Update: die schwerste Aufgabe im Leben, ein Jahr später,

erinnert ihr euch noch? Ich hatte doch anlässlich meines gebrochenen Fußes viel Gelegenheit, über mein Leben im Allgemeinen und die Arbeitsaufteilung in meiner Familie im Besonderen nachzudenken, mal ganz abgesehen davon, dass ich den Unfall als solchen auch als Hinweis verstanden habe, dass da etwas nicht stimmt.

Denn frau verletzt sich den Fuß dann, wenn notwendige Entwicklungsschritte im Leben nicht gegangen werden, frei nach dem Motto: Spricht die Seele zum Körper „Geh du mal vor, auf mich hört sie ja nicht!“. Nun, nachdem ich ja schlussendlich zwar damit gescheitert war, die Familienaufgaben gerechter zu verteilen (ihr könnt euch kaum vorstellen, zu was für albernen Diskussionen die Verweigerungshaltung meiner Nächsten geführt hat!), hatte ich ja meinerseits begonnen, nicht mehr alles zu machen. Und auch mal deutlich zu sagen, dass manches nicht meine Aufgabe, sondern die der Kinder oder meines Mannes sei. Das kam überhaupt nicht gut an, könnt ihr euch ja sicher vorstellen.

Es war aber auch nicht wirklich schön für mich, denn eigentlich bin ich ja ganz anders. Ich bin nämlich zupackend, schnell, liebevoll, großzügig und zugewandt und helfe mal ganz grundsätzlich gerne, Älteste eben. Daher hat mich diese abwehrende Haltung an mir selbst irgendwie auch gestört, vor allem, weil sie ja eine Hinwendung zum Negativen (alle nutzen mich nur aus und kümmern sich nicht) war.  Aber siehe da, nachdem ich das trotzdem eine ganze Zeit durchgezogen habe, hat sich wieder etwas verändert. Ich habe gemerkt, dass ich das gar nicht mehr brauche.

Irgendwie haben auch die anderen gemerkt, dass ich weder Mama-wois noch Janne-wois heiße und dass ich nicht mehr fraglos hinter allen herräume und herwische. Sie haben tatsächlich einige Aufgaben selbst übernommen, und die, die liegenblieben, lasse ich, solange sie nicht meinen heiligen Bereich betreffen, auch liegen. Und daher finde ich mich wieder in der Position, mich frei entscheiden zu können, ob und was ich für die anderen tue. Ich kann ganz locker mal wieder ein paar Mützen für alle stricken, die verdreckten Reitstiefel des Kindes sauber machen und auch die Garage aufräumen, ohne dass ich mir alleingelassen und ausgenutzt vorkomme. Und das ist doch wunderbar – ich habe mir den Freiraum geschaffen, den ich brauche, um mich authentisch verhalten zu können. Ende gut, alles gut.

3 Kommentare

  • Ein interessanter Verlauf im Zuge der unfreiwillig herbeigeführten Entwaffnung, aber Du schreibst ja -Ende gut, alles gut- 🙂 Beim Lesen überlegte ich, wie andere Konstellationen das wohl lösen würden oder es gar nicht lösen müssen, weil gewisse Dinge und Gesten auf Selbstverständlichkeit beruhen. Habe bisher nur mit Frauen zusammengelebt (Kinder mal ausgeklammert) und da ging es immer sehr widerstandsfrei und solidarisch zu…

