Die guten Dinge im Leben, Teil 2, Freundinnen, oder

was wäre ich ohne meine „Mädels“? Meine Lieblingsfreundinnen, die, mit denen ich lachen und weinen und vor allem endlos reden kann. Prosecco kann, Reden muss, sage ich immer. Manchmal gleichzeitig, immer viel. Manchmal zu mehreren, meistens zu zweit.

Mein schönster Geburtstag ever war der letztes Jahr, als ich neunundvierzig wurde (das Alter, in dem eine Frau endgültig auf ihren Besen steigt und sich bespielsweise die Haare kurz schneidet) und mit meinen Freundinnen gefeiert habe. Soviel warmherziges Interesse, Aufeinandereingehen, Fröhlichkeit, ach, einfach Liebe habe ich selten erlebt. Jede hatte eine liebevoll ausgesuchte Kleinigkeit mitgebracht, aber das Wichtigste war, dass jede offen und frei auf die anderen zuging, es entwickelten sich tolle Gespräche, kurz, es hob sich der Tisch, es waren Hexen unter sich.

Wenn mich etwas wirklich beschäftigt, rufe ich meine Freundinnen an. Sie kennen mich, verstehen mich, hören zu und sparen nicht mit Verständnis. Aber auch nicht mit (manchmal harten) Wahrheiten und lautem Gelächter. Dafür liebe ich sie, und sie können jederzeit auf mich zählen. Sowohl bei den harten Wahrheiten und dem lauten Gelächter als auch bezüglich meiner absoluten Loyalität. Je länger wir uns kennen, desto mehr wachsen wir zusammen. Es ist nicht einmal wichtig, dass wir immer tiefschürfende Gespräche führen, im Gegenteil, auch Austausch über das tägliche Leben schweißt schwer zusammen. Ich teile meinen Alltag gerne, und ich rede gerne übers Essen, Klamotten, Kosmetik und den Garten. Aber nur mit den Frauen, mit denen ich auch über die Liebe, das Leben, die großen Geheimnisse und Rätsel und vor allem über andere Menschen reden kann. Denn das ist doch das, was uns letzten Endes am meisten interessiert: Wie geht es anderen? Wie ticken die anderen? Warum machen die das? Und bei diesen Fragen ist niemand so hilfreich wie eine gute Freundin.

Prost, Irit, lass uns gleich mal telefonieren, ich muss dir da noch was erzählen, du liegst auf dem Auge…

11 Kommentare

  • Genau das vermisse ich zur Zeit. Wir sind Amerikaner und müssen wg dem Beruf meines Mannes oft umziehen. Die letzten 7 monaten waren sehr schwer (mak wieder eine neue
    Stadt). Mein Mann hat seine Arbeit, die Kinder ihre Schule…und ich? Die tiefste Unterhaltung die ich mit jemandem (ausser meiner Familie hatte) war mit der Kassiererin beim DM weil meine EC-Karte nicht funktionierte. Meine Kinder sind 18 und 13…beim Spielplatz lerne ich also keine Leute kennen. Ich bin eigentlich gerne alleine…aber es langt mir jetzt schon! Ich vermisse die langen Nächte des Lachens…und manchmal auch die freiheit zu weinen. Die Cocktails, die Themen partys die wir feierten (Ballkleid inklusiv!) Tja…es geht nichts über enge Freundschaften. Mit 47 habe ich wenig Lust auf das neue kennenlernen…das ist schwieriger als ein first date! Dank Facebook habe ich noch zu vielen Kontakt, aber die meisten sind in den letzten 7 jahren auch zwei, dreimal umgezogen. Na ja…ich gehe heute mal wieder zum DM…die Kassiererin wird sich freuen von mir wieder vollgelabert zu werden 😉

  • Ach, Susie, Kopf hoch, das hört sich wirklich schwierig an. Ich habe auch Jahre gehabt, als die Kinder klein waren, wo ich Freundinnen vermisst habe. Aber seit ich mehr Zeit habe, lerne ich auch wieder Frauen kennen. Zum Beispiel ist ein Yogakurs eine tolle Gelegenheit, gleichgesinnte Frauen zu treffen…

  • ich habe zwar nicht an Yoga gedacht, aber mit so großen Kindern kannst du doch deine Hobbies pflegen und dort „gleichgesinnte“ Frauen kennenlernen. Warum sollst du mit 47 nicht noch neue Freundinnen finden?

  • Honeypearl

    Janne, du kannst dich echt glücklich schätzen! Es ist so schön, Freundinnen zu haben, mit denen man so viel machen kann. Das du es zu schätzen weißt, zeigt, wie wertvoll diese Beziehungen für dich sind. Ich kann aber auch Susie sehr gut verstehen. Ich habe mit einem Jahr Abstand meine beiden besten und langjährigen Freundinnen, aus unterschiedlichen Gründen, verloren. Mit einer habe ich sogar in einem Haus gewohnt… An neuen Gelegenheiten mangelt es mir nicht, aber ich bin sehr vorsichtig geworden und mag eigentlich gar keinen mehr an mich ranlassen. Man muss für eine Freundschaft offen sein und in unserem Alter dauert es nun mal länger, eine Freundschaft zu schließen – aber zu spät ist es nie und wenn ich ganz ehrlich bin, fehlt mir eine Freundin…
    @ Susie, in welcher Stadt lebst du jetzt?

  • Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich habe in den letzten Jahren mehrere Freundinnen getroffen, die mir nahestehen wie Schwestern. Ich denke, Offenheit ist da eine Voraussetzung. Und ein bisschen Zeit. Und Liebe. Traut euch einfach! Was habt ihr zu verlieren? Und soviel zu gewinnen…

  • Steffani Freund

    Ohne diese Freundinnen zu leben , wäre für mich nur schwer vorstellbar.
    Egal, ob für einen lustigen Abend oder um mal eben das Leben durchzusprechen ….

  • Bin vor 16 Jahren auch in der falschen Stadt gelandet.
    Wenn der Menschenschlag vor Ort einfach nicht passt, hat man Pech gehabt. Punkt. Mitgegangen, mitgefangen.
    Habe glücklicherweise meine Heimatstadtfreunde erhalten können und mache gerne Hausbesuche wo auch immer sie nun leben. Durch den Job ergeben sich auch oft Kontakte und sind für mich immer noch der beste Anlaufpunkt. Falls kein Job, einfach einen suchen auch wenn es finanziell nicht notwendig ist, schließlich sind dann ähnliche Interessen vorhanden, hat mir sehr geholfen..
    Alles Gute, Susie!

  • Ich wohne z.Z. In Kaiserslautern. Habe vorher in Mannheim und Heidelberg gewohnt. Hatte dort auch einen tollen Job. Offen bin ich sehr…plaudere auch gerne mal hier und da (habe auch keine Angst wildfremde Leute anzusprechen). Was mir fehlt sind die Frauen die mich KENNEN. Diese Freundschaften die schon viele Jahre gepflegt werden…das eben wovon Janne schrieb. Da wir in den nächsten jahren auch noch oft umziehen müssen, weis ich das jede neue Freundschaft nur von kurzer Dauer sein wird. Nach so vielen jahren kann man auch nur noch so oft bei null anfangen. Ich hasse diese kennenlern Phase am meisten. Dann, wenn man weis in zwei/drei jahren bin ich sowieso wieder weg…na ja…ich gehe da schon manchmal etwas halbherzig ran. Meinen Hobbies gehe ich nach, das ist gar kein Problem. Ich werde mich wieder beim Yoga anmelden…mache ich schon viele Jahre. Das Thema hat mich heute richtig angesprochen…virtuelle Freundin könnte vielleicht die Lösung sein! 😉

  • Honeypearl

    @ Susie, Kaiserslautern ist leider nicht in meiner Nähe – ich bin im Sauerland. Ja, die Kennlernphase mag ich auch nicht. Bei Frauen/Freundschaften ist man meist kritischer als mit einem Mann auszugehen… Wie halten es deine Kinder mit den Freundschaften? Ich bin mit meiner meist alleinerziehenden Mutter bis zu meinem 13ten Lebensjahr 16 Mal umgezogen (wir sind die aus dem Film „Meerjungfrauen küsst man nicht“), ich habe es gehasst. Ich kann das gut nachvollziehen, dass man denkt, warum immer wieder Kennenlernen, Investieren, etc. und dann ist es eh nur für eine kurze Zeit. Eine virtuelle Freundin ist doch schon mal eine gute Idee. Entfernungen sind für eine Freundschaft, vor allem für eine frische, schwierig aber wenn es sich lohnt sind wir Frauen doch bereit fast alles möglich zu machen.

    • @Honeypearl…wow, 16 Umzüge…das ist echt viel! Wir sind Januar 1994 nach Deutschland gekommen. Seit dem sind wir 11 mal umgezogen. Das mit der Kritik stimmt 100%. ich suche Frauen die so sind wie ich. ich gebe dann auch manchmal sehr schnell auf wenn ich merke, oh nee…ist doch nicht mein Fall. Die Kinder…na ja…sie sind sehr intelligent & sportlich (sehr gute Noten, etc) das macht sie in der Schule schnell beliebt und beim Sport findet man auch schnell Anschluss. Meine Tochter hat „beste“ Freunde…mein Sohn dagegen immer eher Bekanntschaften. Wir sind eine sehr enge Familie…das heisst wir sind mehr zusammen als getrennt, und sogar mein 18 jähriger Sohn ist sehr gerne bei uns. Ich denke unser Lifestyle schweisst uns stark zusammen. Als Kind war es bei mir genauso, weil mein Vater einen ähnlichen Job hatte. Länger irgendwo zu wohnen ist für mich undenkbar. Abschiednehmen fällt mir generell nicht schwer…ich bin immer bereit für etwas neues. Aber ab und zu denke ich zurück an was mal war und vermisse es einfach. Das positive an der Sache ist das mein Mann und ich sehr gut miteinander auskommen, die Kinder sehr freundlich und offen sind und ich vor sehr wenig zurückschrecke. Unser Nomadenleben ist etwas „anders“ aber wir erleben immer neue Abenteuer! 🙂

  • Janne und ich kennen uns auch noch nicht sooo lange, wir haben letztens mal versucht, uns zu erinnern, es sind wohl sieben Jahre. Wir haben uns nie viel gesehen (wie auch bei 500km dazwischen), aber wir bestätigen das Vorurteil, dass Frauen gerne telefonieren. Meine Freundin Nanna wohnt leider auch 70km weg, wir telefonieren auch eher als uns zu treffen.

    Ich denke, fast jede kannte Frauen, denen man sich eng verbunden fühlt und bei denen sich dann herausstellt, dass es wohl doch nicht so war. Ich habe da auch einmal eine sehr bittere Enttäuschung erlebt, aber das gehört wohl auch zum Leben. Aber das Schöne ist: da gibt es eben auch Frauen, die das Leben einfach schöner machen

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