Bande de filles / Girlhood / Mädchenbande

Dieser Film ist gerade im Kino angelaufen und ich mag ihn sehr. Die Regisseurin Céline Sciamma begleitet 4 junge farbige Mädchen aus einer Pariser Vorstadt an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Unsere Hauptperson ist Marième, die den freigewordenen Platz in der Gang einnimmt. Ihre Vorgängerin war schwanger geworden…
Marième möchte weiter zur Schule gehen, aber ihre Noten geben das nicht her.

Als die Mutter, welche abends als Putzfrau arbeitet, sie in ihrer Firma mit unterbringen will, nutzt Marième ihr in der Gang erstarktes Selbstbewusstsein, um sich das zu ersparen. Lieber streunt sie tagsüber mit ihrer Bande in Paris herum, oder prügelt sich mit Rivalinnen (was ihr den Respekt ihres Bruders einbringt). Einmal mieten sie ein Hotelzimmer und haben einfach nur Spaß miteinander, Lebensfreude pur. Die Mädchen haben Träume und nehmen sich das Recht sie (aus-) zu leben.

Abends muss sie sich dann von ihrem Bruder zurechtweisen lassen, sie selbst versorgt mit einer nur wenig jüngeren Schwester das Kleinkind in der Familie. Die Rollen sind verteilt, aber sie versucht immer wieder auszuscheren. Eine zarte Liebesgeschichte beginnt zu einem Freund ihres Bruders, aber ihr selbstbewusstes Auftreten wird nicht honoriert, es passt eben nicht in den vorgegebenen Rahmen.

In sehr berührenden Bildern zeigt Céline Sciamma diese ganz andere Welt voller patriarchaler Regeln, obwohl die Männer abwesend sind. Diese treten erst auf als Marièma ihrem Ghetto zu entkommen sucht, und dies offenbar nur mit Hilfe zwielichtiger Figuren aus dem Milieu möglich scheint. Ob Ghetto oder Milieu, sie durchschaut es irgendwann, möchte zurück und kann doch nicht.
Mich hat sehr beeindruckt, wieviel Kraft diese Mädchen haben, das mitten unter uns so ganz andere Welten existieren und eine gegenseitige Bereicherung jenseits von Ausbeutung immer noch sehr schwierig scheint. Ich wünsche mir eine Welt, in der das möglich ist.

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