Geld macht frei

Wie schon seit Jahrzehnten tobt mal wieder die Debatte, wer die bessere Mutter ist. Die Hausfrau oder die berufstätige Mutter, wobei wir hier noch nach Teilzeit, Vollzeit und Karrierefrau unterscheiden müssen. In schöner Regelmäßigkeit macht eine Gruppe die andere nieder und da es eigentlich keine richtigen Argumente außer Tradition und gefühlten Kindeswohlzuständen gibt, ist die Debatte beliebig polemisch. Derzeit mal wieder auf brigitte.de nachzulesen.

Ich habe mich natürlich selbst dabei erwischt, das „feindliche Lager“ in Grund und Boden zu rammen, zum Beispiel als ich in der Brigitte diesen Artikel las und ich meinen armen Mann mit einem kurzen Abriss des Feminismus im 20. Jahrhundert beglückte.

Dann gab es kürzlich in der Brigitte Woman einen Artikel einer Kolumnistin, die ich sehr schätze. Sie schrieb über ihre freiberufliche Tätigkeit, dass ihr Mann karrieretechnisch meilenweit entfernt ist und auch über ihren eigenen Zwiespalt.

Ich habe lange darüber nachgedacht. Vielleicht werde ich auch altersmilde. Wobei ein Aspekt nicht von der Hand zu weisen ist (s. Überschrift).

Ja, natürlich ist es deutlich angenehmer, nicht 40-60 Stunden von der wöchentlichen Lebenszeit von 168 Stunden für Arbeit zu nutzen, sondern deutlich weniger bis nichts. Da bin ich dabei, ich bin eine faule Socke und ich liebe nichts mehr, als mit Kaffee, Büchern, Zeitschriften und MacBook bewaffnet stundenlang im Bett zu liegen. Oder im Sommer auf dem Balkon. Gerne auch abends mit Weißwein und Zigaretten.

Nicht mehr ganz so toll finde ich die Idee von Spielenachmittagen mit Kindern, insbesondere kleinen Kindern. Ich fand das immer nervtötend bis langweilig, ich bastele nicht gern (ach was, ich hasse es) und ich lese auch nicht gern vor und schon gar nicht fünfmal hintereinander dasselbe. Meine Mutter hat mich auch nicht dauerbespasst, ich bin trotzdem groß geworden. Sogar als Einzelkind.

Auch die Idee, jeden Tag zu kochen und andauernd Kuchen zu backen finde ich nur bedingt attraktiv. Ich koche gerne, aber man muss es nicht übertreiben.

Mit anderen Worten: wer das gerne macht – feel free. Ich finde das deutlich stressiger als einen Tag im Büro.

Aber da war natürlich noch der nicht wegdiskutierbare Aspekt. Das Geld.

Ganz ehrlich: ich mag es. Genau wie Macht. Es macht mich frei. Ich muss niemanden fragen, ob ich mir irgendetwas kaufen kann. Ich habe meine eigene Rente. Ich muss nicht nach oben heiraten (um es mal polemisch auszudrücken), ich muss niemanden dauerhaft gefallen, um wirtschaftlich abgesichert sein. Nein, ich bin frei. Mal ein ganz neuer soziologischer Aspekt. Und wenn mein Mann nicht der tollste Mann überhaupt wäre, könnte ich mir einen jugendlichen Liebhaber zulegen. Ich könnte einfach das tun, was Männer schon immer machen. Gefällt mir. Allerdings möchte ich es nicht machen, ich bin eine Frau und weit entfernt von derlei merkwürdigen Gedankengängen. Aber ich KÖNNTE.

Um das Ganze zu relativieren: natürlich bin ich in einer glücklichen Lage, ich habe Talent für Mathematik und logisches Denken, dazu bin ich ein Alphatier und ich habe einen tollen Job – wobei, der ist selbsterarbeitet. Aber wäre es nicht toll, wenn noch viel mehr Frauen das auch sagen könnten? Ich bin frei.

