Warum schiebe ich manche Dinge sinnlos vor mir her, oder

wie geht euch das? Ich arbeite ja nun Tag für Tag an Akten, und da habe ich auch überhaupt kein Problem, schnell ran, erfassen, bearbeiten, fertig. Aber zum Beispiel meine Steuererklärung, die macht mich fertig.

Eigentlich stimmt das aber auch nicht, wenn ich genau hinschaue. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, dass es immer schnell erledigt ist, wenn ich mich dann mal daran gemacht habe. Letzteres ist das Problem: ich drücke mich davor, solange es irgendwie möglich ist. Und habe die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen deswegen, natürlich, denn was sollte ich denn sonst haben? Immer wenn ich an dem Finanzamt vorbeikomme, denke ich daran, auch sonst fällt es mir gerne mal ein, und ich krümme mich dann innerlich vor schlechtem Gewissen. Und das, obwohl ich jedes Mal, wenn ich sie gemacht habe, denke, meine Güte, warum stellst du dich eigentlich immer so an, es geht doch vor allem jetzt mit Elster echt schnell.

Es gibt dagegen andere Dinge, die mir leicht von der Hand gehen, aber Freundinnen teils schwer fallen. Nach dem gleichen Muster: vor sich herschieben, rumstöhnen, es sich schwer machen, dann irgendwann erstaunlich leicht erledigen. Ich glaube, das ist ein moderner Selbstbehinderungsmechanismus, der uns daran hindert, leicht und frei zu leben. Irgendwas muss da noch im Hintergrund arbeiten, sonst könnten wir uns ja ganz entspannen.

Ich habe mir jedenfalls fest vorgenommen, nachdem ich heute die Erklärung 2012 gemacht habe, dass ich gleich in zwei Wochen 2013 mache, denn das geht doch ohne weiteres ganz schnell. Obwohl – vielleicht warte ich noch eine Weile…. Haha, nein, Spaß beiseite, ich werde es tun. Und dann werde ich dem Finanzamt jedes Mal, wenn ich vorbeikomme, innerlich eine lange Nase drehen….

9 Kommentare

  • Die Steuererklärung allein zu machen finde ich schon problematisch – und ich habe BWL studiert. Es gibt so Vieles, was man ohne Steuerberater nicht weiß, zumal sich auch ständig etwas ändert. Und, da mein Mann zwar nicht in D versteuern muss, ich aber wunderbarerweise für ihn mitbesteuert werde (harmlos Progressionsvorbehalt genannt), arbeitete ich 2012/2013 effektiv nach horrenden Rückzahlungen für einen lächerlichen Nettobetrag. Ich werde bestraft, weil ich mit zwei Kindern arbeiten gehe, mein Mann extrem weite Arbeitswege und Reisen auf sich nimmt und bekomme effektiv weniger als jeder Sozialhilfeempfänger. Steuerberater rät: Bleib doch lieber zu Hause, da habt Ihr mehr Netto!! Da schiebe ich die Steuererklärung künftig gern Jahrzehnte vor mir her und werfe die Finanzamtbriefe – ohne schlechtes Gewissen – in den Müll. Mein Mantra – noch nicht ganz verinnerlicht – momentan: Es ist nur Geld, nichts Wichtiges. Sicher kommen die Steuergelder ganz vielen wirklich Bedürftigen zugute. Mit trotz wunderschönem Frühlingswetter frustrierten Grüßen.

  • Bin ich froh, dass ich mit der Aufschieberitis und dies insbesondere gegenüber der Steuererklärung nicht allein bin! Das relativiert mein schlechtes Gewissen ungemein, denn bei mir stehen auch noch 2012 und 2013 aus. Ich habe mir angewöhnt, immer 2 gleichzeitig zu machen. So habe ich nur alle 2 Jahre den Aufwand und arbeite sie dann im Stück ab. Das eigentlich Zeit und Mühe Kostende ist ja das Zusammensammeln der Belege, das Formular ausfüllen geht schnell. Aber den Umschlag (ich mache sie immer noch analog) in den Briefkasten beim Finanzamt zu werfen, gibt mir dann eine ungeheure Befriedigung!
    Danach geht es mir wie dir, ich verstehe mich selbst nicht, wieso ich es so lange vor mir her geschoben habe und gelobe für das nächste Jahr Besserung, was ich natürlich nicht tue 🙂

  • Rate mal, was ich eigentlich gerade machen sollte, während ich diesen Blgopost lese. 🙂

  • Meine Steuererklärung macht der Steuerberater. Belege sammeln und sortieren ist für mich nicht das Problem, im Laufe des Jahres wandert alles Relevante in eine dekorative Kiste. Als Geisteswissenschaftlerin bekomme ich aber immer Beklemmungen, wenn ich Formulare, Tabellen und ähnliches sehe. Auch mein geschultes Textverständnis lässt mich bei Behördendeutsch im Stich. Im Grunde zahle ich eine Geldstrafe für meinen Unwillen, mich mit der Materie auseinanderzusetzen.

  • Ich habe meine für 2013 schon abgegeben. Einmal habe ich 1 Freundin angeboten ihr gegen eine Beteiligung an der Erstattung zu helfen. Daraufhin hat sie sie umgehend alleine gemacht. also: ich helfe gern!

    • hm, hm, ich bin mir nicht sicher, ob wir es heir nicht mit einer untypischen Blogleserin zu tun haben… Steuererklärung schon fertig? auch noch anderen dabei helfen? Also mir kommt das GANZ merkwürdig vor

  • Da war ja noch was… vielen Dank für den reminder! 8)

  • Ich weiß gar nicht, was ihr habt. Ich muss noch alle Steuerklärungen ab 2010 machen 🙁

  • Ich empfehle: „Dinge geregelt kriegen – Ohne einen Funken Selbstdisziplin“ von Katrin Passig und Sascha Lobo. Bis auf die Ritalinempfehlungen haben die Autoren wirklich ein Händchen dafür, einem eine entspannendere Sichtweise auf das Prokrastinationsphänomen zu vermitteln.

Deine Meinung?