Wisst ihr noch, wie das war, als ein Walkman das Größte war? Oder

als das Erstrebenswerteste auf der Welt eine Digitaluhr war, die einem heute als Zusatzgeschenk hinterher geschmissen wird? Als man zwanzig Pfennig nahm, zur Telefonzelle dackelte und damit den ganzen Nachmittag telefonieren konnte?

Wir sind ja hier – siehe blogtitel – unter uns, also können wir ruhig zugeben, dass wir uns an all das gut erinnern. Vokuhila, beispielsweise. Das weibliche Pendant zu diesen Frisuren waren Dauerwellen und knallfarbige Wimperntusche. Das war damals, als man dachte, 50 Pfennige für eine Kugel Eis wären zu teuer und Fernsehen könnte nicht dümmer sein als Tutti Frutti.

Was haben wir uns alle getäuscht. Erinnert ihr euch noch, dass Computer und Internet ironischerweise entwickelt worden sind, um Zeit zu sparen? Bruhahaha, das müsste man mal einem dieser kleinen Zombies mit dem festgewachsenen Smartphone erklären -vielleicht dem, der neulich an der S-Bahn versucht hat, mit zwei Fingern die Umgebungskarte zu vergrößern. Meine 12jährige Tochter bekommt vierstellige Mengen an whatsapp-Nachrichten pro Tag in ihren Gruppen. Nun ja, ich muss nicht alles verstehen.

Apropos nicht alles verstehen – unverständlich finde ich auch den Selfiestick. Was, das kennt ihr auch nicht? Das ist ein ausziehbarer Stock, den man in der Tasche dabei hat, auf den man sich nicht etwa stützt, wenn man Gehprobleme hat, sondern an dem man sein Smartphone befestigt, um bessere Eigenbilder zu machen. Nun ja. Ich finde die meisten Selfies doof, sie sind auch immer so, ja genau, selbstverliebt, und meistens auch nicht schön. Denn die Leute gucken darauf komisch, vermutlich, weil sie denken, dass sie so besser aussehen. Entweder legen sie immer den Kopf komisch schief, oder sie machen diese seltsamen Lippen, duckface heißt das wohl, oder sie halten das Handy so dicht vors Gesicht, dass es gar kein richtiges Foto ist – ich frage mich dann immer, ob sie sich nur so verschwommen/angeschimmelt/verwackelt gefallen? Und es ist ihnen auch total egal, was noch im Hintergrund zu sehen ist –  da gab es schon Müllberge, ungemachte Betten und noch einiges mehr als way too much information. Wer will das schon alles wissen? Ich jedenfalls nicht.

Aber um auf den walkman zurückzukommen  – Mann, waren die Leute cool, die einen hatten. Scheiß auf iPods.

14 Kommentare

  • Ich habe diese Sticks auf den ersten flüchtigen Blick für Müllaufspieß Vorrichtungen gehalten und mich gewundert, warum so etwas von fliegenden Händlern auf ital. Märkten angeboten wird…

  • Katharina

    Ach Janne, was für eine schöne Erinnerung … Gerade am Wochenende habe ich meiner Tochter erklärt, dass es nicht schlimm ist, wenn man seinem Freund nicht im Minutentakt whatsappt und dass wir uns damals nur am Wochenende bei der Disco gesehen haben und vielleicht mal nach der Schule, wir haben uns Briefe geschrieben und ansonsten drauf vertraut, dass schon alles gut ist. Und wenn man einen Brief bekommen hat, wie besonders das war. Ich habe meine immer noch … Und ja, der Walkman. Ich habe meinen für ein besonders gutes Zeugnis bekommen, das war der Hammer. Ich bin heute noch zu Tränen gerührt, wenn ich daran denke (war echt was besonderes im Osten). Und wie schwer ist es heute, seine Kinder derartig zu beeindrucken. Ob sie sich an ihr erstes Smartphone erinnern werden, wenn sie „fabfortie“ sind?

  • …und könnt ihr euch noch daran erinnern, wie man mit einem Bleistift einer Kassette das Leben retten konnte?

  • Steffani Freund

    Meiner war von Sony und ich hatte Cassetten, die in der Disco mitgeschnitten wurden. Der Hit :-).

