Wer mal richtig lachen und dabei noch was über die Politiklandschaft der Bundeshauptstadt lernen will, oder

warum so kompliziert – Piraten von innen, außen nebst selbstironischer Nabelschau der Grünen, das alles bietet „Erika Mustermann“ von Robert Löhr. Ich erhielt es von einer Freundin mit der Anweisung, es nach der Lektüre an eine weitere Freundin, die für die Piraten arbeitet, weiter zu geben, kann es daher nicht an eine von euch weitergeben.

Sind die Piraten die neuen Grünen? Friederike, alleinerziehend und angriffslustig, empört sich – auch aus persönlichen Gründen – über den unerwarteten Wahlerfolg der Piraten bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl.  Um den Feind von innen auszuhöhlen, schleicht sie sich bei den Piraten ein … und erlebt dort ihr oranges Wunder. Ein Roman über Liebe und Hass und die Hassliebe zur Politik. Friederike (Grüne) verabscheut die Piraten: Raubkopierer, Rollenspieler und Einzelgänger, die sich den Teufel um die Umwelt scheren, solange das Netz nur frei bleibt. Also startet sie einen Feldzug gegen die Piratenpartei. Ihr erstes Opfer: Volker Plauschenat, der harmloseste der 15 Berliner Abgeordneten. Aber je tiefer Friederike in dessen Keller nach Leichen buddelt, desto mehr lernt sie das piratische Paralleluniversum schätzen. Und als sie erst ihr Herz an einen dieser Freaks verliert, wird es verdammt schwer, wieder von Bord zu gehen … Mit »Erika Mustermann« gelingt Robert Löhr zweierlei: ein geschliffenes Portrait von Parlamentariern und Basis in der Hauptstadt der Orientierungslosigkeit. Und der erste Roman über eine Partei, die entweder das langersehnte Update des Systems ist – oder das hellste politische Strohfeuer unserer Zeit.

Ich habe viel gelacht, vor allem habe ich mich in der Antiheldin wiedergefunden. Sie ist einerseits so raffiniert, einem SUV-Fahrer die Schuld daran zuzuschieben, dass sie ihm mit voller Absicht in die hintere Seite gefahren ist, andererseits ihren Gefühlen und vor allem ihrer angeborenen Fairness dann doch hilflos ausgeliefert. Ein unterhaltsames Sittengemälde dieser jungen und mir doch etwas fremden Hilfe-mein-iPhone-ist-an-meiner-Hand-festgewachsen-Generation, die bei leerem Akku nicht mal nach Hause findet, aber mit mobilen Geräten die Welt verändert (hat).

Leseempfehlung für alle, die auch gerne mal in Parallelwelten eintauchen!

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