Noch eine Entwicklungsgeschichte, diesmal aus Nigeria, oder

nach dem Stinkreichwerden im boomenden Asien nun „Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy“ von Adaobi Tricia Nwaubani, eine Geschichte aus Nigeria.

Die in Nigeria geborene, aufgewoachsene und dort auch noch lebende Autorin erzählt die Geschichte von Kingsley, dem geliebten ältesten Sohn eines bildungshungrigen nigerianischen Ehepaares. Sie glauben unverrückbar an den Wert klassischer, westlicher Bildung, an den Erfolg von Integrität und ehrlichem Bemühen und scheitern daran grandios. Kingsley wird schon als Studenten klar, dass seine geliebten Eltern den Anschluss an das neue boomende Nigeria, das neben den armen, wie in der Steinzeit lebenden Dörfern existiert, verpasst haben. Er sieht die blitzenden neuen Autos, die Mobiltelefone und großen Häuser der Gewinner dieser Gesellschaft, während seine Familie verarmt und kaum die Studiengebühren der Geschwister sowie die Kosten des Diabetes seines Vaters aufbringen kann.

Als der Vater einen Schlaganfall erleidet und Krankenversorgung braucht, bricht dei Illusion der ehrenhaften Existenz zusammen. Und Kingsley erinnert sich an den jüngeren Bruder seiner Mutter, den er aus seiner Kindheit kennt. Immer bedauert, weil er nicht einmal einen Schulabschluss hat, ist dieser nun zu Cash Daddy mutiert, einem der großen Player in der Hauptstadt, in den Augen von Kingsley unermesslich reich. Kingsley ist nicht naiv, ihm ist klar, dass das ganze Geld aus krummen Geschäften stammt, aber er nimmt die Zuwendungen zunächst aus Verzweiflung. Und er nimmt auch den angebotenen Job an, einfach, weil es ihm trotz seiner hervorragenden Examen nicht gelingt, eine angemessene Stelle zu finden. Und nun folgt eine unglaublich komische Darstellung des nigerianischen Betrugsmodells, Europäer und Amerikaner zu größeren Geldüberweisungen zu bringen, indem man ihnen vorgaukelt, dass darauf Millionenzahlungen erfolgen werden. Jeder, mich eingeschlossen, hat davon gehört, aber die Einzelheiten waren mir unbekannt. Ich habe mich köstlich amüsiert.  Nun, unser Held wird wohlhabend bis reich, und sein Konflikt wird proportional immer größer – er zerreißt sich fast zwischen den moralischen Ansprüchen seiner Mutter und der Realität.

Nun, nur soviel, es gibt eine mehr als überraschende Auflösung. Und ich kann nur sagen: Lesen!!

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