Zwei Bücher über Rücken, die unterschiedlicher nicht sein könnten, oder

warum ein Thema nicht auch mal von zwei Seiten angehen, dachte ich mir. Ralph Geisenhanslüke hat in dem Sachbuch Schieflage von seinem Bandscheibenvorfall berichtet, David Foenkinos, den ich leider nicht persönlich kenne, erzählt in seinem Roman Zum GLück Pauline ebenfalls von den hartnäckigen Rückenschmerzen seines Helden.

Ich fand es sehr interessant, mit Geisenhanslüke einen gut recherchierten, fundiert begründeten Streifzug durch die verschiedenen Aspekte von Rückenschmerzen, deren Ursachen und schulmedizinische Behandlung sowie alternativer Behandlungsmethoden mit nachfolgender Verhaltens- und Lebensänderung zu unternehmen. Der Autor schreibt toll, was ein Wunder, ist er doch seit vielen Jahren Journalist bei der Zeit, und er lässt die Leserin teilnehmen an seiner Entdeckungsreise, die ihn auch zu den Gründen für seine Rückenprobleme in seiner Lebensweise, seinem beruflichen Alltag und seiner Lebenseinstellung führt. Ich habe selten ein Sachbuch auf einmal durchgelesen, noch seltener hat mir eines so gut gefallen.

Der Roman betrifft das identische Problem: Aus heiterem Himmel bekommt er in der Intensität wechselnde, aber insgesamt hartnäckige Rückenschmerzen. Der identische Gang zu Schulmedizinern erbringt noch weniger als bei Geisenhanslüke, der zumindest einen manifesten Bandscheibenvorfall ermitteln kann – er hat schlicht gar nichts Organisches. Derweil zerfällt sein Leben: Er rastet in seiner Arbeit gegenüber dem ihn schon lange mobbenden Kollegen aus, schlägt diesen zusammen und wird daher entlassen, seine Frau lässt sich scheiden und er muss feststellen, dass sowohl sein Verhältnis zu seinen Eltern als auch das zu seinen Kindern der Aufmerksamkeit und Veränderung bedarf. Ich habe ihn sehr gern begleitet auf dieser Reise ins Ungewissen, mit leichter Hand, durchaus humorvoll und vor allem mit viel Feingefühl wird diese Entwicklungsgeschichte erzählt. Seine Frau heißt Élise, das Buch Pauline, ich verrate also nicht zuviel, wenn ich schreibe, dass das Buch ein wunderbare Ende hat. Das Sachbuch übrigens auch, denn auch Geisenhanslüke ist seine Rückenprobleme vielleicht nicht komplett los, aber hat sie doch mit seiner persönlichen Therapie aus Yoga, Entspannung und Sport sowie einer Lebensumstellung gut im Griff.

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