Familienfeiertage, nicht ganz unproblematisch, oder

ich es mit den Jahren gelernt habe, solche Tage in Frieden zu erleben UND dabei Spaß zu haben.

Jede kennt das, frau freut sich wochenlang auf die freien Weihnachtstage, schließlich ist der berufliche und private Jahresendstress verbunden mit der Vorbereitung von allem für die freien Weihnachtstage ja nicht ohne. Ich hatte dieses Jahr ernsthaft den Eindruck, dass am 24.Dezember die Versorgung der Hauptstadt mit Lebensmitteln, Büchern und sonstigen Bedarfsgegenständen eingestellt wird, so voll waren die Läden und so verbissen die Leute.

Und dann kommen die freien Tage, mit ihnen kommen unsere Nächsten, die wir alle sehr lieben. Was aber nicht zwingend heißt, dass wir sie alle mögen. Vor allem nicht ihre Eigenarten… Es prallen schlicht die Vorstellungen aller von schönen friedlichen erholsamen Tagen aufeinander. Leider sind diese Vorstellungen nicht identisch. Für die eine bedeutet Festtagsentspannung, dass alles im Programm wie am Schnürchen läuft. Die andere möchte sich endlich mal entspannen, außerdem hasst sie es, herumgeschickt zu werden. Beides und auch alle anderen Vorstellungen kann ich nachvollziehen und alle haben ihre Berechtigung. Nur gehen sie nicht alle gut miteinander. Meiner Erfahrung nach gibt es Harmonie nur in zwei Arten von Familien: Einmal in den diktatorisch geführten Gemeinschaften, wo alle dem folgen, der die Ansagen macht (das sogenannte traditionelle deutsche Modell). Und zum anderen in den Familien, wo alle die gleichen Vorstellungen haben (äußerst selten bis fiktiv).

Wie also damit umgehen? Früher habe ich mich oft geärgert, fremdbestimmt gefühlt und auch ausgenutzt, weil ich zu viel nachgegeben und zuwenig zu dem gekommen bin, was ich eigentlich wollte. Außerdem war ich als Mutter von drei Kindern natürlich auch immer am Start, wo etwas zu tun war. Nun sind die Kinder größer und ich habe inzwischen auch etwas gelernt, nämlich mich nicht so wichtig zu nehmen. Ich passe mich gerne an, vor allem, wenn ich bei lieben Leuten, die sich viele Gedanken über den Ablauf gemacht haben, denn schließlich profitiere ich von ihrer Arbeit und Vorbereitung. Und daran erinnere ich mich immer, wenn ich anfange, mich fremdbestimmt zu fühlen, dass ich nicht einkaufen/kochen/dekorieren/vorbereiten/planen musste. Und gleichzeitig achte ich darauf, dass ich das, was mir wirklich wichtig ist, auch mache. Also bin ich am ersten Weihnachtsfeiertag früh genug aufgestanden, um in Ruhe zu meditieren, wofür ich mir schon am Tag vorher ein stilles Plätzchen ausgeguckt hatte. Danach war wieder alles schön und ich konnte das Familienfrühstück genießen.

4 Kommentare

  • Das ist sehr treffend beschrieben. Ich hole mir an solchen Tagen meine Auszeiten auch über frühes Aufstehen.

  • Ja, und die Langschläfer sollte man dann schlafen lassen und nicht zum Familienfrühstück erwarten. Ich bin fest davon überzeugt, dass man Harmonie auch hinbekommt, wenn man vorher miteinander beredet, wer was wann an den Festtagen machen will und nicht erwartet wird, dass immer alle alles zusammenmachen.

  • Ach ja, es ist schon leidig. Früher war ich immer der Typ die unsere zerstrittene und verstreute Familie an einem Tisch zusammen bringen wollte. Das ist in der Regel fulminant in die Hose gegangen. Die einen konnten es nicht sein lassen alte Kammellen aufzuwärmen und sich so gegenseitig die Stimmung zu verderben. Die anderen hatten hohe Ansprüche ohne je selber etwas zu den Tagen beizutragen außer unterschwellige Vorwürfe. Mich davon frei zu machen fällt mir nicht leicht und es ist auch so, das nicht verstanden wird, warum wir das bei uns nicht mehr machen möchten. Also werde ich mit Vorwürfen konfrontiert, die ich mir blöderweise im stillen auch selber mache. Meinen abschließenden Umgang damit habe ich noch nicht gefunden.

  • Vielleicht mal etwas ganz anderes machen? Anderer Ort? Und Aufgaben vorher verteilen? Jeder bringt was mit? Dann fühlen sich die anderen auch verantwortlich…

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