Bestseller sind nicht immer schlecht, oder

Frank Schätzing lohnt sich oft auch, und diesmal mit „Breaking News“ besonders. Das Buch findet sich seit Wochen auf den oberen Plätzen der Spiegel-Bestsellerliste, und irgendwann habe ich nachgegeben und es heruntergeladen.

Es ist umfangreich wie „Der Schwarm“ und  „limit“, und es gefällt mir noch besser als der Klassiker von Schätzing. Gemeinsam haben die beiden Bücher die unglaublich fundierte Sachkenntnis, die Schätzing sich bezüglich seiner Buchthemen anzueignen pflegt (muss ich schon so sagen, denn es ist ja nicht das erste Mal, bei dem Schwarm hätte es noch das Hobby Umwelt sein können, auf dem die Kenntnisse beruhten). Breaking News aber handelt von dem uralten Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern sowie den sonstigen Playern im guten alten Nahost-Game, den üblichen Verdächtigen. Und zwar von vor der Gründung Israels bis in die heutigen Tage. Ich konnte es nicht glauben und habe einige Punkte recherchiert. Nun, was soll ich sagen, ich konnte den Autor nicht überführen.

Schätzing greift einige Familien, unter anderem die von Ariel Scharon, heraus und stellt die breite Geschichte anhand dieser Personen dar. Das ist dicht und spannend, und ich habe mich auf keiner der vielen vielen Seiten gelangweilt. Insbesondere die Darstellung des historischen Alltags fesselte mich, und ich habe schon viele Bücher und Romane über Israel gelesen, so dass mir nicht sehr viel neu war. Schätzing wäre nicht Schätzing, wenn es nicht so einen Handlungsstrang um alle diese Darstellungen herum gäbe, und das ist die Geschichte eines Kriegsreporters, eines Draufgängers par excellence, der einmal zu viel geglaubt hat, unbesiegbar zu sein, und sich nunmehr beladen mit Schuld an dem Tod mehrerer Menschen durch sein mittlerweile deutlich weniger glanzvolles Leben schleppt. Es ergibt sich die Gelegenheit, an brisante Informationen a la Snowden über den israelischen Geheimdienst zu kommen, gesagt, getan – dass er damit in ein Wespennetz sticht und das alte Rad der Gewalt sich mit Macht zu drehen beginnt, hat auch der abgebrühte Tom Hagen nicht erwartet. Showdown, Ende – mehr wird nicht verrraten.

Das Buch ist superspannend, informativ und interessant. Wie immer bei Schätzing vermag die Sprache mich nicht zu überzeugen, und wie immer bleiben die handelnden Personen flach und damit uninteressant. Aber es lohnt sich, vor allem hat der Leser das sonst beim Lesen eines Thrillers seltene Gefühl, sich ernsthaft um Bildung zu bemühen.

2 Kommentare

  • hach, ich weiß nicht. Ich lese Schätzing gerne, aber bei dem Thema habe ich irgendwie Angst, dass sich aktuelle Politik, wahre Begebenheiten und Fiktion zu sehr vermischen und das Thema dadurch ‚verwässern‘. Also hauptsächlich hätte ich wohl Sorge, dass ich Fakt und Fiktion verwechsel…

  • Wie gesagt, die harten Fakten habe ich teils geprüft, teils kannte ich sie schon. Fiktiv ist der Reporter, fiktiv sind natürlich auch seine Erlebnisse. Aber mehr wird nicht verraten!!

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