27 Kommentare

  • Toll wäre, wenn mehr Frauen sich Ihrer ganz persönlichen individuellen Vorzüge bewusst, und dies auch benennen könnten bzw. würden. Und noch besser wäre es, wenn sie dann diese ihre Vorzüge oder Talente auch ganz bewusst einsetzen würden. Auf einem Motivationstraining für Freiberuflerinnen danach gefragt, was jede an sich gut findet antworteten ( fast)alle: meine Nase, gut kochen usw. usw. Aber keine hat geantwortet, mein know how, meine Figur, meine Beine usw. Bloß nicht auffallen, bloß nicht sichtbar stolz auf sich sein, oder mit weiblichen Attributen zollen. Ein bisschen mehr Selbstbewusstsein, das täte glaube ich vielen gut.

  • Tja, bei diesem Artikel in der Brigitte Mom ist mir auch das Messer in der Tasche aufgegangen. Toll, dass die Autorin so eine tolle Ausbildung erhalten hat, die ja auch jemandem zugute hätte kommen können, der nicht zu bequem gewesen wäre, auch nach der Geburt von Kindern weiter berufstätig zu sein.. Und sie sollte sich lieber mal fragen, ob die Betreuung von Kindern so schlimm ist,wie sie natürlich meint, weil sie ja lieber zu Hause bleibt….
    Aber back zu Irits Artikel: Es muss jede wissen, was sie mit sich und ihrem Leben anfängt. Viele meiner Bekannten, die ein ähnliches Lebensmodell gewählt haben, haben in den letzten Jahren angerufen und mich nach einer Empfehlung für eine gute Familienrechtsanwältin gefragt. Diese musste ihnen dann in den meisten Fällen unangenehme Tatsachen eröffnen. Und diejenige, die noch ganz gut Unterhalt bekommt, wird gerade von ihrem selbst mit einer 25jährigen zusammenlebenden Ex auf drastische Unterhaltsreduktion verklagt, weil sie die Stirn hatte, sich einen neuen Mann zu suchen. Und vermutlich verliert sie…

  • @Janne: ja, so ist es. Man kann wirklich nur jeder Frau dringend empfehlen, dafür Sorge zu tragen, dass sie eine gute berufliche Ausbildung bekommt, diese nutzt, und immer, auch in und während der Ehe berufstätig bleibt. Denn wenn die Ehe havariert, steht frau da, und kein Unterhalt fängt die nicht genutzten beruflichen Chancen auf, mal ganz abgesehen davon, das auch dem Unterhaltsschuldner etwas passieren kann, oder er bekommt weitere Unterhaltsgläubiger iF von weiteren Kindern, betreuenden Müttern etc., wird unverschuldet arbeitslos oder sonst was. Außerdem macht Unterhalt abhängig, wie dein Beispiel ( neuer Partner ) zeigt.
    Und dann tut arbeiten nicht nur dem eigenen Konto gut, sondern auch dem eigenen Lebensgefühl und-qualität.

  • Exilberlinerin

    Ich bin absolut einverstanden mit allem, was ihr hier schrieb, Irit, Janne, Julia ! Zu 100 % ohne Einwände. Denn wenn ich auch oft geflucht habe (nun hab ich meinen Sohn ja fast groß), weil alles so anstrengend war – machen wir uns nichts vor, die Doppelbelastung ist kein Zuckerschlecken – so wäre es nie eine Option gewesen, meine finanzielle Unabhängigkeit aufzugeben und alles andere, was damit einher geht, eigene Rente etc etc. Wenn ich mir anschauen, in was für grauenvolle Situationen sich die Generation unserer Mütter teilweise manövriert hat, und speziell bei meiner Mutter aus finanziellem Kalkül, dass jetzt im Alter total nach hinten los geht… nee nee, da lob ich mir dann doch meine Doppelbelastung und bin froh, die Zähne zusammengebissen zu haben, wenn ich um 19h30 nach Hause kam und noch mit dem Sohn fürs Diktat üben musste und nebenbei Kartoffeln schälte…

  • Diese Artikel von euch sind mir die Liebsten, danke dafür! Ja es ist richtig, jede Frau sollte selber entscheiden. Aber sich dann auch über die Konsequenzen im Klaren sein. Allzu oft scheint mir, dass die Frauen die Sache nicht durchrechnen (z.B. Rente), blauäugig auf die Partnerschaft vertrauen und dann später dafür bezahlen müssen. Ich liebe meinen Partner, aber sollten wir je Kinder haben, möchte ich trotzdem auch weiterhin auf eigenen Beinen stehen. Das bin ich mir schuldig, denn ich liebe MICH genauso sehr, wenn ihr versteht was ich meine.