  • So ein Innehalten und Zurückblicken finde ich ab und zu sehr erhellend. Oh, was war ich stolz auf meinen ersten Kassettenrekorder! Jede Kassette war ein kleiner Schatz.
    Dem Vokuhila bin ich glücklicherweise nie erlegen und die aktuelle Selfiemanie ist mir auch ein wenig unheimlich. Nur farbige Wimperntusche hielt ich damals und auch noch heute für einen prima Hingucker und verwende sie im Sommer gern als raffinierten kleinen Farbklecks im Make-up . 🙂

  • Hach, ich erinnere mich an meine erste Leercassette (Weltspartaggeschenk von der Sparkasse) und an mein erstes aus dem Radio selbstaufgenommenes Lied (natürlich Abba). Und bei manchen 80er-Songs habe ich noch genau im Ohr, wann die Aufnahme abbrach und ich ein Stück Moderatoransage erwischt habe und welches Lied danach kam, so oft habe ich die Kassetten dann gehört.
    Einen Walkman wollte ich immer so gern haben, aber ich habe auch damals schon Schwierigkeiten gehabt, auf größere Wünsche zu sparen. Das Geld ging dann für Kleinigkeiten drauf: Zeitschriften, rosa Schimmerlippenstift, blaue Wimperntusche (könnte ich mal wieder ausprobieren 😉 ) usw.

  • Klaro,

    da war ich sehr stolz drauf, ein Sony walkman….

    zum Thema Selfie… früher wurden auch nicht ständig Fotos gemacht….. viel zu teuer, das hat sich glücklicherweise geändert, l ist für kleine Leute wie mich 🙂

    Gruß sabine

  • Was auch so toll war: eine persönlich zusammengeschnittene Kassette von seinem Freund zu bekommen. Das hat richtig Mühe gemacht damals. Finde ich nach wie vor herzerwärmend, wenn ich daran zurück denke.
    @Andrea, so geht es mir auch. Ich habe z.B. jedes mal, wenn ich James Brown höre im Ohr, wie am Schluss, bevor James das letzte mal „I feel good“ ruft, Fritz Egner (Bayern3, Fritz und Hits) fragt:“How do you feel, James?“ 😉 Hatte ich ewig als Aufnahme auf Kassette.

    • Ja, genau. So geschickt war ich allerdings nie. Keine coolen Sprüche, nur angebissene Verkehrsnachrichten, andere Songanfänge oder so…

  • Und gepflegt wurde der Walkman liebevoll mit einer Reinigungskassette, in der ein komisches Filzband durchlieft. Hits wurden bei Pop nach 8 von Thomas Gottschalk mitgeschnitten.

    Selfiesticks werden hier in São Paulo von fliegenden Händlern an jeder Ampel verkauft. Ich finde die megaprollig, aber es gibt ja schon ein Bild, bei dem sich Obama im Oval Office selbstverliebt mit dem Stick verewigt. Verkehrte Welt …

  • Und wisst ihr noch, als wir glaubten, etwas Dümmeres als Tutti Frutti könnte im Fernsehen nicht gesendet werden?

  • ich kam 1985 mit meinem ersten grauen sony walkman stolz wie oskar in die vorlesung. norwegische freunde hatten ihn mir dagelassen und mein sitznachbar fragte, ob ich neuerdings einen taschenrechner aus der sowjetunion hätte. nix da taschenrechner, es war ein musikmaschinchen und seitdem haben die geräte zwar gewechselt, aber meine ohren bekommen täglich mobile musike. liebe grüße, bärbel

  • N’Abend zusammen,

    bezüglich der geschilderten Verwendungsmöglichkeiten, bin seit Jahren ein Totalverweigerer.
    Nix WhatsApp, nix Smartphones, nix Tablets, nix wie blöd durch die Stadt laufen, nix merken, da nur tippen, also auch keine Selfies, (ich photographiere den Hund, ist eh‘ schicker) für mich alles nicht nachvollziehbar.

    Ich bin amüsiert von der Unfähigkeit vieler Menschen, sich im „normalen“ Leben zu begegnen, sich stinknormal kennen zu lernen, verstehe noch heute beispielsweise absolut nicht, wozu „Partnerbörsen“ gut sein sollen, außer für „One-Night-Stands“, die wir/ich in der Vergangenheit, bis auf meiner Stirn -für mich unsichtbar- „Leiche“ eintätowiert wurde, da verheiratet mit Kind, berufstätig u. (weit) über vierzig, auch ohne diese „Hilfswerkzeuge“ gut alleine auf den Weg brachte/n.

