Alles ist käuflich

Im Internet natürlich.

Kürzlich stieß ich auf ein interessantes Phänomen und zwar im Rahmen meines Erstjobs. Da beschäftige ich mich mit Digitalisierung und es ging um gekaufte Follower. Nach ein wenig Recherche im Internet war ich erstaunt. Zum einen darüber, was für ein Riesengeschäftsfeld das mittlerweile ist. Und zum zweiten über die Kundengruppe der Followerverkäufer.

Das sind nämlich nicht nur Unternehmen, die ihren Social Media Kanal (Facebook, Instagram, Twitter etc) pushen wollen – sondern auch Privatpersonen *staun* und Blogger *noch mehr staun*. Ich dachte mir, wer es privat braucht, mit einem Riesenaccount zu glänzen – feel free. Bei den Bloggern finde ich das schon nicht mehr so lustig.

Wie ihr wisst, gibt es hier seit Anfang des Jahres zarte Anfänge einer Kommerzialisierung (immerhin hat es schon für ein Paar Louboutins gereicht und die IHK hat mich auch schon am Wickel). Da gibt es nun folgende Phänomene: man bekommt Angebote und die Vergütung richtet sich – ihr habt es schon geahnt – nach Klicks, Followern und so weiter und zwar auf allen verfügbaren Kanälen.

Ich bin stolz darauf, dass FabForties knapp 500 Follower auf Facebook hat und nach einigen Monaten 175 auf Instagram. Ich habe keine Zeit und Lust, beständig irgendetwas zu posten. Wer mir auf Facebook folgt, weiß, wann ich mal wieder Stress im Büro habe… tagelang nichts und dann kommen gleich drei oder vier Links. Bei Instagram halte ich es ähnlich. Finde ich es interessant, gibt es was. Sonst eben auch mal zwei Wochen nichts.

Mit Blick auf das Geld, das sich mittlerweile mit „großen“ Blogs verdienen lässt, bekommt das natürlich einen ganz anderen Charakter. Was an meiner Position aber nichts ändert. Ich berichte nach wie vor nur über Sachen, die ich mag und tatsächlich benutze. Und auf Instagram gibt es nur Photos, die ich gerade teilen will. Und nicht jeden neuen Päckcheninhalt oder Einkauf oder oder. Ich mag Instagram, aber eben in Maßen.

Nun wundert man sich teilweise, wie es Instagram Accounts innerhalb kürzester Zeit auf mehrere tausend Follower bringen. Macht sich mit Blick auf Blogeinnahmen ausgesprochen gut. Schaut man sich die Follower mal an, entdeckt man schnell die üblichen Verdächtigen: Follower, die keine Bilder posten, dennoch eine dreistellige Anzahl an Abonnenten haben und ihrerseits mehreren tausend (!) Accounts folgen. Ja, das ist ja ganz normal. Und hat auch bestimmt nichts gekostet.

Ich finde das schäbig.

9 Kommentare

  • Ich finde sowas nicht nur schäbig, sondern vor allem auch peinlich. Und dumm. Weil so durchsichtig! X-Tausend Follower von denen 95 Prozent gekauft sind – wenn wir das merken, merken das andere auch. Auch Unternehmen, auch Agenturen. Tsss.

    Ansonsten finde ich Kommerzialisierung absolut legitim. Solange sie transparent und ehrlich ist. Warum soll man für die viele Arbeit hier nicht auch was in barer Münze zurückbekommen? Ist sowieso wenig genug.

    Ich bin ja auf Facebook recht fleißig, habe dort aber zusätzlich auch immer mal wieder Werbung für meine Seite laufen. Denn sonst sind die Corporate Seiten ja leider fast unsichtbar.