  • Es kann ja auch durchaus sinnvoll sein, dass ein Elternteil beruflich kürzer tritt, vor allem, wenn der andere sehr eingespannt ist. ABER dann muss der Ausgleich ehevertraglich abgesichert sein, sonst würde ich das nicht tun. Erziehung gemeinsamer Kinder ist eine gemeinsame Aufgabe, die dem Vater ebenso obliegt wie der Mutter. Und wer nichts tun will, muss Einkommen verbindlich abtreten. UND eine zusätzliche Altersvorsorge treffen.

    • Ehevertrag zu Beginn einer Beziehung/ Ehe ist DAS Tabuthema schlechthin. Da kalkuliert man gleich zu Beginn das Scheitern einer Ehe mit ein. Ne in, das geht gar nicht. So und ähnlich sind die Reaktionen. Und zwar interessanterweise auch bei 2. Ehen, und noch besser bei nichtehelichen, die beide mind. 1 Scheidung hinter sich haben, dann ne ein Haus kaufen, Kinder bekommen, einer bleibt zu Hause oder arbeitet beim Partner mit. Eine vertragliche Absicherung gibt es nicht. Aber wenn es dann auseinandergeht, gibt es das große Erwachen.

  • Ja, jede Frau sollte selbst entscheiden können, wie sie ihr Leben verbringt und wenn sie alles will (sehr löblich), dann sollte sie auch im eigenen Interesse versuchen, alles unter einen Hut zu bekommen! Bei der heutigen schon geradezu fundamentalistischen Debatte frage ich mich immer, wie meine Mutter (und weitere Millionen Frauen) es geschafft haben, gleichzeitig zu arbeiten und einen einigermaßen geratenen Nachwuchs hinzubekommen. (Und es ist Quatsch, wie die Autorin in o.g. Artikel behauptet, dass in den 60ern/ 70ern alles soooo viel einfacher war – das ist ihre eigene Armutserklärung!)
    Auch suche ich immernoch nach meinen durch die Berufstätigkeit meiner Mutter verursachten psychischen Defekten.

    Ich verstehe ja, dass es manchmal Schöneres gibt, als den größten Teil des Tages mit Arbeit zu verbringen. Aber auf Dauer möchte ich nicht ohne sein. Nicht nur, weil es stimmt, dass selbstverdientes Geld nicht nur unabhängiger macht und das Selbstwertgefühl erhöht, sondern weil man auf Arbeit Anregungen und Impulse aus anderen Quellen erhält, die der Lebenserfahrung dienen und den eigenen Horizont erweitern. Und sei es nur der Kollegenklatsch 😀

    Ich glaube auch nicht, dass die permanente Begluckung den Kindern gut tut. Eine meiner Nichten z.B. wohnt in einer übersichtlichen Stadt mit Straßenbahn und Bus und wird mit ihren 10 Jahren zu allen Wegen von Mutti oder Oma gebracht! Da meine Mutter damals für sowas keine Zeit hatte, konnte ich bereits mit 7 Jahren selbstständig Straßenbahn fahren, inclusive Fahrkarte entwerten – ein Wunderkind! 🙂

  • Langfristig gesehen und in Anbetracht der Scheidungsquoten ist es natürlich vernünftiger, wenn sich beide Partner mit einem Beruf finanziell absichern, aber mir wird bei der Debatte leider viel zu oft vergessen, dass für die meisten Menschen die „Wahl“ als solche nicht existiert oder unter völlig untnerschiedlichen Bedingungen stattfindet.

