Selbstoptimierung – Teil 2

Kürzlich bekam ich überraschend Post vom C.H.Beck Verlag. Ich war allerbester Laune, Janne nach einem Anruf von mir auch – ich vermute, wir sahen beide vor unserem geistigen Auge diverse Päckchen mit Rezensionsexemplare der neuesten Bücher. Dann habe ich das Buch gelesen und ich habe einen ganz anderen Verdacht.

Es handelt sich um „Bauchgefühle“ von Susann Sitzler (Link) und ich stellte dann irgendwann fest, dass es schon 2011 erschienen ist. Ich vermute mal, dass wir hier eine Leserin (oder einen Leser) haben, der beim C.H.Beck Verlag arbeitet und mir gezielt das Buch geschickt hat?

Um es gleich zu sagen: es hat mir gut gefallen. Ein ganz anderer Blick auf dicke Menschen und zwar von einer dicken Frau. Ich fand es manchmal etwas merkwürdig, habe sehr oft gedacht, dass mir die Gedankengänge sehr bekannt vorkommen. Zum Beispiel die Geschichte, dass man irgendwann schlank ist, wenn man sich nur genügend anstrengt. Schließlich sind die anderen ja auch schlank und nur man selbst ist dick. Zu dick um genau zu sein. Man geht einfach zu Weight Watchers oder macht die Brigitte Diät oder Fasten 5-2 oder ähnliches und schon ist das Problem gelöst.

Ist es nicht.

Und ich bin mehr und mehr dabei zu denken: warum auch?

Es gibt gute und schlechte Futterverwerter. Meine ganze Familie ist dick und ich auch. Wir sind die guten Futterverwerter, die jede Hungersnot mühelos überstehen, weil wir erstens jede Kalorie sorgfältig verwerten und zweitens genug Vorrat mit uns herumtragen. Nützt heutzutage nur leider nicht so richtig viel. Das ist nun auch nicht neu, aber der Punkt ist der: Menschen sind unterschiedlich, sie kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen auf die Welt, es gibt Blonde und Schwarzhaarige, Große und Kleine und Dicke und Dünne.

Dem Dickzustand kann man mit lebenslanger Disziplin beikommen. Mir geht diese Disziplin völlig ab. Dicke haben nämlich noch eine Eigenheit: sie essen gern. Und des öfteren auch mal richtig viel. Weil es Spaß macht, weil es beruhigt, weil es zufrieden macht und so weiter und so weiter. Mag ich freudlos Salatblätter zählen? Nein, mag ich nicht. Das ist auch der Fehler, den Schlanke immer machen. Mit der genetischen Veranlagung isst man nicht „normal“ und wird/bleibt schlank. Nein, es ist ein täglicher Kampf. Und wenn ich mich so umschaue, kenne ich genau ein Beispiel, wo das klappt (tägliches Aufschreiben von WW-Punkten und das seit über zehn Jahren). Alle anderen nehmen ab und zu und ab und zu. Oder bleiben gleich wie sie sind.

Einen anderen Aspekt fand ich jedoch sehr interessant: bin ich so dick, wie Mutter Natur es vorgesehen hat oder gibt es andere Einflussfaktoren wie Stress, die sich auf mein Gewicht auswirken? Ich bin nicht sicher.

Ich hatte letzten Sommer über die Methode von Andreas Winter geschrieben. Heute denke ich, dass sie funktioniert, aber anders als gedacht. Einfach deswegen, weil nicht jeder Mensch von Natur aus schlank ist. Wenn man Verhaltensweisen überdenkt und ggf. abstellt, kommt nicht zwangsläufig Gr. 38 dabei heraus. Auf Dauer kann man Mutter Natur nicht überlisten und die hat nicht vorgesehen, dass alle schlank sind.

Aber genug davon, mich beschäftigt derzeit etwas anderes.

Ich denke derzeit sehr viel über gesunde Ernährung nach, wobei ich immer noch nicht weiß, was das eigentlich ist. Fünf Experten, zehn Meinungen. Die elfte kommt dann von mir. Ich werde mich mal aufschlauen, was Kohlehydrate am Abend, ein gesundes Frühstück (wie misst man das?), Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index usw bewirken. Ich merke, dass ich älter werde, ich habe viel zu tun und manchmal auch viel Stress und ich möchte meinem Körper etwas Gutes tun und ihn leistungsfähig erhalten.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

10 Kommentare

  • Beautybaerchi

    Oh das klingt spannend. Ich denke das werde ich mir nachher mal bei der Arbeit ansehen (Bibliothek). ICh versuche es gerade mal wieder mit Sport ;). Mit Heuschnupfen gerade draußen nicht so einfach.
    Meine Familien ist wie deine. Es hörte sich echt so an als ob du meine beschreibst nicht dein :D.Was Ernährung ist weiß ich leider auch noch nicht. Die vielen Meinungen machen mich irre, aber ich taste mich ran 🙂

  • Ich beschäftige mich auch viel mit gesunder Ernährung und hab einfach gelernt auf meinen Bauch zu hören. Für mich ist Essen gesund wenn ich mich danach gut fühle und angenehm satt bin. Ich esse was mir schmeckt aber halt nachdem Prinzip „alles in Maßen“. Von Natur aus bin ich auch keine Elfe, hab es aber mit dieser Methode vor einigen Jahren von Größe 44 auf 40 geschafft. Ich halte das seitdem ohne Probleme und Anstrengung und trotz Kuchen,Schokolade & Co. 🙂 und vor allen Dingen ich fühl mich pudelwohl!
    Ich denke, ganz wichtig ist einfach den Stress aus der ganzen Ernährungs- und Abnehmsache zu nehmen. Bei Selbstoptimierung geht es meiner Meinung nach nur darum mich ganz individuell darum zu kümmern wie es MIR noch besser gehen kann und nicht wie ich im Vergleich mit anderen oder in der allgemeinen Wahrnehmung besser dastehen kann. 🙂

  • Wichtig ist in erster Linie, wie man sich fühlt, denn das strahlt man aus. Nicht jeder muss in Size Zero passen (im übrigen sehen die wenigsten dabei gut aus.), sondern jeder kann in seiner Kleidergröße attraktiv sein.
    Ich bin mal Beth Dito von Gossip begegnet, klein und sehr dick, wenn man böse sein will, aber diese Frau hat ein Charisma, Wahnsinn, kein Wunder, dass die von Lagerfeld auf den Laufsteg geschickt wurde.

