Große Wahrheiten über das Leben, oder

wer was lernen will, der muss lesen, hat meine Großmutter schon immer gesagt. Bert Hellinger ist einer der umstrittendsten Therapeuten unserer Zeit – mit seinen Hallen voller Jünger, mit seinen Familienaufstellungen in der Öffentlichkeit, mit seinen „althergebrachten“ Thesen.

Ich bin fasziniert von Aufstellungen, seien es Familien-, Problem- oder sonstige Lebenshilfeaufstellungen. Aufstellungen laufen so ab, dass jemand, der ein Problem hat, dieses mit unbeteiligten Gruppenteilnehmern als Stellvertretern der beteiligten Personen im wahrsten Sinne des Wortes „aufstellt“  – die Vertreter stellen sich meist nach Anweisung des Aufstellenden hin. Aus nicht ganz erforschten Gründen fühlen die Stellvertreter wie die Personen, um die es eigentlich geht, so dass der Aufstellende von ihnen die Informationen bekommt, die es braucht, um das Problem schlussendlich auch zu lösen. Oft ganz handfest durch Umstellen der Personen und/oder bestimmte Aktionen.

Ich wollte es genauer wissen und habe mir daher das Buch von Gabriele Terhövel und Bert Hellinger „Anerkennen was ist“ gekauft. Es ist ein Gesprächsprotokoll zwischen den beiden, und für den Einstieg ist es gut, denn es gibt einen ganz guten Überblick über die Ansichten und den Werdegang Bert Hellingers. Er ist eine schillernde Persönlichkeit, er war Priester, Therapeut, Lehrer und ist nun als „Aufstellungspapst“ bekannt geworden. Nicht immer nur positiv, ich kenne viele Artikel über ihn, die ihn als autoritär, konservativ und auch sonst sehr kritisch beurteilen. Da ich ihn live nicht sehen kann, wollte ich ihn wenigstens besser kennenlernen.

Das Buch hat mich tief beeindruckt. Ob ich allem zustimme, was er sagt, kann ich heute nicht entscheiden. Aber er hat eine beeindruckend klare Sicht der Dinge, und er verschafft der Ordnung Ausdruck. Der Ordnung zwischen Familienmitgliedern und Partnern, die sich eben nicht dem Zeitgeist beugt. Es ist vieles sehr klug und durchdacht, manches irritierend, aber alles anregend.

Ich kann dieses Buch allen, die gerne mal über den Tellerrand schauen und sich für das Thema interessieren, dringend empfehlen.

13 Kommentare

  • Ein Mann der eine sexuell missbrauchte Frau zu ihrem Vater sagen lässt: „Ich habe das gerne für dich gemacht.“ und Gewalt gegen Frauen relativiert hat… das ist meiner Auffassung nach jenseits von „umstritten“. Der Umstand dass es Suizide nach Hellinger-Aufstellungen gab setzt dem ganzen nur die Krone auf. Ich weiss nicht ob man so wirklich über den Tellerrand schaut oder nur einer Person zuhört die oft sehr menschenverachtende Thesen vertreten hat und viel zusätzliches Leid verursacht hat. Dieser Mann ist kein Therapeut, sonst würde ich mich schämen Therapeutin zu sein.

  • Martina Jansa

    Bert Hellinger Bücher sind ohne Zweifel mehr als kritisch zu bewerten.
    Als Laie soll man bitte diese Bücher nicht lesen.
    Schließe mich dem Kommentar von Beate voll an.

  • Ich selbst kenne die Bücher nicht, ich habe eh keine Tendenz zu Familienaufstellungen etc pp Janne kann gerade nicht antworten, aber sie wird später noch etwas dazu sagen

    Das Zitat von Beate finde ich allerdings sehr heftig bzw. nicht tolerabel. Bei Gewalt und insbesondere gegen Kinder hört es bei mir auf

  • Hier meldet sich mal eine stille Leserin zu Wort,die gerne alle kosmetischen Artikel liest…
    Herrn Hellinger und seinen Thesen sollte man nun wirklich kein Forum geben. Der hat nun wirklich einen Dachschaden! Sorry.

    • Bist Du ihm schon persönlich begegnet? Mehrspurig denken Susanne :D was soll dagegen sprechen, sich über diese Persönlichkeiten zu informieren? Wenn ich im Geschäftsleben dafür unterschreiben soll, nicht nach Ron-Hubbard-Technologien zu arbeiten, muss ich doch auch wissen, was das ist. Oder wenn z.B. schicksalhafterweise eine Person aus Osteuropa angespült wird, sie mir ihre beeindruckende Geschichte erzählt und darin angibt, dass ihr in einer äußerst schwierigen Lebensphase Werke von Helena Blavatsky und Alexander Klisowski geholfen haben, weiß ich nicht, warum man sich dafür nicht interessieren und sie nicht selbst mal lesen soll… ein Impuls kann nie schädlich sein.

  • Ich habe nicht gesagt, dass ich alles gut finde, was er sagt. Es ist aber generell keine sinnvolle Art der Auseinandersetzung, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen und sich dann darüber aufzuregen. Auch Missbrauch in einer Familie hat Gründe, an denen oft mehrere Familienmitglieder beteiligt sind. Damit möchte gerade ich keineswegs Missbrauch kleinreden oder gar rechtfertigen. Es ist aber nicht verkehrt hinzuschauen und zu verstehen, was da passiert ist. Den Opfern hilft Verständnis für die Zusammenhänge mehr als Empörung, denn schlussendlich muss diejenige damit leben. Bert Hellinger hat sich durch diese Massenveranstaltungen angreifbar gemacht, das finde ich persönlich auch.
    Das bedeutet aber nicht, dass verantwortlich geleitete Aufstellungen in einer Gruppe des Vertrauens nicht funktionieren können oder gar gefährlich sind. Dass es im Zusammenhang mit Bert Hellingers Aufstellungsveranstaltungen Suizide gegeben haben soll, höre ich zum ersten Mal und finde das ganz furchtbar.
    Trotzdem oder gerade deswegen ist das Buch lesenswert.

  • Ach so – die apodiktische Aussage, man dürfe als Laie diese Bücher bitte nicht lesen, finde ich etwas daneben. Das sollte doch jede selbst entscheiden dürfen.

  • Janne is a “ special“ person…..

  • Was auch immer das jetzt heißen soll…

  • NiQa,
    eben weil ich mich informiert habe unterschreibe ich meine Meinung. Du kennst mich doch auch nicht persönlich und trotzdem bekomme ich von Dir ( unbekannterweise )den Rat mehrspurig zu denken…

  • Ich habe erst kürzlich an einer Familienaufstellung nach Hellinger zum ersten Mal in meinem Leben teilgenommen und muss sagen, dass ich erstaunt bin was dort geschehen ist. Was ich selbst erleben und spüren konnte, ist mir bis heute nicht richtig zu erklären. Was das Thema Selbstmorde betrifft, nun ja, die geschehen auch bei anderen Therapieformen, auch de der konventionellen Therapieart, und das nicht zu knapp. Wobei ich es immer sehr schlimm finde, wenn einer freiwillig aus dem Leben scheidet. Aus was für Gründen auch immer.

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