    Keine Wahl existiert im banalsten Fall dann, wenn der Partner nicht genug verdient – und das sind nicht wenige. Der Alleinverdienerhaushalt ist ein Haushalt eines Besserverdienenden und die heiraten zudem heute am liebsten in der eigenen Schicht Der Arzt heiratet lieber eine Fachkollegin und nicht die Aldi-Kassiererin. Die Kassiererin und, bleiben wir doch mal ganz krass stereotyp, ihr LkW-Fahrer, arbeiten, um ihre Miete bezahlen zu können.

    Anders sieht es aus bei Frauen, die die Auswahl zwischen miesem Job oder Hausfrauenexistenz haben. Ganz ehrlich – wenn ich die Wahl hätte weiterhin Vollzeit für einen Hungerlohn (natürlich selbst verschuldet – irgendwann hat man es aber auch satt, für Fehler in der Berufsbiographie ein Leben lang büssen zu müsen) arbeiten zu müssen oder zuhause zu bleiben und für ein paar Jahre Vollzeit-Kinderbespaßung/Putze zu spielen, würde ich das sofort tun. Bei Niedriglohn fließt das Geld ohnehin fast vollständig in die Fremdbetreuung hinein und wenn ich mir meine potentielle Rente ansehe, bin ich ehrlich erleichtet, dass Geringverdiener eine niedrigere Lebenserwartung haben ;). Imho wäre das Ganze auch weitaus weniger dramatisch, wenn Brüche in der Berufsbiographie akzeptierter wären und eine 40jährige Hausfrau für einen Ausbildungsplatz oder ein Studium genauso akzeptiert wäre, wie ein 16-18jähriger. Nach ein paar Jahren haben die Kinder auf 24-h-Stunden-Betreuung sowieso weder Lust noch Bedarf und wer nicht gerade eine Villa unterhält und quasi dutzende Bedienstete ersetzt, sitzt ab einem bestimmten Punkt ohne Aufgabe zuhause rum und lässt den Partner imho für lebenslangen Privat-Urlaub schuften.
    Um der Kritik, dass ich Geringverdiener als Faulpelze darstellen würde, Vorschub zu leisten: in meinem Bekanntenkreis befinden sich Akademiker, selbstständige Gewerbetreibende, Geringverdiener , Ausbildungsabbrechter etc. Die Menschen, die ich im Niedriglohnsektor getroffen habe, haben eine genauso ausgeprägte Arbeitsmoral wie Besserverdienende. Statt wegen irgendwelcher durchzechter Nächten wegen „Projekten“, prahlt man dann halt mit 20 unbezahlten Überstunden im Billigladen bei 7 Euro-Stundenlohn. Nur spricht da halt kein Schwein von Selbstverwirklichung. Da sich mir die Wahl aber nicht stellt, ist das sowieso ziemlich egal 😀

    Bei Menschen, die dagegen einen Beruf erlernten, der ihnen Spaß macht und in den sie eine ziemlich große Portion Lebenszeit (und *hust* Steuergelder) investierten, wundere ich mich allerdings auch nutzt seinen Partner imho finanziell nur aus. einwenig. Gerade journalistische Arbeit stelle ich mir wesentlich einfacher mit Kindern zu vereinbaren vor, als beispielsweise eine Tätigkeit als Geschäftsführerin. Andererseits finde ich es aber auch legitim zu sagen, dass man auf die Vereinbarkeitsprobleme (die es nun einmal gibt und die leider primär Frauen betreffen) generell keine Lust hat. Natürlich hat so eine Entscheidung Konsequenzen, die leugnet doch niemand. Bei Scheidung und Rente steht man dumm dar. Kann passieren, muss aber nicht – der kleine Zusatz wird leider häufig vergessen. Mit dem Wahrscheinlichkeitsargument dürfte beispielsweise auch kein Mensch vernünftigerweise versuchen, sein Gewicht zu reduzieren.Letzten Endes handelt es sich um die Lebensentscheidung eines anderen Menschen, die einen selbst nur peripher betrifft und entsprechend wirkt die Aufregung darum für mich leider ziemlich unsympathisch (wahrscheinlich redet man sich dann Betroffenheit ein, in dem jede Hausfrau eine potentielle Hartz4-Empfängerin ist. Gleichermassen unsympathisch.). Anscheinend liegt es in der menschlichen Natur alternative Lebensentwürfe schlechter zu bewerten – sozialpsychologisch betrachtet ist das eine ziemlich gute Methode zur Aufrechterhaltung eines positiven Selbstbilds („alles was ich mache ist nicht gut, sondern BESSER, denn sonst hätte ich ja was anderes machen können“).

