Eine Kulturkritik, eine Ein- und Auswanderergeschichte, und

auch eine Liebesgeschichte, das alles ist das Buch „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie aus Nigeria.

Ich hatte ja neulich schon mal über ein Buch aus Nigeria geschrieben, das mich auch begeistert hatte, aber dieses  ist noch viel besser. Die Autorin Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der großen jungen Stimmen der Weltliteratur. Ihr Roman ›Blauer Hibiskus‹ war für den Booker-Preis nominiert, ›Die Hälfte der Sonne‹ erhielt den Orange Prize for Fiction 2007. Insgesamt wurde Adichies Werk in 37 Sprachen übertragen und sie steht auf der renommierten Liste der „20 besten Schriftsteller unter 40“ des „New Yorker“.Für ›Americanah‹ erhielt sie den Heartland Prize for Fiction sowie den renommierten National Book Critics Circle Award for Fiction 2013. Sie wurde 1977 in Nigeria geboren und lebt heute in Lagos und in den USA.

Ihre Heldin hat viel mir ihr selbst gemeinsam, in der (verarmten) Bürgerschicht Nigerias aufgewachsen, gerät sie über ein Stipendium in die USA, wo sie sich unter großen finanziellen und zivilisatorischen Schwierigkeiten durchbeißt und fast ihr Glück findet. Fast deswegen, weil sie erst in den USA lernt, dass sie schwarz ist. In Nigeria ist nämlich einfach jeder schwarz, und hellhäutige oder gar weiße Menschen sind die Ausnahme. Der von außen kommende, zivilisatorisch und kulturell ungetrübte Blick einer jungen, gebildeten schwarzen Frau auf die amerikanische Gesellschaft ist es, der dieses Buch ganz besonders macht. Ich war gefesselt von dem zutage tretenden Scharfsinn der Autorin, ihrer kraftvollen Sprache und vor allem ihrem Humor. Ein im besten Sinne globaler Roman, denn wie sollen wir einander in dieser globalen Welt verstehen, wenn wir nichts voneinander wissen? Ich persönlich will ja auch immer die Einzelheiten des Alltags wissen, und auch dieses Bedürfnis wird erfüllt. Manche meiner Freunde finden solche Informationen profan, aber mich interessiert es, ob es in Lagos ständig, meistens oder selten Strom gibt, und wie die Einwohner damit zurecht kommen. Ebenso finde ich es spannend, von den Problemen mit wirklich krausem Haar und den Maßnahmen, die erforderlich sind, um auszusehen wie Michelle Obama, in Einzelheiten zu lesen.

Ein unbedingt empfehlenswertes Buch, das sich übrigens auch gut auf englisch liest, was ich gewungenermaßen tat, nachdem ich versehentlich die englische Ausgabe auf meinen tolino geladen hatte. Habe ich noch etwas vergessen? Ja, die Liebesgeschichte. Sie ist der blasseste und fadeste Teil dieses Buches, seltsam unscharf und untief. Aber das ist nicht so schlimm, es gibt viele tolle Liebesgeschichten, aber wenige so scharfsinnige Kulturkritiken.

2 Kommentare

Deine Meinung?