Clinique Beyond Perfection oder Sex mit dem Ex

Sex mit dem Ex – Foul oder Furore? Die Geschichte einer Beziehung.

Nach diversen kurzen und unbefriedigenden Liebeleien mit Drogeriekosmetik begegnete ich der Marke Clinique. Ich war beeindruckt vom gutem Aussehen und den gefälligen Umgangsformen meiner neuen Bekanntschaft und so hatte ich lange eine erfüllte, glückliche Beziehung zu Mascara und Lippenstiften von Clinique. Einigen Pflegeprodukten bin ich bis heute treu.

Allerdings merkte ich schnell, dass mein Liebster auch seine Schattenseiten hatte. Regelmäßig sprachen mich die Foundations der Marke an und ebenso regelmäßig wurde ich enttäuscht: immer waren sie für meinen warm – gelblichen Teint zu grau oder zu rosa. Hier schien mein Liebster sich nicht ändern zu wollen oder zu können und da ich in dem Fall nicht zu Kompromissen bereit war, bedeutete diese Unvereinbarkeit letztendlich das Aus unserer Beziehung und ich habe sie nicht vermisst.

Clinique mich aber wohl schon. Was ich nicht mehr erwartet hatte, geschah: eine neue Foundation betrat den Schauplatz der Eitelkeiten. Der Neue warb um meine Aufmerksamkeit mit Eigenschaften, die ich schätze: hohe Deckkraft bei natürlichem Aussehen, lange Haltbarkeit, keine Fältchenkriecherei. Außerdem behauptete die Foundation mit dem selbstbewussten Namen „beyond perfecting“ multitaskingfähig zu sein und gleichzeitig als Concealer arbeiten zu können. Wer schon mal an der passenden Concealerfarbe verzweifelt ist, ist für solche Versprechen sehr anfällig.  Trotzdem war ich skeptisch – hatte man aus der Vergangenheit gelernt und war bereit, sich meinem Hautton anzupassen?

Clinique Beyond Perfecting

„Beyond Perfecting Foundation & Concealer“ stellt sich selbst so vor:

„Das neue Beyond Perfecting Makeup + Concealer deckt perfekt ab, ist langanhaltend und wirkt absolut natürlich. Sie möchten mehr Deckkraft? Einfach großzügiger auftragen. Die hohe Dichte an Farbpigmenten schafft eine hohe Deckkraft. Dadurch kann das Makeup jedoch auch dunkler wirken. Es empfiehlt sich eine kleine Menge aufzutragen und diese sorgfältig einzuarbeiten. Sobald das Makeup trocken ist, erhalten Sie den makellosen Teint, den Sie sich wünschen.“ (Clinique Pressetext)

Voller Erwartung punktete ich mir mit dem dicken Flockapplikator ein Muster auf Stirn, Wangen, Nase und Kinn und konnte es kaum fassen: tatsächlich hat meine Farbe („beige“) einen warmen gelblichen Ton, der sehr gut mit meiner Haut harmoniert. Eine geringfügige Abweichung im Farbton wird nach dem Verteilen und Verblenden unsichtbar, d.h. das Make Up kann sich in Nuancen anpassen. Mein Ex hatte also doch etwas dazu gelernt. Ich war sehr erfreut und sofort bereit, ihm wieder eine Chance bei mir zu geben.

Allerdings musste ich auch an unserer neuen Beziehung erst mal arbeiten. Beyond Perfecting gefällt mir zwar von Farbe, Haltbarkeit und Deckkraft sehr gut, verlangt jedoch nach Aufmerksamkeit, Geduld und etwas Übung beim Auftragen. Die Masse ist sehr dick und cremig, was der Deckkraft zugutekommt, jedoch mehr Zeit benötigt, bis alles schön gleichmäßig und dünn verteilt und eingearbeitet und der versprochene natürlich matte Teint erreicht ist. Anfangs nahm ich zuviel und sah aus, als wolle ich Charlies Tante auf der nächsten Provinzbühne geben.

Zugekleistert, unnatürlich, ockerbraun und nach dem Antrocknen wie eine schlecht verputzte Wand. Nach einigen Versuchen mit nur einem Hauch von Material hatte ich den Bogen raus und der versprochene Effekt trat ein: Das Gesicht wirkt ausgeglichen und gleichmäßig, Unregelmäßigkeiten sind weitgehend abgedeckt, das Finish ist matt, wirkt aber nicht staubtrocken, sondern hat eine lebendige Ausstrahlung. Ich nehme etwa eine halbe Applikatorspitze voll Make Up und verteile sie sehr dünn mit Pinsel oder Schwämmchen (Beautyblender) oder Hand im ganzen Gesicht, von der Mitte nach außen.

An den Stellen, wo ich mehr Abdeckung möchte, lege ich punktuell nach, bis der gewünschte Grad erreicht ist. Damit funktioniert das Make Up für mich auch als Concealer und ich empfinde es als sehr angenehm, kein zweites Produkt mit passender Farbe und Konsistenz suchen zu müssen. Alles hängt aber vom ausführlichen Verteilen und Verblenden ab. Einmal gut aufgetragen und leicht gepudert hält Beyond Perfecting bei mir nahezu den ganzen Tag, von morgens bis zum Feierabend. Das ist auf meiner schnell schwitzenden Mischhaut eine hervorragende Leistung.

