Weihnachtsmarkt in Berlin einmal anders, oder

was verkauft man Menschen, die schon alles haben und sich langweilen? Man mietet eine heruntergekommene Halle in Mitte, nennt die Veranstaltung dann Weihnachtsrodeo, warum auch immer, und nimmt Leuten eine Menge Geld dafür ab, dass sie schlampige Stände aufstellen und handgemachtes Zeug verkaufen.

Ebenso schlampiges Zeug wie ihre Stände, und dazu auch noch richtig teuer. Ich konnte es nicht fassen. Da wurden aus seltsamen Zutaten wie kleinen Schraubmuttern Schmuckstücke gefertigt, die mit Gold aufgewogen werden sollten. Ferner gab es nette kleine Babyklamotten zu dem Preis einer Erstausstattung, bunte Dinge, deren Sinn sich mir nicht auf den ersten Blick erschloss, die aber auch richtig teuer waren undsoweiterundsofort.

Und was soll ich sagen? Zwischen all diesen Ständen schlich die hippe Mitte-Gesellschaft herum, gerne mit einem Baby im manduca umgeschnallt, und kaufte alles das! Und noch mehr. Man kam kaum durch. Und ich war mal wieder erstaunt darüber, dass manche Geschäftsmodelle, denen ich nicht mal bis zuende zugehört hätte, tatsächlich funktionieren. Und das zeigt mal wieder, dass es immer wieder Menschen gibt, die die tatsächlichen Gegebenheiten nicht nur verstehen, sondern auch schamlos zu ihrem eigenen Nutzen gebrauchen können. Ich frage mich, ob das in einer anderen Stadt auch möglich wäre…

3 Kommentare

  • Pop Up Konzepte funktionieren in Berlin besonders gut (siehe Koflers „Pret a Diner“, das Format findet sogar städteübergreifend Anklang -> Frankfurt, München, London, Basel etc.)! Und für die Beantwortung der Namensfrage genügt im Grunde ein Blick auf die Weihnachtsrodeo-Startseite. Das große Hintergrundbild wurde im ehemaligen Rodeo Club aufgenommen und zeigt die Kuppel im Alten Postfuhramt, ich vermute, dass dort der Ursprung lag. Das Rodeo ist 2011 Sanierungsmaßnahmen zum Opfer gefallen (Berlin verkauft Berlin), also musste auch der Weihnachtsmarkt umziehen -> es ging dann ins Stadtbad Oderberger. Auch da wurde kräftig saniert also musste ein neuer Space her. Im Übrigen ist es toll, dass es solche „heruntergekommenen Hallen“ noch gibt, wer will denn durchgestylte Spießerkulissen. Glanz & Ranz geht immer, deswegen feierte der Rodeo Club auch enorme Erfolge (nicht zuletzt wegen der hervorragenden Gastro). Und wer daran noch mal partizipieren möchte, der gehe bitte ins „The Grand“, die neue Heimat der alten Rodeo-Crew 😉

  • Es ist doch immer wieder schön, wenn jemand einem das Leben so erklärt!!

  • Absolut, ein inhaltlicher Traum!! Und wenn Dir irgendwann mal jemand mit gefährlichem Weihnachtsrodeo-Halbwissen begegnet, wirst Du ihn vollumfänglich und kompetent über die Zusammenhänge aufklären und anschließend ins The Grand zum Essen einladen können 😉

Deine Meinung?