    tl; dr: Ein bisschen mehr Wohlwollen täte allen Beteiligten gut.

    Oh, aber das Geld-Argument finde ich trotzdem gut. Es ist schade, dass Frauen heute immer noch viel zu selten sagen dürfen, dass Geld und Macht erstrebenswerte Ziele sind. Da schlagen wahrscheinlich noch die alten Stereotype einer kommunalen Orientierung durch..

  • Haha, ich kannte einen Jungen, der in der ersten Klasse noch nie mit dem öffentlichen Bus gefahren war, so dass seine Mutter zu dem ersten Klassenausflug mitkommen musste, weil er sich nicht alleine traute. Mann, haben die Kinder den rundgemacht…

  • @Julia
    ich gebe Dir in allen Aussagen völlig Recht, aber zu alle dem gehört ein breites, wirklich breites Kreuz, das man sich mit den Jahren auch selbst
    zulegen muss und es ist leider nicht immer zu vermeiden, eine gewisse Härte oder Distanz zur Umwelt (Menschen), sich zu zu legen,um alleinerziehend mit zwei Kindern und zwei Jobs bestehen zu können. Aber ich bin verdammt stolz darauf, was ich in den letzten 5 Jahren alles bewirkt habe. Es ist doch so,
    dass von den meisten Ehen die geschieden werden, fast 60% in Harz-IV gehen
    müssen oder alles verlieren, was sie sich gemeinsam angeschafft haben. Ich bin
    froh, das ich es gepackt habe, auch deshalb, weil ich während der Ehe immer mit
    gearbeitet habe, meinen Lebensstandard gehalten habe. Es wäre auch von unserer
    Gesellschaft / Arbeitgeber löblich, alleinerziehenden Frauen mehr zu zutrauen
    und eher eine Chance auf eine Wiedereinstieg in den Beruf zu ermöglichen.

    • @ tess: Der berufliche Wiedereinstieg ist oft schwierig, aber eben oft auch, weil die Möglichkeiten mangels Qualifikation nicht so breit aufgestellt sind. Und nach meiner ganz persönlichen Erfahrung hat das ganz viel mit der Einstellung jeder einzelnen zu sich, ihren Wünschen und Vorstellungen und dem Willen etwas zu erreichen zu tun. Du hast doch gezeigt und sagst, wie es und warum bei dir geklappt hat. Wer berufstätig war, landet auch bei der Trennung nicht in Hartz IV, nach meinen Erfahrungen.

  • Exilberlinerin

    @Sara: ein sehr interessanter Beitrag, der mich dazu angeregt hat, ein bisschen weiter zu denken auch über den eigenen Tellerrand hinaus. Natürlich kann man die Debatte gar nicht an arbeiten/nicht arbeiten festmachen, wenn man bedenkt, dass auch Frauen, die ihr ganzes Leben gerackert haben kaum eine Rente bekommen. Mehr soziale Gerechtigkeit wäre ein guter Anfang in dieser Gesellschaft, und der Rest würde dann wahrscheinlich folgen. Und die Wahmöglichkeit ist oft gar keine, das ist auch richtig. wenn man es genau nimmt, bin ich eigentlich der Haupt- und zeitweise Alleinverdiener meiner Familie. Hoffen wir mal, dass überhaupt Eine von uns noch irgendeine Rente bekommt, ich kenne Leute, die das sehr bezweifeln.

