Am Ende war es dann ganz einfach, oder

wie leicht es, war meine schwerste Aufgabe im Leben zu lösen. Ihr erinnert euch – der Wunsch, mich nicht immer zuständig und verantwortlich zu fühlen.

Ich hatte ja im Anschluss an meinen gebrochenen Fuß viel darüber nachgedacht und daran gearbeitet, wie ihr hier, hier, hier, hier, hier und hier nachlesen könnt. Ich habe viel gelernt, einiges verändert und doch waren das nur kleinere Renovierungsarbeiten an meinem Leben. Sie geholfen, ok, mich entlastet, aber der ganz große Wurf waren sie noch nicht. Aber sie haben ihn vorbereitet, da bin ich mir ganz sicher, denn, wie ein großer Mensch mal gesagt hat, beginnt auch der längste Weg mit dem ersten Schritt und besteht im Folgenden auch aus vielen kleinen Schritten. Die bin ich gegangen, und es ist deutlich besser geworden. Aber dann –

kam der große entscheidene Schritt: Ich habe erfahren, was die Grunderfahrung in meinem Leben war, aus der dieses Gefühl, immer alles alleine machen zu müssen, entstanden ist. Das lag nämlich noch deutlich vor meinen kindlichen Erfahrungen als ältestes von vier Geschwistern. Was das war? Ich habe die großartige Gelegenheit bekommen und wahrgenommen, meine eigene Geburt noch mal zu erleben. Eine liebe Freundin von mir, Heilpraktikerin und Ostheopathin, lernte im Rahmen ihrer Weiterbildung eine Technik, wie sie ihre Klienten diese jeweils einzigartige Geburtserfahrung nacherleben lassen kann.

Die Theorie ist mir nicht präsent, aber es gehören dazu bestimmte Körperübungen, die die Erinnerungskanäle des Körpers öffnen, sodann eine bestimmte Sufimusik, die die Geburtsphasen darstellt und anspricht, eine weitere assistierende Person und die Therapeutin, die das Ganze anleitet und hält. Zusammen mit bestimmten Griffen an Kopf und Körper, die die Erinnerung an die Enge des Mutterleibs und des Geburtsweges wachrufen, hat mich das sofort in das damalige Erleben katapultiert.

Es war überwältigend, um es vorsichtig auszudrücken, ich kann diese Erfahrung nicht weitergeben, das gehört zu den Dingen, die frau erleben muss. Ich wusste, dass ich mit der Zange aus meiner Mutter herausgezogen worden bin und die Dellen davon heute noch in meinem Kopf trage. Was ich nicht kannte, war die Not, in der ich mich ganz real befunden habe. Es war wahnsinnig dringend, denn der Sauerstoff wurde knapp. Und meine Mutter konnte mir nicht helfen. Ich musste das ganz alleine machen.

Das war es – daher kam dieses Grundgefühl in meinem Leben. Ich hatte es erlebt, ich hatte es verinnerlicht und konnte es bis dato nicht hinterfragen. Es stand für mich fest.

Und seit ich das in meinem Gefühl habe, woher es kam, kann ich es wirklich loslassen.

Und das hat alles verändert. Meine Familie fühlt sich zuständig – ich bin es ja auch nicht mehr. Ich muss nicht mehr alles kontrollieren und alles machen und damit gebe ich meinen Liebsten den Freiraum, selbst tätig zu werden. Sie tun es ganz selbstverständlich, und allen geht es besser.

Ich bin sehr dankbar. Den Beteiligten dieser Erfahrung und dem Leben. Ich wusste nicht, dass ich mich so frei fühlen kann.

15 Kommentare

  • Liebe Janne, das klingt so einleuchtend ,danke ,dass du das teilst. Mir geht’s ganz ähnlich wie dir: zuständig fühlen etc Ignaz schlimm.
    Vllt kommt das bei mir auch durch die Geburt.Ich war auch eine Zangengeburt.
    Freue mich, dass es dir jetzt gut geht!

  • Ich bin ganz ergriffen von deiner Schilderung. Und dass du das hier uns allen mitteilst.
    Existiert für diese Art der Tätigkeit, die deine Freundin ausübt ein Begriff, etwas woran man sich bei der Suche nach einem/r Ansprechpartnerin vor Ort orientieren kann?
    danke und liebe grüsse, julia

  • Dein Bericht berührt mich sehr. Ich bin ähnlich gelagert und mache mir mit diesem Anspruch das Leben von je her schwer. Wenn man durch gewisse Türen gegangen ist, fragt man sich warum es einem ehe dem so schwer gefallen ist. Steht man davor hat man das Gefühl man wird nie hindurch gehen können. Wunderbar das du einen Weg gefunden hast, durch diese Türe gehen zu können um los lassen zu können.

  • Danke für eure einfühlsamen Kommentare. Ich kümmere mich um Infos und schreib die!!

  • Ach, und um euch den Mund noch ein bisschen wässrig zu machen: mein immerwährendes Grundgefühl, mich beeilen zu müssen, ist auch weg. Auch das ist eine fundamentale Veränderung. Ganz zu schweigen von meiner latenten Aggression gegenüber meiner Mutter…

    • Klingt herrlich , wir scheinen eine ähnliche Veranlagung zu haben…
      Du hast es jetzt hinter dir,yeah

  • hoffentlich kannst du uns bald die Infos geben….

  • Wie schön wieder etwas von dir zu lesen! Dieses Jahr habe ähnlich fundamentale Erfahrungen gemacht, die meine Sicht auf meine Umgebung verändert haben, ein befreiender Moment. Schade, das sowas erst so spät passiert…aber egal, Hauptsache es geht dir gut.
    Gibt es in Zukunft wieder Beauty-Beiträge von dir, die Duft und Trend-Abteilung geht leider so ganz an mir vorbei. Ce sera, sera 😉

  • Ein berührender Bericht und eine Erfahrung, die Interesse weckt. Schön, dass sie dir diese wichtige Erkenntnis gebracht hat.

  • Manchmal braucht unser Innerstes einen Schubs in die richtige Richtung um loslassen zu können. Schön das es bei Dir so wunderbar geholfen hat und Danke das Du uns an dieser Erfahrung teilhaben lässt. Ich hatte heute gerade mit meinem Mann ein Gespräch in die gleiche Richtung. Ich bin im letzten Jahr bedrohlich schwer erkrankt und habe seitdem mein Leben umgestaltet, ich sehe vieles gelassener und bin nicht mehr so perfektionistisch veranlagt und siehe da, die Familie übernimmt mehr an Aufgaben und wir gehen alle entspannter miteinander um.
    Lg

  • Hallo Ihr lieben alle,
    es handelt sich um Geburtsarbeit nach Terence Dowling,
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9284279.html
    Hier ist noch mehr Info, die auch weiterführt:
    https://coreonnewenergy.wordpress.com/2012/02/02/das-geburtstrauma/
    Meine liebe Freundin Ute Roeber bietet das in Berlin als Einzelarbeit oder bei Interesse auch als Seminar an:
    http://www.uteroeber.de
    Was meine Artikel angeht über Beauty und Düfte, so mache ich das, was ich gerne nehme, wie Paula natürlich weiter. Aber ich bin seit einem Jahr einen ganz anderen Weg gegangen, nämlich den schamanischen, und ich denke noch darüber nach, wie ich das mit euch teile. Aber es kommt!!

    • Liebe Janne, ich habe dich schon vermisst!
      Neue Wege beginnen können bedeutet für mich Freiheit und ein Stück loslassen. Auch wenn ich mich blogmäßig eher neu orientieren werde, wünsche ich dir alles alles Liebe!

Deine Meinung?