Heute morgen am See dachte ich, ich sehe nicht richtig:

Ich lief wie immer Sonntagmorgens (oder Mittwoch oder Freitag) vergnügt um den Schlachtensee. Je nach Wochentag und Uhrzeit begegnen einem da mehr oder weniger Mitmenschen. Sonntags eher mehr.

Und vor allem mehr Männer. Ich habe immer den Eindruck, dass auch heute noch am Wochenende Frauen entweder die Typen mit den Kindern rausscheuchen, damit sie auch mal fünf Minuten alleine zu Hause sein dürfen, oder aber, was durchaus auch möglich wäre, Männer am Wochenende von sich aus gerne mal mit dem Nachwuchs den See aufsuchen. Jedenfalls, wie auch immer es dazu kommt, treffe ich am Samstag/Sonntag mehr Männer mit kleinen Kindern am See. Das ist lobenswert und wäre auch kein Grund für einen Artikel hier. Aber – nun kommt es! – heute sah ich vier oder fünf Männer direkt hintereinander weg, die mit einer Hand den Kinderwagen oder wie auch immer diese Gefährte heute heißen schoben und mit der anderen Hand das iPhone bedienten. Der Blick war, wie sollte es anders sein, ausschließlich auf das iPhone gerichtet. Die niedlichen Faxen des Nachwuchses, deren Fragen, der flehend auf den Vater gerichtete Blick – vergebliche Liebesmüh, verschollen zwischen whatsapp-Nachrichten, sms und e-mails. Verschollen dort auch die Sinneseindrücke von See, Enten, Bläßhühnern, Haubentauchern, Schwänen, den fallenden Blättern, dem Wind, sogar dem Regen. Ganz zu schweigen von der Schönheit des Sees und der entgegenkommender Mitmenschen.

Ich bin ja nicht die, die immer gegen diese neue Technik hetzt und der Meinung ist, smartphones seien des Teufels und überhaupt der Tod jeder Intellektualität. Nein, ich finde, sie sind wunderbare Kommunikationsmittel und sehr gut geeignet, UBahnfahrten deutlich kurzweiliger zu gestalten. Aber was bitte haben sie am See in der Natur zu suchen, außer in der Tasche zu warten, falls man sich verläuft? Und was bitte hat ein Vater von dem Spaziergang mit seinem Kind, wenn er dabei seine mails checkt?

8 Kommentare

  • Hallo, ja das wundert mich allerdings auch. Da haben die Leute so süße Kids vor sich und kümmern sich nur um Ihre Handy’s.
    Mir ist neulich eine Frau begegnet mit 2 Handy’s in ‚der Hand( eins am Ohr und eins in der anderen Hand) und ein niedliches 3-jähriges Kind lief nebenher mit einer Handyatrappe aus Papier am Ohr, redete ziemlich laut in ihr Papierhandy ( so niedlich – aber auch so traurig). Also die Mütter sind genauso drauf. Egal wer, was haben diese Leute bloß im Kopf???
    Liebe Grüße v. Annett

  • hi,
    ja die welt verändert sich dank dieser kommunkationsmittel eher zum gegenteil.

    ist doch auch so am essenstisch bei veranstaltungen bzw wenn leute auf der besuch sind. wir hatten mal 2 gäste, die haben wirklich neben uns dauernd aufs handy eingehackt. ähm ja, mir war es dann zu blöd etwas zu sagen. die merken das ja selber nicht mal…

    wenn ich mit meiner tochter unterwegs bin, dann gebe ich mir wirklich mühe mit ihr die welt zu entdecken. aber ja ich gebe zu, auch ich komme daheim mehr in versuchung im i-net zu surfen. siehe jetzt 🙂

    aber ich sehe es nicht ein, dass eine 4 jährige schon einen nitendo ds bedient und mir einwandfrei erklärt was sie da jetzt spielt. schrecklich….
    lg

  • Da ich selbst in Bus und U-Bahn lieber Musik höre, als mit dem Smartphone zu spielen, beobachte ich das auch oft – aber mindestens genauso oft bei Frauen. Ich bin auch gespannt, wie sich das langfristig auf die Entwicklung der Kinder auswirkt!
    Liebe Grüße
    Iris

  • hmmm, diesen artikel kann ich nicht so recht nachvollziehen. warum jetzt ausgerechnet mehr männer unbedingt auf ihr handy schauen, während sie mit dem nachwuchs spazieren gehen, das erschliesst sich mir nicht. ich kann genau so meine beobachtung teilen, dass an der ampel so gut wie JEDE frau ein handy am ohr hat oder darauf rumtippt. von den exemplaren, die mir beinahe schon den kinderwagen vors auto geschoben haben, weil er auf die straße ragte, während mutter das iphone bearbeitete mal ganz abgesehen!
    und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir dieses verhalten bei männern wie bei frauen gleichermaßen antreffen. und was in diesem zusammenhang das ominöse „multitasking“ anbelangt, so wissen wir ja nun mittlerweile amtlich, dass es ein mythos ist, der einfach (und schön gleichberechtigt) nicht existiert.

  • Ich muss Pjotr zustimmen! Die Kinder in unserem Viertel kennen das Gesicht ihrer Mutter meist nicht, weil immer ein Handy davor ist!

  • .. Der Eindruck der herbstlichen Natur, der Duft des Laubes, ein silbern schimmernder See..tja, wenn wir das den kleinen Engeln von drei oder vier Jahren nicht zeigen, sie darauf aufmerksam machen, das ist wirklich gruselig und auch armselig irgendwie.. Mal abgesehen davon, dass Mami oder Daddy eben dann auch permanent in dieser Smart-Phone Parallelwelt sind und sich selbst um kostbare Zeit bringen!!
    Ich liebe auch meine Morgenläufe und meist sind es dort Männer, die mir begegnen, zwar perfekt ausgerüstet mit den modernsten Puls-Überwachungsgeräten undIPod am Ohr, aber dabei weder das Rauschen der Bäume, noch dem eigenen Atem lauschen…tja, jeder wie er es mag.

  • Ich werde es auch nie verstehen- dafür muss man bei mir auch mal Stunden auf eine Antwort warten!

  • Pjotr, ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass Frauen das nicht tun. Nur, dass ich Sonntag Männer am See gesehen habe…

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