Für ein solch erfreuliches Ergebnis verlangt die Foundation im Gegenzug nach sehr gut vorbereiteter Grundlage. Glatte, ausreichend durchfeuchtete Haut ist unbedingte Voraussetzung. Aus diesem Grund empfehle ich vorher gründliches Eincremen für Feuchtigkeitszufuhr und Ausgleich der Gesichtshaut. Obwohl ich Beyond Perfecting nicht als austrocknend empfinde, fühlt sich das Gesicht mit ihr trockener an, so dass sie mir weniger geeignet für eine sehr trockenen Hauttyp erscheint.

Auf zu trockener Haut läßt sie sich außerdem schlechter verteilen und wirkt unregelmäßig und „gespachtelt“. Wem wie mir allerdings gern mal die Foundations „wegschwimmen“, wer also Misch- bis ölige Haut hat, findet mit dieser hier endlich ein Make Up, dass den ganzen Tag hält und nicht zum schnellen Glanz neigt. Ich habe gegen Mittag nur Nase und Stirnmitte leicht nachgepudert, der Rest war immer noch perfekt matt. Den beschriebenen Effekt des Nachdunkelns habe ich bei mir nicht festgestellt.

Einen Nachteil habe ich leider trotzdem zu kritisieren: die dickflüssige, cremige Masse ist in einer schmalen, schlanken Glasflasche mit winziger Öffnung untergebracht und kann ausschließlich mit dem Applikator entnommen werden. Sie verteilt sich auch beim Schütteln kaum in der Flasche, geschweige denn, dass sie aus der Öffnung fließt. Wie komme ich also an die Reste, die sich am Flaschenrand und am Boden festsetzen? Bei einem Preis von ca. 30 € bin ich nicht bereit, ein geschätztes Fünftel wegwerfen zu müssen, nur weil die Verpackung für die Konsistenz suboptimal ist. Ich wäre für einen Tipp von Clinique an dieser Stelle sehr dankbar.

Zusammengefasst sieht meine JA/ Nein Liste für eine dauerhafte Beziehung so aus:

Ja:

  • gelbliche Farbe (endlich!)
  • lang haltend
  • natürliches mattes Finish
  • hohe Deckkraft
  • 2- in- 1- Produkt
  • sparsam im Verbrauch
  • natürliches Aussehen (wenn man wenig nimmt und sehr gut verteilt!)

Nein:

  • erfordert gute Vorbereitung der Haut (nicht guten Hautzustand, den deckt es ja ab)
  • benötigt mehr Zeit und Geduld beim Verteilen und Verblenden
  • Verpackung verhindert vollständiges Aufbrauchen = Geldverschwendung

Tja, und wer nun immer noch auf einen Beziehungsratgeber oder eine Geschichte mit schlüpfrigen Details wartet – dieser Beitrag bleibt sauber auf dem Fachgebiet der dekorativen Kosmetik.

Das Ganze kostet 33 Euro (30 ml), ist in sechs Farben erhältlich, bei Clinique.de* gibt es aber online exklusive Farbtöne (zwei sehr helle, zwei dunkle).

(Bilder von Clinique, das Produkt wurde kostenlos und unverbindlich zur Verfügung gestellt)

*Affiliate Link

8 Kommentare

  • Mal abgesehen davon, dass ich nach der Lektüre urplötzlich Lust auf eine neue Foundation habe, lache ich mich grad scheckig über diesen humorvollen Beitrag. Danke! 🙂

  • Ich bin mit meinen derzeit im Gebrauch befindlichen Foundations sehr zufrieden, weshalb clinique jetzt bei mir nicht so gefragt ist. Aber Deine Art zu schreiben hat mich sehr amüsiert und animiert. Wirklich unterhaltsam .

  • Toll geschrieben – macht auf jeden Fall neugierig die Foundation mal auszuprobieren, zumal ich bisher das gleiche Verhältnis zu Clinique Foundations hatte wie Du.

  • Vielen Dank für eure netten Worte! So macht es Spaß, zu schreiben.

  • Superbeitrag! Glaube, dass ich meine nochmal probiere! Weiter so!

  • Köstlich geschrieben. Übrigens ging es mir mit Linique / Clinique Farben ähnlich. Nachdem aber Bobbi Brown irgendwann in den 90ern endlich gelbliche Farben propagierte, haben die anderen auch begriffen, dass die schweinchenrosa Farben nicht immer vorteilhaft sind. Ich habe bei der even better einen super Farbton gefunden. Diese hier ist ja wohl deckender. Ich werde mal testen 😉

  • ich hatte ein Pröbchen dieser Foundation in einer Zeitschrift gefunden und ausprobiert.
    Die Deckkraft ist klasse, meine Haut sieht richtig gut aus aber leider sind die Farben solo alle zu dunkel und gelb für mich.
    Ich mische sie jetzt mit einem Tropfen Bobbi Brown Porcellain, dann ist es perfekt.
    Die „Mischung“ hält den ganzen Tag, ich denke diese Foundation ist so gut wie gekauft.

  • Ich finde diese Foundation auch ganz toll und warte sehnlich darauf, dass die helleren Farbtöne in die Läden kommen damit ich sie testen und kaufen kann. An 2 Verkaufstellen wurde mir versprochen, das dies jetzt im August so weit sein soll.
    Ich hatte als Testsachet 09 neutral zu Hause, haha von wegen neutral… Aber zum Überzeugen von den Eigenschauften der Foundation ging das auch mit der falschen Farbe.
    Ich habe übrigens trockene Haut und fand die Foundation trotzdem sehr sehr gut. Nach meiner Creme ließ sie sich problemlos auftragen.

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