  • So merkwürdige Lügengespinste unter Erwachsenen finde ich super peinlich und das lässt mich schnell Abstand von solchen Möchtegern-Promiblogs nehmen. Gute Marken werden sich vor einem Imageverlust durch solche Arten von Bloggern schützen wollen und es wird Algorithmen geben, die aussondern, wie schnell jemand Follower generiert oder welche Qualität der Follower hat. Sonst schießt sich die Marke schnell mal ins Knie – zu oft von den falschen Blogs/Medien erwähnt und an den falschen „Promis“ gesehen (Michael Kors etc.) und das „Habenwollen“ sinkt bei mir gegen Null.

  • Ich habe letztens im Zuge der Neid Debatte unter Bloggern zum ersten Mal davon gehört und tatsächlich unter meinen gefolgten Blogs Instergram Accounts entdecken müssen die über 1000 Follower haben…..seltsamerweise liken und schreiben aber immer eine selbe Anzahl von Menschen die Bilder etwa 30 im Schnitt. Für mich bleibt jetzt ein Geschmäckle und ja, ich finde das ebenfalls schäbig.

  • Dem ist nichts hinzuzufügen, liebe Irit! 😉

  • Ich bin zu unbedarft für sowas …
    Klar ist es schön, mit etwas Geld zu verdienen, was man a) sowieso macht und b) gerne mag aber wenn die Meinung käuflich wird oder man auf einmal alles mag, will und vorstellt, dann verliere ich als Leserin schnell das Interesse.

  • PS: auf Instagramm posten hätte ich auch Lust aber irgendwie als „Privatperson“ denke ich dann auch wieder, es müssen ja nicht alle sehen, was ich gerade sehe, mache. Blogmäßig finde ich das aber ein gutes Medium.

  • Ich „like“ nicht, sondern ich lese und zwar in erster Linie hier und beim Konsumkaiser. Das sind für mich die beiden Blogs, denen ich absolut vertraue. Instagram ist für mich persönlich völlig uninteressant. Wer unbedingt jeden Snack und jedes Tagesoutfit ins Netz stellen muss, bitte schön, aber ich muss mir das nicht ansehen. Und wer sich Follower kaufen muss, kann einem nur leid tun.

    • andrea, hopi – da bin ich der gleicher meinung. eine privatsphere zu haben und nicht für jeden pups einen lob/like zu erwarten finde ich sehr wichtig. deswegen habe ich mich nie bei facebook angemeldet.
      bei konsumkaiser schätze ich, dass er nicht nur lob und kaufempfehlungen ausspricht. dort wird auch ehrlich vor fehlkäufen gewarnt. und er ist wohl der letzte, der sich vor der komerzialisierung sträubt. das macht ihn für mich glaubwürdiger…

  • Ich erzähle Euch mal von einem anderen IG Phänomen: bis auf ca. 500 Follower krabbelte mein Account ganz langsam und allmählich. Einige kenne ich persönlich, manche sind aus meinem Taschenclub, andere aus der Bloggerwelt und dann kamen vielleicht seit Ende Mai plötzlich täglich 3-5-7 dazu und der Trend hält an. Es sind entweder Mädchen zwischen 11 und 14, leicht bekleidete Damen mit kyrillischen Buchstaben und bärtige Männer und ich habe die alle nicht dafür bezahlt *schwör* weder die einen noch die anderen. Manche gehen auch schnell wieder, wenn sie merken, dass ich ihnen nicht folgen werde. Ich kenne eine Forumine, die täglich nur ihre Taschen oder Katzen in Szene setzt, der es zuviel wurde. Sie hat rigoros ihren Account platt gemacht und einen neuen aufgemacht und auf „privat“ gestellt. Dazu habe ich allerdings keine Lust. Ich habe dann mal bei den Bloggerkolleginnen nachgesehen, die teilweise als „große Blogger“ gehandelt werden. Viele Busen und Bärte kannte ich schon. Es scheint also irgendein Trend zu sein 😀 Liebe Grüße! Bärbel (IG uefuffzich, falls jemand gucken kommen will)

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