  • Ich „verweigere“ mich auch seit einiger Zeit, was hauptsächlich meine Kinder betrifft. Die sind 16 (Mädchen) und 14 (Junge). Und ich bin’s soooooooo leid, denen ständig hinterherzuräumen und zu putzen! In ihren Zimmern mache ich schon seit ein paar Jahren nichts mehr, sollen sie im Dreck ersticken“ ich wische den Boden nur, wenn er frei ist…..ja genau, das kommt selten vor. Aber wenn die Kinderchen Besuch bekommen, dann müsst ihr sie mal sehen….da wird dann vorher plötzlich aufgeräumt! Die sind rotzfrech und machen nicht den kleinsten Finger krumm Zuhause ! Deswegen richten wir ihnen z.B. Kein Pausenbrot mehr, auch wenns schwerfällt, das der Junge somit bis zum Mittagessen gar nichts isst, das Mädchen richtet sich selber was und frühstückt manchmal sogar! Is mir inzwischen egal…Von meinem Sohn muss ich regelmäßig Müll entsorgen, den er z.B. Gerne hinterm Sofa im Wohnzimmer versteckt (leere chipstüten, Flaschen..) Da krieg ich soooooo einen Hals!! Ich ruf ihn dann wegen jedem Schnipselchen, das ich finde, einzeln runter..Inzwischen geht er selber durchs Haus, wenn er sieht, dass ich anfange zu putzen „damit du mich nicht zig mal nervst“….Tja, und weil ich ja fast immer alles alleine machen muss, habe ich dann eben auch keine Zeit, z.b. Die Handballspiele meiner Kinder zu besuchen. Oder sie wohin zu fahren. Die Wäsche, die sie mit Vorliebe im Bad sammeln oder in ihren Zimmern und mir regelmäßig dann gesammelt in den Wäschekorb werfen, wenn der gerade leer ist, sprich, ich gerade alles gewaschen hab. Das bleibt dann halt auch erstmal liegen….und die saubere Wäsche, die ich sonst immer schön zusammengelegt jedem in einem Korb hingestellt hab, die werfe ich jetzt alle in einen großen Korb, so wie es aus dem Trockner kommt, alles durcheinander ( meine Sachen und die von meinem Mann sortiere ich natürlich aus…) und da steht’s dann…iIhr könnt euch sicher vorstellen, wie zerknittert die Sachen dann sind, wenn sie tagelang so rumstehen. Ich muss es ja nicht anziehen….Das fällt mir zwar auch sehr schwer, fällt ja schließlich auf mich zurück, wie meine Kinder rumlaufen, aber – was soll’s, was andere denken, war mir noch nie besonders wichtig.Ich hab’s jedenfalls gründlich satt, und solange die nichts machen, mache ich auch nur noch das Nötigste. Leider hat es bis jetzt nichts geändert, neulich ist die saubere Wäsche über eine Woche rumgestanden, ich hab dann neben nicht gewaschen, bis das weggeräumt war. War das ein Geschrei, als dann auch leider das Sportzeug am Montag immer noch nicht gewaschen war. Türenschlagen, wüste Beschimpfungen…..was soll ich denn jetzt anziehen?? Schulterzucken – mir doch egal! Mal sehen, wer von beiden es mal kapiert. Aber das ist verdammt anstrengend….:( Und entspricht eigentlich auch nicht meinem Naturell…aber egal, ich mach das nicht mehr mit!

  • Exilberlinerin

    Gut gemacht Janne, es klingt nach vernünftigen Kompromissen. Nee, die Putzfrauen von unseren Kindern sind wir nicht ! Und das müssen sie irgendwann mal lernen.
    @Su, oh oh das klingt nach ziemlich viel Frust auf Deiner Seite. Aber ich denke, auch Du machst das genau richtig. Sie müssen es ja mal irgendwann begreifen. Was sagt denn der Vater, sofern vorhanden? Bei uns war es nämlich zum Glück mein Mann, der unseren Sohn (jetzt 17) mit dem nötigen Quentchen an Autorität erfolgreich mit in die Pflicht genommen hat, ihm erklärend, dass wenn alle arbeiten auch alle mit anpacken müssen. Meine beste Freundin ist von ihrer Mutter früher nach Strich und Faden verwöhnt worden, alles wurde ihr nachgetragen, alles nachgeputzt und gekocht und Frühstück gemacht bis ins junge Erwqachsenenalter hinein. Sie hatte es nie gelernt, den eigenen Dreck wegzumachen, was auf andere äusserst irritierend wirkt. Ihr Freund hat mal eine halbleere Kaffeetasse von ihr im Bad stehen lassen, um zu testen, ob sie sie irgendwann doch mal wegräumt. Njet ! Die Tasse schimmelte und schimmelte…

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