Kino: Amma & Appa

Seit Donnerstag läuft deutschlandweit in den Kinos „Amma & Appa“, der mich bereits im Februar auf der Berlinale begeisterte. Ich sah diesen bayrisch-indischen Dokumentarfilm passenderweise mit der (zukünftigen) Schwiegermutter meines Sohnes. Wie nennt man die Schwiegereltern eigentlich, wenn die Kinder nicht heiraten, was ja oftmals der Fall ist. Die Umschreibung finde ich lästig.

Der Inhalt von  „Amma & Appa“ in Kürze: Bayrisches Girl wird den tamilischen Eltern ihres Freundes vorgestellt, 5 Monate später reisen die bayrischen Schwiegereltern in spe nach, stilgerecht mit Trachten und Lebkuchenherzen im Gepäck. Das zukünftige Brautpaar hat diesen semidokumentarischen Film gedreht (zwischendurch sind Zeichentricksequenzen eingebaut um den Ablauf zu strukturieren), und reflektiert damit die Annäherung ihrer beiden Kulturkreise.

Ich finde das mutig; und es wird sowohl bunt und lustig, als auch ernst und nachdenklich. Der Film überzeugte mich durch die Nähe zu allen Beteiligten und ihren ehrlichen Statements. Nicht nur die Tradition der arrangierten Ehe kommt auf den Prüfstand. Die Mutter des zukünftigen Ehemannes ist sehr traurig, weil die Söhne in Indien üblicherweise bei der Mutter bleiben und deren Altersversorgung sichern. Dazu belastet sie die Problematik Alkohol, dem er in Deutschland ausgesetzt sei. Zumindest die beiden jungen FilmemacherInnen arbeiten auf ein Happy End hin, sie heirateten noch im Februar. Glückwunsch!

Bemerkenswert fand ich dass die bayrischen Sitten mindestens so komisch sind wie die tamilischen, wir schauen nur meist nicht so kritisch. Aber ehrlich, findet ihr Dirndl – möglichst noch mit Schürze – hübsch und kleidsam? Oder Lederhosen – sie sind im heutigen Großstadtdschungel ebenso überlebensnotwendig wie ein Auto mit 4-Rad-Antrieb. Wie dekorativ dagegen all diese bunten Saris und die überbordende Blumenpracht!

Über das Thema der arrangierten Ehe haben wir im Anschluss lange diskutiert. Es schien uns nicht von der Hand zu weisen, dass ein Umfeld, welches den Ehepartnern positiv gegenüber steht und ähnlich strukturiert ist, durchaus förderlich sein kann, was die Haltbarkeit von Beziehungen angeht.

Andererseits: das Fremde ist anziehend und Zeiten ändern sich. Ich bleibe neugierig, wie sich Paare, Familien und Gesellschaft weiter entwickeln.

4 Kommentare

  • Meine Schwiegermutter hat mich „Schwiegerfreundin“ genannt als ich noch nicht mit ihrem Sohn verheiratet war, das ginge doch auch für Schwiegerkolleginnen unterMüttern.

  • Ohne jetzt die Vorzeige-Bayerin mimen zu wollen: ein Dirndl ist eines der schönsten, femininsten und kleidsamsten Kleider, die ich kenne. Ich trage meine gerne und möchte sie in meinem Kleiderschrank nicht missen. Und die Schürze gehört natürlich dazu. 🙂 Allerdings sind meine auch echt und haben mit diesen Faschingsverkleidungen, die von mehr oder minder prominenten Damen auf dem Oktoberfest zur Schau getragen werden, oder den Billigfetzen, mit denen Australierinnen sich am Hauptbahnhof eindecken, nichts gemeinsam.

  • Mein Vater hat den Begriff „Co-Schwiegereltern“ geprägt – fand ich ganz gut.

  • Vielleicht ist das mit den arrangierten Ehen gar nicht so schlecht….. da kann man wenigstens Anderen die Schuld geben, wenn es nicht klappt 😉

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