    Aber: wenn man fett ist, weil man unglücklich ist und immer nur ungesundes Zeug in sich reinstopft, dann trägt es eben nicht zur positiven Ausstrahlung bei.
    An all diese Ernährungsphilosophien glaube ich nicht, die einfache Regel ist doch im Grunde simpel: Kalorien rein (durch essen), Kalorien raus (durch Bewegung etc). Wenn man findet, dass man das mit Low Carb, Glyx etc besser hinkriegt, mag das helfen, aber brauchen tut man’s nicht.

    Ich habe gerade Myfitnesspal für mich entdeckt, das gibt’s als Website und kostenlos als app, im Grunde nichts anderes als ein Kalorienzähler, der Bewegung (nicht nur Sport, auch Alltag) und Essen protokolliert. Im dazugehörigen Blog tauschen sich die Mitglieder über Ernährung aus und man lernt ne Menge.

    Und das schöne ist: man stellt fest: man muss gar nicht wenig essen oder sich kasteien (im Gegenteil, zu wenig essen ist eher schlecht, man kann alles essen, man muss nur ein Gefühl für die richtige Balance entwickeln und es hilft einem bewusster mit sich selbst umzugehen. Und dafür ist das Tool wirklich cool.

  • Hoch lebe die Individualität! Wie schrecklich wäre es, wenn alle gleich aussehen würden. So genannte „gesunde“ Ernährung ist schon mal so ein Begriff über den ich stolpere. Alte Weisheit: „Die Dosis ist das Gift.“ Das gilt m.E. nicht nur für den medizinischen Bereich sondern auch für grüne smoothies (=gefühlte neue Mode in meinem Umfeld) oder Doktrinen wie: keine Milchprodukte, kein weißes Mehl o.ä. Weshalb ich im Umkehrschluss also fast alles (gerne!) esse und trinke. Ich koche auch gern und zwar mit Butter, wenn es passt. Ich liebe weißes Brot (na und? – gefühlte 95% der Weltbevölkerung kennen gar kein Pumpernickel). Ich trinke gern Wein (machen die Franzosen auch und werden alt dabei). Wenn man sich nichts versagt und Essen nicht als Feind sondern als schöne, gesellige Sache betrachtet, neigt man auch nicht so sehr zu Exzessen. Das ist nämlich das Problem von Diäten. Wochenlang nur grüne smoothies und ich stürze mich wie ein Wolf auf ein 3 blutige Steaks + Frites 🙂 So, und dann glaube ich, mit etwas Bewegung im Alltag (Radeln, laufen oder was einem sonst so gefällt) hält man sein individuelles Gewicht. Das sieht eben bei jedem anders aus. Klingt vielleicht blöd, ist aber meine ganz simple Logik. das Leben ist zu schön, um freudlos zu essen und schön finde ich Frauen und Männer nicht wegen ihrer Kleidergröße.

  • Exilberlinerin

    @ Nice: richtig !!! Genau !!! Diese neumodischen Essens-Phobien sind doch nicht normal, das hält man doch im Kopf nicht aus !! Auch in meinem Umfeld beobachte ich eine steigende Zahl von eingebildeten Laktose-Intoleranzen, Gluten-Allergien und was weiss ich nicht alles… Kopfschüttel. Vielen Dank für die Buchbesprechung, Irit, ich wollte das Buch schon lange mal gelesen haben, da es mir von Freunen bereits ans Herz gelegt worden ist. Habe die Autorin sogar bereits mal persönlich getroffen. Zur gleichen Thematik emfehle ich auch das Buch „nudeldicke Deern“ von Anke Gröner, die auch einen sehr guten, gleichnamigen Blog betreibt. Mit besten Grüssen (nach Diktat an einer laktosehaltigen Weissbrotstulle erstickt)

  • Dick ist relativ. Ich selbst fühle mich mit BMI 21,5 am wohlsten, aber dick ist für mich so ab 120 Kilo, weil es dann langsam anstrengend wird und auf die Knochen geht. Bin einfach nur zu faul zum schleppen und zu geizig um immer wieder neue Klamotten zu kaufen. Bis BMI 30 is doch alles gold ;-))
    Aber chic und gepflegt ist Pflicht, genauso wie ein gut sitzender BH!

  • Glücklicherweise habe ich keine Unverträglichkeiten und bilde mir auch keine ein 🙂

    naja, 120 kg wären bei meiner Größe ein BMI von über 40… einen BMI von 30 fände ich prima, aber da liege ich 10 kg drüber.

    Immerhin habe ich es schon geschafft, die ganze Woche ordentlich zu frühstücken und stelle fest, dass ich abends weniger Hunger habe. Und der Eiweißanteil ist bei mir noch zu niedrig, aber das gehe ich nach dem Urlaub an. Und dann mal weitersehen…

  • Der Eiweißanteil – da sprichst Du etwas an! Ich frage mich, wie ich auf diese Mengen kommen soll – da bleiben doch üüüberhaupt keine Kalorien für Schokolade mehr übrig.

  • Das Problem lösen wir noch 😀

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