Wie wir so urteilen über andere und was das mit uns macht, oder

hat das vielleicht gar keinen Zusammenhang? Ich habe mal ein bisschen herumgefragt, und eigentlich waren fast alle der Meinung, dass es keine Relation zwischen der eigenen Art, andere Menschen zu betrachten, und dem eigenen Wohlbefinden gibt.

Ich habe das auch lange gedacht. Also vielmehr mir nichts gedacht bei dem Umgang mit anderen. Wer tratscht nicht gerne, zieht nicht gerne mal über andere her? Und wer ist nicht schnell mit Urteilen über andere zur Hand. Ohne mit der Wimper zu zucken, denken wir, dass diese dick, jener komisch angezogen/unangenehm/häßlich und der aufdringlich/laut/unverschämt ist. Und das ohne jede Rechtfertigung, denn wir kennen diese Menschen ja gar nicht. Wissen daher auch nicht, wie es ihnen geht, warum sie so aussehen und sich so benehmen. Das stört uns aber nicht beim ebenso unbefangenen wie unbegründeten Urteilen.

Dabei wissen wir doch alle, wie weh das tut, wenn wir selbst ebenso unbarmherzig wie ungerechtfertigt beurteilt werden. Wir alle sind schon in Gruppen gemobbt worden, ob beabsichtigt oder aus Versehen. Wir alle haben uns schon außenvor/ungerecht abgestempelt/gewogen und für zu leicht befunden gefühlt.

Wie hängt das nun zusammen? Ich glaube, dass wir in dem Moment, in dem wir hemmungslos urteilen, unser eigenes Selbstwertgefühl schwächen. Denn wenn wir so urteilen, rechnen wir spiegelbildlich damit, dass wir selbst genauso mitleidlos von anderen beurteilt werden und fühlen uns demgemäß ständig unsicher und auf der Waage von anderen. Jeder Blick bedeutet ein Urteil. Denn wer hat es denn nötig, erbarmungslos zu urteilen? Wohl nur diejenige, deren Selbstwertgefühl nicht besonders ausgeprägt ist. Wer sich wohl fühlt, muss sich nicht über andere erheben, um sich besser zu fühlen.

Ich schlage Folgendes vor: Versucht einmal vier Wochen lang, nicht zu urteilen, beziehungsweise jedes Urteil, das euch auffällt, sofort zurück zu nehmen. Ihr werdet erstaunt sein, wieviel besser ihr euch damit fühlt. Denn auch wenn der spitze Pfeil vom hohen Ross seinen Reiz hat (und natürlich hat frau auch oft recht mit dem, was sie sagt), so ist es doch viel schöner, sich sicher und respektiert zu fühlen.

7 Kommentare

  • Honeypearl

    Oh Janne, da hast du dir mal wieder ein heikles Thema ausgesucht. Ich denke, dass das schnelle Urteilen auf jeden Fall menschlich ist. Vielleicht ist es ein Instinkt Menschen erst einmal schnell zu beurteilen, erst einmal in Gut und Böse. Ist der Gegenüber mein Feind oder Freund? Je fremder mir ein anderer Mesch ist bzw. je weiter weg von mir selbst, mein Style, meine Optik, meine Einstellung im Allgemeinen, etc. desto kritischer wird hingeschaut. Das gibt erst einmal Sicherheit. Das ist ein bisschen in Richtung Schubladendenken.
    Bei Menschen bei denen ich mir eingebildet habe sie zu kennen, suchte ich bei z. B. gewissen Kollegen (innen) auch die Dinge, die meine negative Meinung bestätigen.
    Gerade eben habe ich noch ein Gespräch darüber geführt, welche Ansprüche man an andere hat und ob man diese selbst erfüllt. Wenn man schon urteilt – und davon kann sich meiner Meinung nach niemand freisprechen – dann sollte man auch bereit sein, seine Meinung zu revidieren. Vier Wochen Achtsamkeit ist eine gute Übung, ich glaube ich leg eine Strichliste an, wie oft ich micht dabei ertappe, andere zu verurteilen.

  • Liebe Janne, das ist ein Thema mit dem ich mich bereits seit langer Zeit beschäftige.
    Sicher habe ich meine Vorurteile und ertappe mich immer wieder dabei, wenn ich sie unbestätigt finde. Sieht man sie bestätigt, fühlt man sich bestätigt, das fällt nicht so ins Gewicht.
    Was ich aber nie getan habe war andere zu verurteilen, dafür das sie anders aussehen und eine andere Meinung haben.
    Beispiel: die ist dick, darum ist sie zwangsläufig ungepflegt, frisst zu viel, ist undizipliniert
    Die ist aber zu dünn, darum ist sie magersüchtig, krank,
    Die trägt Pelz, darum ist sie gewissenlos, ignorant und oberflächlich.
    Die lebt vegan, darum ist sie diese oder jenes oder welches…
    Es gibt Dinge die mag ich und Dinge die mag ich nicht. Das sagt etwas über mich aus aber nicht zwangsläufig über mein Gegenüber. Bei sich bleiben ist eine echte Kunst.

    Natürlich haben es Menschen, die in etwas das selbe mögen bei mir leichter aber andere lehne ich nicht ab, weil sie etwas anderes mögen, sich mit einer anderen Religion beschäftigen oder einen anderen Lifestyle pflegen.

    Ich gewinne zunehmend den Eindruck, dass es den oberflächlichen Menschen einfach „Wurst“ ist ob ihr Eindruck und ihre Meinung über die anderen korrekt ist. Ich habe nicht den Eindruck das diese Menschen zwangsläufig weniger Selbstbewusst sind. Das Gegenteil ist nach meinen Beobachtungen der Fall. Sie gehen völlig selbstverständlich davon aus, dass ihre Meinung, ihr Weltbild, das einzig seelig machende ist. Das kann doch nur von überzogenem Selbstbewusstsein zeugen. ;-) Zynismus beiseite, ich glaube es gibt nicht die eine Antwort. Schließlich gibt es ja auch genug Menschen, die lange Jahre gemoppten wurden und sich dann, wenn sie das hinter sich lassen konnten genau so Ätzend anderen gegenüber verhalten obwohl sie beide Seiten kennen.

    Ich mag aber deine Achtsamkeits Idee. Bewusstsein schaffen, das nicht nur die eigene Weltsicht und Geschmack Richtigkeit haben kann sehr viel bewirken. Vielfalt ist so Wichtig und Wertvoll. Warum neigen wir Menschen dazu sie zu verurteilen, statt sie als Chance auf eine Erweiterung des eigenen Horizonts anzunehmen?

  • Honeypearl

    Vergiss das mit der Strichliste….

  • Mir gefällt die Empfehlung von Janne ziemlich gut, weil sie erstmal voraussetzt, dass man sich Gedanken machen muss, über sich und andere und den Umgang miteinander.
    Vier Wochen nett sein,vier Wochen ohne Gehässigkeiten – das dürfte doch schaffbar sein, oder?

  • Ich bin selbst von mir ziemlich überrascht gewesen. Ich nehme das ernst mit dem Nichturteilen und doch urteile ich viel öfter als ich gedacht hätte. Nun soll das ja auch nicht zur Selbstzerfleischung werden, deswegen habe ich mir einfach vorgenommen, jeden Tag mein Bestes zu tun. Das ist an manchen Tagen besser als an anderen. Aber ich gebe mir Mühe. Nur das habe ich gemeint…

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