Die Frau, die nicht lieben wollte, oder

wenn auf einem Buch irgendwas mit Unbewusstsein draufsteht, bin ich ja immer gleich ganz angefasst. So auch hier bei diesem Buch von Stephen Grosz.

Der Autor ist seit über 25 Jahren Analytiker und Therapeut in London, und er schreibt über seine Patienten. Liebevoll, zugewandt und immer bereit, sich selbst in Frage zu stellen. Die Sprache ist verdichtet, stet und beeindruckend schlicht. Ich war von jeder einzelnen Geschichte gefesselt, denn sie enthalten universale Wahrheiten über das Leben im Allgemeinen und Besonderen. Vor allem darüber, dass Menschen ganz unterschiedlich mit ihren Erlebnissen umgehen und auch unterschiedlich lange dafür brauchen, um Erkenntnisse zu gewinnen oder diese gar umzusetzen. Den Autor (und sicher auch den Analytiker) zeichnet seine unvoreingenommene Geduld aus, der unschuldige Blick, mit dem er jedem seiner Patienten begegnet.

Besonders beeindruckt hat mich, dass ihn dieser Blick sogar dann nicht im Stich lässt, wenn es um seinen eigenen Vater geht. Ihm geht da die übliche Befangenheit und Betroffenheit, die den klaren Blick verunmöglicht, ganz ab. Diese Geschichten lehren uns das Leben und die Menschen kennen, und daher wundert es mich nicht, dass das Buch wochenlang auf Bestsellerlisten stand und in vierzehn Sprachen übersetzt wurde. Ich finde sogar, dass es sich wunderbar als Weihnachtsgeschenk eignet, wenn ihr jemandem etwas Gutes tun wollt, der gerne über das Leben  nachdenkt.

5 Kommentare

Deine Meinung?