Manchmal ist das Glück auch ganz einfach, oder

machen wir es uns vielleicht oft zu kompliziert? Ich habe den Eindruck – und das nicht nur von mir -, dass wir alle immer höher, schneller, weiter, besonderer, exklusiver pp sein wollen. Und das auch in unseren Beziehungen.

Da werden die irrsten Sachen unternommen -mydays heißt doch diese Plattform, wo frau alle möglichen abgefahrenen Events á la Prominentenbeschäftigungen wie Ballonfliegen, Helirundflug mit anschließendem Candlelightdinner, Bungeejumping, Panzerfahren,  den Bagger bändigen, Schokobad undsoweiterundsofort (alles echte Beispiele!) buchen kann. Von dem beschenkten Liebsten wird dann erwartet, dass er werbungsadäquat in die Luft springt und jubelt. Auch bei kreativeren Menschen werden mindestens Wochenendstädtetrips organisiert, die originalen Jugendstilkacheln ersteigert, ein gebundenes Fotobuch erstellt oder was einem sonst noch einfallen kann.

Ich weiß nicht, wann es aus der Mode gekommen ist, einfach mal was Normales zusammen zu machen, sich dabei zu unterhalten, einander womöglich in die Augen zu schauen und glücklich zu sein? Bei solchen „Events“ bin ich bestenfalls abgelenkt von meinem Mann, wenn nicht überfordert (Bungeejumping) oder genervt (Schokoladenbad!). In unserem vollen Alltag ist es doch vielmehr so, dass ich um jede Stunde froh bin, die ich alleine (und unbelauscht, ich sage nur: Teeniekinder schlafen nie, jedenfalls nicht, bevor ich eingeschlafen bin!) mit meinem Mann verbringen kann.

Wir hatten jedenfalls gestern viel Spaß – mein Mann war schon eine Woche im Urlaub und hatte vor der zweiten Urlaubswoche einen beruflichen Termin in München. Ich habe es kurzerhand geschafft, das kleinere Kind zu einer Freundin zu organisieren und habe mich morgens ganz früh ins Auto gesetzt. Nach einem überfälligen Besuch bei einer alten Freundin trafen wir uns bei Freunden, mit denen wir auf deren Terrasse noch einen netten Aperitif hatten, bevor wir beiden ganz alleine und zu Fuß auf gut Glück losgelaufen sind, bis wir ein sehr ansprechendes französisches Restaurant am Max-Weber-Platz gefunden haben. Dort haben wir – Überraschung! – superlecker gegessen, uns eine Flasche Wein geteilt und geredet, geredet, geredet. In die Augen geschaut haben wir uns auch. Und Händchen gehalten.

Es war sehr unspektakulär. Und das Schönste, was wir in letzter Zeit erlebt haben. Weniger ist manchmal doch mehr.

10 Kommentare

  • JA JA JA !!!!! Du sprichst mir sowas von aus der Seele!!!

  • Man kann den Eindruck bekommen, dass mancher dieser Eventteilnehmer eher auf der Flucht ( vor was ?) ist, als tatsächliche Zweisamkeit zu genießen.

  • steffani freund

    ……….Wo ist der `gefällt mir` Button?

  • Ich nicke beim Lesen schon die ganze Zeit mit dem Kopf. „Normal“ scheint in unserer Gesellschaft eher inakzeptabel zu sein. Es muss immer weiter, schneller, höher sein. Das fängt inzwischen schon bei Kindergeburtstagen an. Während wir noch glücklich waren mit Topfschlagen und Wiener Würstchen, muss es heute der Ausflug in den Vergnügungspark oder ein Clown sein. Umso mehr freut es mich, dass auch andere Paare sich lieber spontan Zeit freischaufeln und sich einfach mal spontan treiben lassen. So geht Romantik. Schön!

  • Wie wahr – weniger kann soooo viel sein! Klingt nach einem wunderbaren unaufgeregten Tag zu zweit. Das Wichtigste ist doch, die gemeinsame Zeit miteinander auszufüllen, nicht mit „Events“ zu übertönen, dass man eigentlich gar nicht so viel miteinander anfangen kann.
    Abgesehen davon ist ein Ballonflug (schon gemacht, mit Mann) oder ein Tandemsprung (noch auf der Wunschliste, ohne Mann) als Erlebnis nicht zu verachten. Als Highlight, nicht als Beziehungsfüller.
    Bungee und Schokobad hingegen überlasse ich anderen.

  • Honeypearl

    Vielleicht hört es sich doof an, aber ich habe mich vor kurzem auch unter Druck gesetzt, als es darum ging, für meine Freundin ein Geschenk auszuwählen. Es wird schon ein echter Kult zelebriert, was die Verpackung angeht. Früher gab es Muffins oder Kekse in Frischhaltedosen oder Beutelchen. Heute stecken sie in Designerverpackungen mit Schleifchen etc. Ich finde dies sehr hübsch aber um diese Dinge zu haben, muss ich allein drei Bestellungen in verschiedenen Online-Shops tätigen. Aber jetzt schweife ich ab… Ich kann Dir auch nur zustimmen, was gibt es Schöneres als solch einen Abend?

  • Wie Recht du hast, Janne. Ich weigere mich strikt, dieses Höher-Weiter-Besser mitzumachen. Heutzutage genügt es nicht mehr, die einfachen Dinge zu lieben oder nur glücklich sein – es muss immer extrem sein – „man muss an seine Grenzen gehen und diese noch überschreiten“. Muss man das wirklich? Auch wenn ich mir vielleicht das eine oder andere Ereignis entgehen lasse, ich möchte nicht dauernd meine Grenzen austesten müssen. Manchmal frage ich mich, ob ich damit falsch liege, wenn ich sehe, wie andere ständig einem Event nach dem anderen hinterherjagen, sind diejenigen dann wirklich zufriedener oder ausgefüllter? Ich bezweifle das. Sich an den kleinen normalen Dingen zu erfreuen, macht mich glücklicher, als ein Bungeesprung.
    Aber es gibt auch schöne Dinge, die man über mydays bekommen kann. Ich habe letztens zu meinem – räusper – runden Geburtstag 😉 eine Übernachtung für zwei Personen auf einem Wasserschloss/Burg geschenkt bekommen. Das finde ich passend. Dort werden mein Mann und ich das Ambiente (es war schon immer ein Wunsch von mir, in einem Schloss zu übernachten) und unsere Zweisamkeit genießen und nichts weiter. Keine anhängenden Mussveranstaltungen, das gefällt mir.

  • manchmal dauert das mit dem Glück ein bisserl, aber mit 40 habe ich herausgefunden, dass das Leben an sich ein Glück ist.
    Das mit der Zweisamkeit ist leider nicht immer so einfach, aber dazu könnt ihr mehr hier lesen
    http://einzelblog.com/

    liebe Grüße aus Wien,

    klingelfee

  • danke, das freut mich.
    ich habe gelesen von Eurer Schreibwut. Ich kenn das, ich habe noch einen anderen Blog und überlege grade noch einen zu machen. Aber zu viel ist einfach zu viel. und der einzelblog ist ja eigentlich das Notizheft zu einem Buch 🙂
    Und ich glaub ich muss, wie beim Glücksprojekt auch Energie umschichten
    lg aus Wien, klingelfee

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