  • Exilberlinerin

    PS: @ Sara: was bedeute das wort „imho“? Du benutzt das mehrmals, ich hab das noch nie gehört 🙂

  • imho = in my honest opinion

    bin derzeit eher still, da ich in Meetings ertrinke…

  • Sehr interessanter Beitrag, noch interessantere Kommentare…
    Ich (40a, verheiratet, 2Kinder 2 u. 7a) verzweifele gerade an der Vereinbarkeit von Beruf u. Familie, Und dass obwohl Ich nur 50% arbeite (sozialer Bereich). Ich wäre dankbar für Tipps wie ihr das alles geschafft habt. Bin gerade kurz davor alles hinzuschmeissen, weil mir alles über den Kopf wächst. Ihr hört/lest euch alle sehr diszipliniert, organisiert u. erfolgreich an. Wie macht ihr das nur???
    LG, Rouge

  • imho = in my humble opinion; typisch angelsächsisch-höflich meiner bescheidenen Meinung nach

    Ansonsten lese ich gerade bei euch still mit und freue mich darüber, dass Irit wieder mal ein gutes Thema angeschnitten hat. Den Brigitte-Artikel muss ich überblättert haben.

  • Exilberlinerin

    Danke. Imho. Muss ich mir merken. Hier bei der EU wird das irgendwie nicht benutzt im Kollegenkreis.

    Habe noch weiter über das Thema nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich es doch sehr positif fand und finde, dass mein Mann, da ich die Hauptverdienerin der Familien bin, mehr zu Hause war, gerade auch als der Sohn in die Pubertät kam, aber auch vorher, damit jemand zu Hause ist wenn er kommt (Schule endet hier um 16h30), für ihn da ist, schaut, dass er scih nicht den rest des Nachmittags vor die Glotze haut, bzw. jetzt wo er noch grösser ist, schaut dass er nach der Schule nach Hause geht es sei denn es ist anders abgesprochen (die Jungs haben nämlich eigentartige Hobbies entwickelt, wie z.B. im in Schulnähe gelegenen Wald zu rauchen oder sogar zu kiffen) und dann ist es schon gut, wenn jemand zu Hause ist und ein „strenges Auge“ drauf hat. Auch finde ich es natürlich echt knorke, wenn ich nach Hause komme und das Essen steht auf dem Tisch. Was ich aber nicht täglich vorraussetze 🙂

    Mein Fazit: es ist schon nicht so schlecht, wenn einer der Eltern ein bitzken kürzer tritt. Nun ist es halt oft derjenige, der weniger verdient, und dass sind leider oft die Frauen, und DAS muss sich erstmal in der Gesellschaft verändern, und zwar hurtig.

  • Meine Eltern haben mir eingebleut immer autark zu sein und versuche es ganz besonders meinen jungen Mitarbeitern weiter zu geben.
    Wie es sich anfühlt weder Krankenversicherung noch sich eine Wohnung leisten zu können habe ich in den ersten Jahren der Selbständigkeit erleben dürfen, es ist ein Alptraum und wäre fast daran zerbrochen!
    Inzwischen verdiene ich für mein Emfinden sehr gut und geniesse jeden Tag einzeln und bin stolz darauf, weil ich weiß, das es sich jeden Tag ändern kann.
    In meinen früheren Jahren traf ich leider nicht den Mann, der bereit gewesen wäre wenigstens zwei Jahre zu Hause zu bleiben, mein Gehalt hätte gereicht. Alles aufgeben, für das ich gearbeitet habe? Was hätte ich denn meinen Töchtern sagen sollen? Ich wollte eine faire Partnerschaft, etwas anderes kam und kommt für mich nicht in Frage und ich wäre gerne „meine“ Jahre für die Kinder da gewesen, aber es kam anders. In meinen Augen habe ich die richtige Entscheidung getroffen, besonders, weil ich sie selbst getroffen habe und mich nicht unterdrücken ließ. Ohne Freiheit kann ich nicht leben und lieben.

