Kinotipp: A most wanted man

Seit der Zeitumstellung kann ich wieder früher am Abend ins Kino gehen. Sobald es dunkel ist, ist es eigentlich im Kino schöner als draußen.
So stand letztens „A most wanted man“ auf meinem Programm. Der Film beruht auf einem Spionageroman von John le Carré. Normalerweise verstehe ich solche Spionen-Thriller nicht richtig und sie sind mir zu schnell, zu viel Schießerei usw… Doch dieser Film interessierte mich auch wegen der Besetzung: Nina Hoss und Daniel Brühl spielen neben und mit Philip Seymour Hoffmann.

Dieser hat sich vor einigen Monaten umgebracht, es ist seine letzte Rolle. Das macht schon bitter, denn der Mann spielt einfach super gut. Und zwar in diesem Film den Kopf einer Spionage-Truppe, die zwischen den verschiedenen Fronten steht, so etwas wie Moralvorstellungen hat, und durch kluge Schachzüge versucht diese hochzuhalten. Dafür werden abwechselnd der amerikanische und andere Geheimdienste auf eher leise Art vorgeführt.

Das Vorgehen wird erklärt und ist nachvollziehbar. Es handelt sich ganz aktuell um die Auseinandersetzung mit dem Islamismus, und die Interessen der Weltmächte. Ist Geldwäsche akzeptabel? Was sind Ehre und Vertrauen? Durch das Zusammenspiel der internationalen Besetzung wird das alles thematisch solide umgesetzt. Trotz 120 Minuten Filmlänge gibt es keine Nebenschauplätze mit wildem Sex à la James Bond, auch wird in diesem Film nicht wild rumgeballert, und es gibt keine Toten!! Die Hauptakteure gehen irgendwie fair und auf Augenhöhe miteinander um. Die verschiedenen Protagonisten verkörpern Menschen mit Idealen, mit Sehnsüchten und Schwächen, das gibt dem Film viel Glaubwürdigkeit. Übrigens ist die Musik von Herbert Grönemeyer, der auch mitspielt. Das irritierte mich, denn ich erkannte ihn, wusste aber nicht wer er ist. So ist das, wenn jemand in einem komplett anderen Setting auftaucht. Das Ende ist überraschend.

Ich hatte einen richtig guten Kinoabend, und das könnt ihr auch haben.

Auch nochmal 1 Hinweis auf die derzeit laufenden Filme „Anderson“ und „Vulva 3.0“, die ich in meinem Berlinale-Überblick bereits gepriesen habe. Beide sind für sozialpolitisch Interessierte unbedingt sehenswert.

Demnächst schau ich mir an :“Das Salz der Erde“ ein Portrait des Fotografen Sebastiao Salgado.

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