Liebe und andere Parasiten, empfohlen von BRIGITTE, oder

wie konnte ich mir dieses Buch entgehen lassen? James Meek zeichnet ein bösartig-genaues Abbild der Mediengesellschaft, es ähnelt vom Thema hier dem neulich von mir gelesenen und irgendwann hier auch rezensierten Roman der Pulitzerpreisträgerin Egan „Der größere Teil der Welt“, beleuchtet aber eher die moralischen Fragen.

Wo sind die Grenzen des Erlaubten? Reicht es davonzukommen? Letzteres ist das Lebensmotto von Ritchie Shepherd, der ungeniert seine Frau mit einer Minderjährigen betrügt – solange sie nichts erfährt, ist die Welt ja in Ordnung. Scheint auch zunächst so, bleibt aber alles anders, denn in der Welt der Medienhypes, Pseudoskandale und verlogenen Castingshows hat die gefühlte Realität der Protagonisten mit der tatsächlichen Welt nicht mehr viel zu tun. So wird eine Band in der Castingshow zum Problem, weil sie einfach zu gut ist. Und so wird Ritchie zum Erpressungsopfer einer obskuren Stiftung, die einen modernen Pranger im Internet betreibt. Weitere Fragen werden aufgeworfen: Wie weit wird Ritchie gehen, um der Schande und ihren Konsequenzen zu entgehen?

Nur soviel, weit, sehr weit, weiter, als wir uns vorstellen können. Und schlussendlich ist seine Ehe aus ganz anderen Gründen dann doch zu Ende. Ritchie kann es nicht fassen, dass seine neunjährige Tochter lieber bei ihrer Mutter bleiben will, „weil das besser für meine Karriere ist“. Ich habe mich darüber im Gegensatz zu ihm nicht gewundert, sie ist eben ganz Kind ihrer Zeit und ganz seine Tochter.

Wer teils bösartige entlarvende Persiflage mag, unbedingt lesen.

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