Aus Kindern werden Leute, oder

meine Tocher hat gelernt, sich von unbrauchbaren Dingen zu trennen. Wir renovieren ihr Zimmer, was natürlich zunächst erfordert hat, dass ihr ganzer Kram aussortiert wird. Das war früher immer ein totales Problem.

Es wurde geheult und gezetert und das arme Kind krallte sich noch an dem letzten zerrissenen Fetzen Geschenkpapier fest unter tränenreichen Beteuerungen, wie dringend sie genau dies bräuchte und das dürfe nicht weggeworfen werden. Rigide Entscheidungen meinerseits endeten damit, dass sie hinter meinem Rücken versuchte, das eben Weggeworfene aus dem Mülleimer zu retten. Konsequenz war, dass ich die letzten elf Jahre ihr Zimmer eigentlich immer dann sortiert und umgeräumt habe, wenn sie nicht da war. Es hat dann trotz des heimlichen Wegschleppens einer erheblichen Anzahl großer Müllsäcke, auch nie irgendetwas gefehlt. Mit Schaudern denke ich an vier gelbe Säcke voller Kuscheltiere, die die russischen Wegelagerer vor dem Wertstoffgelände begeistert entgegen nahmen. Auch diese alle wurden von dem Kind zu keinem Zeitpunkt vermisst.

Nun, diesmal ging sie methodisch an die Sache heran „Nein, Mama, erst die Kommode, und wenn ich damit fertig bin, das Regal!“, arbeitet konzentriert (statt wie früher jedes Spielzeug begeistert zu begrüßen und erstmal ausgiebig auszuprobieren), und sie hat mindestens sechzig Prozent aussortiert. Da erkenne ich doch mein Mädchen – mein Mann kann sich bis heute von nichts trennen, es sei denn, mein Sohn will es haben und weiterbenutzen, das erträgt er gerade noch. Ansonsten ist die einzige Chaosecke im Haus der Sportkeller, in dessen Regalen weiß der Himmel was für Kisten mit alten Sachen ihr Dasein fristen. Nach drei Tagen hatte meine Tochter ihr Zimmer ausgeräumt, alles sortiert und sich schmerzfrei von vielen Dingen getrennt.

Morgen bringe ich die Bücher in die Kinderklinik, das Spielzeug in den Hort, die Kleidung zu Freunden und paar Säcke auf den Wertstoffhof. Done.

Ein Kommentar

  • Hallo liebe Irit, schöner Name übrigens.

    Was könnte helfen? Täglich mehrere Zeitungen und zu wenig Zeit alles zu lesen oder auch nur zu überfliegen. Ein ganzer Raum ist vollgestellt mit Zeitungen (gestapelt) rückwärts bis 2009. Boden, Schreibtisch oberhalb der Aktenschränke und Ablageregale – alles überfüllt. Täglich kommt mehr hinzu und jedes Mal bei Aufräumversuchen meinerseits wird mit allem gedroht bis hin zur totalen Verweigerung oder mentalen Einsicht. Habe alles probiert. (auch geheim von unteren Schichten abgetragen – die sich allerdings oben wieder genauso schnell anhäuften) – eine Sisyphos Arbeit. Drohungen, die nicht wahr gemacht wurden verhallten. Messi für Zeitungen gibt es das? Ich weiß nicht mehr weiter ohne Verletzung der Persönlichkeitswahrung. LG Liane

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