  • ich habe auch ziemlich lange Teilzeit gearbeitet, also drei Tage die Woche. Da gute Projektmanager gewöhnlicherweise Mangelware sind, hatte ich auch keine Schwierigkeiten, im Konzern auf passende Stellen zu rutschen bzw. als ein Riesenprojekt kam, waren meine Kinder gerade so groß, dass ich wieder aufgestockt habe.

    Tja, wie macht man das. Ich würde sagen, es ist eine Mischung aus Organisation (Haushaltsmanagement!), gekaufter Hilfe und zwei Leuten, die die Situation gemeinsam stemmen.

    @Rouge: wo liegt denn das Problem genau? Sind die Kinderbetreuungszeiten Mist? Oder wirst du ansonsten nicht fertig? Oder hast du ein schlechtes Gewissen?

  • Die Kinderbetreuungszeiten sind okay. Leider sind meine Kinder seit einem halben Jahr abwechselnd krank. Aktuell bin ich mit der Kleinen sogar stationär in der Klinik. Das bedeutet natürlich wieder Fehlzeiten bei der Arbeit, was nicht gerade gern gesehen wird u.auch immer wieder direkt geäußert wird. Wegen der Selbsttändigkeit meines Mannes muß auch immer ich beim kranken Kind sein. Verwandtschaft haben wir leider nicht in der Nähe. Vom schlechten Gewissen möchte ich erst gar nicht anfangen, v.a. wenn man ein gesundheitlich angeschlagenes Kind trotzdem in die Betreuung schickt. Gekaufte Hilfe für solche Situationen ließen sich bisher auch nicht finden, diese wollten regelmäßig ein gesundes, aber nicht im Notfall ein krankes Kind betreuen. Mit krank meine ich Husten, Fieber, Magen-Darm Infekte…. Haushaltsmanagement ist sicher ein Defizit wo ich dringend Coaching bräuchte, aber das ist sicher kein Thema für diesen Blog…

  • HI,

    mal wieder ein sehr interessanten Thema hier bei euch.

    Ich sehe das rückblickend auch etwas anders.
    Als die Kinder klein waren, bin ich gerne zu Hause geblieben, und habe „nur“ auf geringfügiger Basis gearbeitet.
    Exra Rente und Altersvorsorgeverträge, die hat nur mein Mann abgeschlossen.
    Mittlerweile sind meine Kinder erwachsen und seit mehr als 10 Jahren bin ich wieder TZ tätig.
    Mein Rentendefizit werde ich nicht aufholen können, das ärgert mich heute schon und ich werde das mit meinem Mann besprechen, der in 2 Jahren seine erste Versicherung ausbezaht bekommt. Ich stehe also im Gegensatz zu ihm, schlechter da…aber ich hätte mich ja auch kümmern können…. aber es hat mich irgendwie nicht interessiert, denn es gab und gibt keinerlei „Geldprobleme“.
    Seit Oktober habe ich mich zusätzlich zu meinem 60% Job selbstständig gemacht, das macht mir sehr viel Spaß und noch sehe ich es als Hobby, aber ich will diese Arbeit auf jeden Fall weiter ausbauen.
    Liebe Grüße,
    Sabine

  • Ach, ich bin so dankbar, dass ich auch gearbeitet habe, als das Kind noch klein war. Wunderbar, als 30 Jahre später meine Ehe zerbrach, hat mir das wirtschaftlich nichts, aber gar nichts gemacht. Ich hatte einen Beruf, einen guten Beruf, der anständig bezahlt wurde. Ich hatte gespart, ich hatte mich anderweitig abgesichert. Ich musste nie um Unterhalt betteln und ich werde als Rentnerin nicht jeden Cent dreimal umdrehen müssen. Ach, was für ein wundervolles Gefühl, nicht abhängig zu sein und sich nicht klein machen zu müssen. Das die Lebensplanung sich änderte hat schon gereicht.

  • @Irit: vielen Dank für Deine Antwort. Buch ist bestellt.
    @Julia: Gute Idee, bei uns leider wg. fehlender Räumlichkeiten nicht möglich
    LG.

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