    Und ich liebe weiterhin meinen Discman, ich habe -nachdem meiner alter die Hufe hochriß- lange gesucht, überhaupt heute noch einen zu finden, der Musik spielt und zwar mit Sound! Heute kann man sich nicht mal mehr auf Rezensionen von Käufern verlassen, man muß schon genau lesen: ….für meine Hörspiele….
    Ähhh, was? Hörspiel-CD’s? Mir geht es um den Klang beim Discman….!
    Ja, auch hier bin ich eine ewig Gestrige, denn ich lese weiterhin unverbesserlich BÜCHER! Ich will weder einen Kindle, noch eine Hörspiel-CD, die spielt mein Sohn…., und auch das nur, weil er oft zu faul zum Lesen ist.

    Mein erster WALKMAN war ein AIWA, Modell 1981, hach, der war herrlich, toller Klang!
    Danach folgten Sony&Co, auch Grundig durfte mich ohrentechnisch verwöhnen, selbstverständlich bis weit in die 90er mit Kassetten, bis wir dann, schätzungsweise Ende dieser Dekade, doch alle zu CD’s griffen, dann kamen die Discman….
    Ich höre noch heute meine CD’s ausschließlich über Discman, da ich den Sound einfach Klassen besser finde, als Bose, B&O, YAMAHA, oder was da noch so alles in den Wohnzimmern herumsteht…
    Ich liebe es, mit mir und der Musik allein zu sein! Da höre ich noch heute 20-30x dasselbe Stück, habe mir gerade aus Anfang der 90er „Patti Labelle“ gegönnt: Traumhaft! Ich liebe diese Musik, und vor allen Dingen abgespielt per Discman!

    Ich bin weder in ‚Social-Networks‘ unterwegs, noch eben Hipp, was meine verwendete Elektronik angeht, obwohl zu Hause gut ausgerüstet, verweigere ich mich dieser ganzen Unterhaltungselektronik „To Go“.
    Mein Handy ist altmodisch, kann aber tatsächlich, was meine Anforderungen sind: Ich kann mit Brille SMS lesen, ich kann telefonieren und SMS schreiben, und das kann ich laaaaange Zeit, fertig! Ich finde dieses „Gewische“ auf den modischen Displays absolut lächerlich, aber das ist nur meine eigene, sicherlich weder allgemein gültige, noch besonders populäre Meinung!
    Armselig, gell? Jupp, selig sind die Doofen!
    Ich maile zwar (wie man sieht, fast immer zu lang), so wie ich auch schon früher gerne Briefe schrieb, aber eben ohne T9-Modus, telefoniere gerne (aber von zu Hause), oder spreche tatsächlich mit dem Menschen, sozusagen „Face to Face“, jaaa, ich bin da eine ganze Aufgeschlossene, unterhalte mich mit jedem, egal, ob häßlich, offensichtlich unterbelichtet, oder undersext!

    Leute, da entgeht Euch echt was, gebt den Menschen mal ’ne Chance, bei manchen ist man echt überrascht, da findet sich mehr Tiefgang als vorher gedacht, und umgekehrt selbstverständlich auch!
    Nur eines mag ich echt nicht, und das gibt es heute en masse: Langweilige Leute, die sich produzieren, leider doch wenig bis nichts zu sagen haben, die vereinsamen, die nichts von sich preisgeben mögen, schon gar nichts Lächerliches, wo sie dumm „dastehen“ könnten, und doch überall dabei sein möchten, und sich den anatomischen Südpol über andere ablästern, ohne jemals selbst in die Schussbahn gelangen zu wollen.

    Tipp: Einfach mal mehr sein eigens Ich durchschieben, nicht das, was andere von einem sehen möchten, nein, ganz einfach man Selbst sein,…. halte ich für eine sinnvolle Erfahrung….DAS waren die 80er, da durfte noch jeder sein, wie er wollte, der Walkman von früher ist da nur ein Symbol der „guten alten Zeit“…
    Aber jeder, wie er mag….

Deine Meinung?