Kinotipp: Taxi Teheran

Wem das hier bekannt vorkommt: ja, hatten wir schon mal als Bericht zur Berlinale. Aber jetzt kommt der Film in die Kinos und da hat er eine kleine Erinnerung verdient.

Wir beginnen unsere cineastische Reise in Teheran. Hier dreht der vom Berufsverbot betroffene Regisseur Jafar Panahi seinen Film im Taxi. So heißt er dann auch. Überall wird dieser Film positiv besprochen und begeistert empfohlen. Zu Recht! Er ist von Beginn an witzig, spielt komplett mit dem Sujet Filmemachen, Zensur, und ihrer Unterwanderung. Was ist Realitätsverdrehung? Mehrmals fragten wir uns, ist das jetzt echt oder gestellt? Es ist egal, denn es ist Film! Es ist auch traurig, wenn Jafar Stimmen hört und erklärt wird, das kommt von den Verhören mit Augenbinde; und es macht wütend, wenn eine Rechtsanwältin, die eine Hungerstreikende besuchen will, erzählt. Von Teheran sieht man Straßen, ein bisschen Leben auf ihnen, viele kleine Gässchen mit hohen Mauern, die die Enge fühlen lassen. Aber unschöne Realität darf nicht gezeigt werden, sagt das Lehrbuch der Filmhochschule. Läßt man sein Auto unbeoachtet, wird schnell alles geklaut. So endet der Film, als Jafar kurz weggeht. Ich bin gespannt, ob er einen Preis bekommt.

Nachmittags geht es mit der U 8 ins Cubix, also genauer nach Haiti, hier spielt Meurtre à Pacot. Er handelt von der Zeit nach dem Erdbeben, ein bürgerliches Paar lebt in den Resten seiner Villa und kommt nur hadernd mit der Situation zurecht. Auch haben sie ein adoptiertes Kind unter den Trümmern verloren. Um wieder zu etwas Geld zu kommen, vermieten sie einen Teil ihrer „Bruchbude“ an einen Entwicklungshelfer, der dann mit einer patenten farbigen Freundin dort einzieht. Kammerspielartig werden die gesellschaftlichen Gegensätze verhandelt und am einer Handvoll Individuen deutlich. Wer hilft wem, was ist gerecht, was ist Schuld, wie kann das Leben weitergehen? Der Film arbeitet sich langsam (er läuft 130 Minuten) an diesen Fragen ab, das Ende bietet ein überraschendes Show-Down. ARTE hat mitproduziert, vormerken und unbedingt anschauen, wenn er ins TV kommt.

 

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