Die guten Dinge im Leben, Teil vier, Bücher oder

was wäre ein Leben ohne Lesen? Ich kann es mir nicht vorstellen. Unterhaltung, Bildung, Spaß, Zeitvertreib, vertraute Freunde, teilweise Weggefährten seit vielen Jahren, das sind gute Bücher für mich.

Ich habe sehr früh lesen gelernt, einfach weil ich Scharlach hatte, was 1970 noch zu einer sechswöchigen Isolation führte, in der mich niemand außer meiner Mutter, die noch drei andere Kinder zu versorgen hatte, besuchen durfte. Sie tat, was sie konnte, aber sie hatte einfach keine Zeit. Ich dagegen im Übermaß, und ich hatte die Bücher, aus denen sie mir vorlas, und ich war ungeduldig, ich wollte wissen, wie es weiterging. Damals war ich gerade so lange in der Schule, dass ich das Alphabeth schreiben konnte. Und so kam eins zum anderen, ich lernte lesen. Und das hat mir das Leben gerettet in diesen sechs Wochen, in denen ich mich nicht bewegen durfte. Nicht vergessen: Fernseher hatten wir nicht, Computerspiele waren nicht nicht erfunden, und selbst das Küchenradio, das ich haben durfte, hatte nur einen äußerst begrenzten Unterhaltungswert.

Seitdem lese ich und ich lese schnell. Ich las mich durch die Bibliothek meiner Eltern, ab neun durch die Kinderabteilung der städtischen Bibliothek in Lübeck, und als die alle war, gestattete die Bibliothekarin augenzwinkernd, auch Erwachsenenbücher auszuleihen, sie kannte mich und mein Lesebedürfnis. Ich las nachmittags und abends bis spät in die Nacht, und wenn meine Eltern es nicht verboten hätten, hätte ich auch im Gehen gelesen. Und ich habe nie wieder damit aufgehört – und das werde ich auch nie tun. Ich habe lange wahllos gelesen, nur schön muss die Sprache sein, sonst halte ich es nicht aus. Mittlerweile lese ich keine Thriller mehr, der Spaß daran hat sich erledigt, dafür mehr Sachbücher zu Themen wie Erleuchtung, Meditation, Spiritualität. Und nach wie vor Romane, das wisst ihr ja, weil ich sie für euch wenigstens kurz versuche zu besprechen.

Mein Leben wäre ärmer ohne Bücher, keine Frage. Aber auch hier hat es eine Änderung gegeben: Ich habe meinen jahrelangen trotzigen Widerstand aufgegeben und einen tolino shine gekauft, seitdem habe ich so wunderbar leichtes Gepäck, wenn ich in Urlaub fahre. Und keine Angst mehr, dass die Lektüre nicht reicht (unvergessen ein zweiwöchiger Motorradurlaub mit meinem Mann, in dem wir uns alle Bücher vorgelesen haben, weil wir dann beide beschäftigt waren und die Bücher länger gereicht haben!). Und das beruhigt mich sehr, wenn ich weiß, dass die Literatur reicht.

4 Kommentare

  • @Janne: du hastest so beschrieben, wie ich es empfinde!
    Mhhj, vllt versuchenich doch,mal den tolino……

  • Mir geht es genauso. Ich sag immer lesen ist für mich genauso essenziell wie atmen. Habe mir vor 1,5 Jahren einen Sony Reader zugelegt (weil 5 kg Bücher für eine Flugreise einfach zuviel sind) und möchte ihn nicht mehr missen, trage ihn überall mit hin. Aber den ein oder anderen Liebling (z. B. Murakami) kaufe ich mir trotzdem als gebundenes Buch.

  • Ja, das mache ich auch. Die Bücher von Karl-Ove Knausgard, die muss ich enfach anfassen. Murakami auch, klar… das schließt sich ja nicht aus. Aber ich konnte den tolino und mit ihm alle Bücher UND die Zeitschriften, die ich noch lesen wollte, mit in Urlaub nehmen…

  • Lesen! Wie könnte ich ohne Buch einschlafen. Ich lese ebenfalls seit der 1. Klasse. Ich kann bestimmte Bücher nicht verleihen, weil ich Entzugserscheinungen hätte, nur weil sie nicht mehr in meiner Nähe sind. Ich lese vorzugsweise epochenweise und verfolge dann auch gern „Fäden“ – in einem Buch erwähnt, gelesen, weiteres wird dort erwähnt – weiter verfolgt…literarische Spionage 🙂 100% Verständnis für Deine Bücherliebe und die anderen guten Dinge des Lebens. Einen wunderbaren Abend.

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