koffer auspacke (und natürlich alles wegräume) und in einer geordneten Umgebung bin. Nicht immer das Gefühl haben, man müsste noch… oder ich sollte doch dringend mal. Nein, es ist in Ordnung, im Wortsinn.

Das ist vermutlich auch der Grund für mein Verhalten. Mein Leben ist (freiwillig!!!) so vollgepackt, dass ich einen stabilen Rahmen brauche, der alles trägt. Und das ist meine aufgeräumte Umgebung, in der nichts Überflüssiges rumliegt und die mir gefällt und nach meinem Geschmack eingerichtet ist.

Nun muss keiner glauben, ich wäre Superwoman. Ich lebe mittlerweile fünfeinhalb Monate allein bzw. nur zur Hälfte mit Kindern und die Wohnung ist immer noch nicht fertig. Das wird auch noch dauern, vermutlich bis November. Allerdings mit Absicht, ein neuer Wohnstil ist nicht in drei Wochen gefunden. Ich habe vier Monate über Wandfarbe nachgedacht – und mich jetzt auch entschieden. Es wird hellgrau (neutral-warm) mit ein paar anthrazitfarbenen Wänden dazwischen. Das Bücherregal war auch eine längere Suche, sowohl bzgl. Standort als auch das Objekt an sich. Und dann ist da noch das teilweise ungelöste Lampenproblem. Aber mittlerweile alles überschaubar.

Ansonsten empfehle ich „Magic Cleaning“ von Marie Kondo. Sehr lesenswert.

12 Kommentare

  • Danke für dieses Statement! Ich habe es auch gerne aufgeräumt und bin hoffentlich überhaupt nicht langweilig…. Ich brauche die Ordnung um Struktur in meinem Leben zu haben und mir geht es einfach besser dabei.Allerdings sollte zur Zeit niemand auf die Idee kommen, meinen Dachboden besichtigen zu wollen..Guck auch mal hier als Inspiration (da Du etwas von hellgrau und anthrazitfarbenen Wänden geschrieben hast)http://blog.tagesanzeiger.ch/sweethome/index.php/66537/stil-und-wohnlichkeit-in-perfektion/
    LG aus der Schweiz, Daniela

    • Danke für diesen tollen Link!!!

      Habe es heute erst geschafft, mich mal wieder ausführlich durch die KOmmentare zu lesen. Die Wohnung ist ja ein Traum. UNd den schwarz-weißen Musterteppich habe ich auch…

  • Kindermöbel und auch Kleidung kannst du bei Oxfam oder auch bei den sozialen Kaufhäusern von Caritas, Diakonie o ä Einrichtungen spenden

  • Mittlerweile gibt es auch viele Sammelstellen für Fluechtlingsheime, die nicht nur Kleidung etc. nehmen, sondern auch Kleinmoebel. Viele Gruesse, Nadine

  • Ach, das „Nur langweilige Frauen haben aufgeräumte Wohnungen“ ist doch bloß ein billiger, verzweifelter Trostspruch für uns Chaotinnen. Nimm ihn nicht so ernst. Wir schlagen uns immer mit Minderwertigkeitskomplexen herum, weil wir das, was du oben als so einfach beschreibst (alles sofort wegräumen etc.), einfach nicht schaffen 😉

    • naja, das ist in Ordnung – wenn man sich damit wohl fühlt. blöd ist es halt, wenn man es lieber ordentlich hätte…

      • hach, zwei Seelen in meiner Brust. Mal juckt es mich nicht, mal ganz fürchterlich, wenn es unaufgeräumt ist. Aber kein System hat bisher auf Dauer etwas gebracht und inzwischen bin ich gelassener mit mir: Bin halt eine Quartalsaufräumerin.

  • Bitte?? Nur langweilige Frauen haben aufgeräumte Wohnungen? Unverschämtheit! Ich habe den Artikel selbst nicht gelesen – wurde bestimmt von einem Anfang-20-jährigen jungen Mann geschrieben, der nur auf „coole Frauen“ steht, ohne zu wissen, was er damit meint 😉

    Ich müsste demnach gähnend langweilig sein. Liebe Irit, Du schreibst mir also sowas von aus der Seele! Ich liebe es auch so ordentlich. Ok, ich gebe zu: manchmal bin ich echt zwanghaft, aber zum Glück fällt mir das dann schnell auf und ich muss über mich selbst schmunzeln. Ich brauche genau wie Du Struktur, Ästhetik, Ordnung. Das gibt meinem Leben eine gewisse Sicherheit, einen, meinen Rückzugsort, meine Höhle. Einen Ort, der immer für mich da ist – egal, was kommt. Allerdings habe ich natürlich auch Ecken, die man keinem Besucher zeigen darf. Der Keller müsste dringend entrümpelt werden und in der Wäschekammer stapelt sich die Wäsche – wohl bemerkt auf geordneten Häufchen.

    Und trotzdem haue ich auf den Putz, trinke einen über den Durst, schlafe manchmal nur vier Stunden, schaue aber auch Tatort, lade die Großeltern zum Kaffee ein. Also sehr vielseitig und alles andere als langweilig 😉

    LG
    Eni

  • Hm…ich habs auch gern ordentlich aufgeräumt und sogar sauber 😉 eine Langweilerin hat mich aber noch keine(r) genannt.
    Manchmal wäre ich aber gern nachsichtiger mit meinem Zuhause denn ich kann nicht so recht chillen wenn noch irgendwo etwas herumsteht.

  • Ich hab sogar schon mal den Blödsinn gehört, dass unordentliche Frauen besonders gut im Bett sein sollen. Äh, ja … ich liebe Ordnung auch, es macht mir tierisch Spaß auszumisten und zu verstauen und das Marie Kondo-Buch steht auf meiner Leseliste 🙂

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