Alle zehn Jahre ein wunderbares Buch: Donna Tartt

hat wieder zugeschlagen: Der Distelfink. Seit der „Geheimen Geschichte“ bin ich Fan dieser Autorin und warte gezwungenermaßen geduldig darauf, dass sie alle zehn Jahre ein neues Buch veröffentlicht.

Dass sie für den Distelfink den Pulitzerpreis 2014 erhalten hat, verwundert mich nicht. Das im jedem Sinne gehaltvolle Buch (es hat gebunden 1024 und auf dem tolino gut 2300 Seiten in meiner Einstellung) verbindet Anspruch und Intellektualität, Unterhaltung und Spannung mühelos miteinander. Wie schon in der „Geheimen Geschichte“ entfaltet die Autorin virtuos und in aller Ruhe die handelnden Charaktere und die mit verästelt zurückhaltend beschriebene Handlung.

Das ganze Buch beruht auf einer Katastrophe: Theodore Decker, der Ich-Erzähler dieser Lebensbeichte, ist dreizehn Jahre alt (und damit im besten Tartt-Alter, die ein Faible für den Übergang zwischen Kindheit und Erwachsenenalter hat), als er seine ihm sehr nahestehende Mutter bei einem Bombenanschlag im New Yorker Metropolitan Museum verliert. Gerade noch standen sie vor dem aus dem Mauritshuis in Den Haag entliehenen kleinen Bild eines zahmen Distelfinken, das Carel Fabritius, der Schüler Rembrandts und Lehrer Vermeers, 1654 in Delft gemalt hat. „Das ist ungefähr das erste Bild, das ich jemals wirklich geliebt habe“, sagt die Mutter und erzählt ihrem Sohn, dass Fabritius noch im selben Jahr 1654 bei der Explosion einer Schießpulverfabrik ums Leben kam. Als Theo seine Mutter Minuten später im Rauch und dem Chaos nach der Detonation nirgends mehr sehen kann und sich stattdessen mit einem alten Mann allein sieht, der kurz zuvor zusammen mit einem rothaarigen Mädchen ebenfalls den Fabritius bewundert hat, nimmt er das Bild an sich.

Wie sich dann das Leben von Theo und den weiteren Betroffenen entwickelt, müsst ihr selbst lesen. Das Buch ist für eine Zusammenfassung zu lang. Nur soviel: Es handelt von der Liebe, dem Schmerz, dem Verlust, guten Absichten und schlimmen Taten, aber auch von dem Trost, den Schönheit in unserem Leben spenden kann. Ein großer Roman – vielleicht auf dem eBook wirklich besser aufgehoben als in Buchform!

2 Kommentare

  • Liebe Janne ,unser Buchgeschmack ist wirklich sehr ähnlich.
    Über Ostern habe ich angefangen, dieses Buch zu lesen – man braucht schon Muße und die Bereitschaft, sich auf die Figuren einzulassen. Seit der „Geheimen Geschichte“ warte ich auf die neue Donna Tart, gefühlt sind das länger als zehn Jahre und ich war glücklich, als ich die Rezension zum „Distelfink“ in der FAZ entdeckte.
    Ich wünsche Dir viel Lesevergnügen!

  • Mich haben die über 1000 Seiten anfangs abgeschreckt, aber auf dem Reader ist das kein Problem. Mir fehlen nun nur noch 200 Seiten und ich bin nun ein wenig traurig, dass Theodore‘ s Geschichte bald zu Ende geht. Donna Tartt kann einfach wunderbar erzählen. Die 1000 Seiten lohnen sich!

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