Mal wieder die Kommerzialisierungsdiskussion

Ich bin eher zufällig über zwei Blogposts gestolpert, die sich mit dem Thema der Kommerzialisierung von Blogs befassen. Wer lesen möchte (Achtung, die Kommentare sind zahlreich): hier und hier. Ich habe mit der normalen Beautyblogger-Szene nicht viel am Hut, diese diversen LE-Vorschauen, Swatches ohne Ende und Berge von Deko finde ich einfach nur nervig. Genau wie das noch spektakulärere Augen-Makeup. Im besten Fall ist es eine Anregung für Karneval, im schlimmsten lautet der Standardkommentar meines Mannes beim Anblick mancher Bilder: „Tausend Gründe schwul zu werden“. Nun möchte ich aber nicht über andere ablästern (höchstens ein bisschen und ohne Namensnennung), sondern ein Kommentar hat mich berührt.

Zitat: „Ein Blog sollte authentisch bleiben und der Schreiber seinem Stil und dem warum (warum er den Blog gegründet hat) treu bleiben.“

Woraufhin ich nach dem Lesen aller Kommentare auch schwer ins Grübeln kam.

Ich sage es offen und ehrlich:

  1. Natürlich arbeite ich mit den Firmen zusammen, deren Produkte ich mag. Und ich finde es sehr erfreulich, das ich die Neuheiten in den meisten Fällen als PR-Sample bekomme. Weil: diese Massen an Pflege würde ich mir niemals kaufen. Und so manches tolle Teil würde ich nicht entdecken – aber es gibt viele tolle Produkte. Im Gegensatz zu dekorativer Kosmetik ist Pflege aber nur sehr begrenzt haltbar- zur Freude meiner Freundinnen, die alle wohlgefüllte Badezimmer haben. Weil: niemals nicht wird ein PR-Sample verkauft, sondern nur verschenkt.
  2. Ich mag keine Verrisse bei Pflegeprodukten. Denn Pflege ist extrem individuell und der Maßstab ist nun mal meine Haut. Produkte mit fragwürdigen Inhaltsstoffen teste ich erst gar nicht bzw. möchte sie auch nicht im Haus haben. Egal, welcher Name draufsteht. Weswegen ich z.B. keine Cellulite-Produkte teste – ich glaube nicht daran und ich habe auch nicht den Leidensdruck, täglich 2x einzucremen. Was bei mir Pickel macht oder keine Wirkung zeigt oder eine eher schlechte, kommt einfach weg. Ich möchte mich dann nicht noch in einem ausführlichen Review damit befassen. Ich möchte über Produkte schreiben, die ich auch meiner besten Freundin als Kauf empfehlen würde. Der Rest interessiert mich einfach nicht, Zeitverschwendung.
  3. Dinge, die mir am Herzen liegen und zur Kategorie Deko oder Parfum gehören – kaufe ich mir einfach. Und schreibe meist nichts darüber. Oder möchte jemand jährliche Reviews zu Serge Lutens Gris Clair oder MAC Studio Fix? Eben. Vielleicht sollte ich mal jährlich den „In Dauerbenutzung“-Artikel machen. Ihr habt das bestimmt schon bei den seltenen Deko-Reviews bemekt – es tauchen immer dieselben Produkte auf – weil ich auch meist immer dasselbe benutze, ergänzt im Lauf der Jahre um neue Dinge, die mir ans Herz gewachsen sind. Aber auch hier gilt: vielleicht 10% der Dinge, die ich hier vorstelle, bleiben dauerhaft oder nachgekauft bei mir. Aus den verschiedensten Gründen, es gab noch etwas besseres, auf Dauer waren es eben nur 90 und nicht 100% und so weiter.
  4. Ja, ich werde manchmal zu Bloggerevents eingeladen und gehe meist nicht hin. Ich habe dafür keine Zeit. Es ist ein Tag Urlaub oder ein Abend, den ich meinen Kindern stehle. Manchmal gibt es tolle Sachen, aber nach der letzten Erfahrung mit Lancôme (hatte mich total darauf gefreut, um dann aus beruflichen Gründen zwei Tage vorher absagen zu müssen) sage ich gleich von vornherein ab. Das passt einfach nicht in meinen vollgestopften Terminplan.

Soweit zum kommerziellen Faktor.

Bleibt die Frage nach der Authentizität und dem Grund, warum man bloggt. Ich liebe gute Pflege, lieber ungeschminkt aus dem Haus als nicht ordentlich gepflegt. Eigentlich habe ich aus zwei Gründen vor drei Jahren mit FabForties angefangen: ich möchte anderen Frauen Wissen über Pflege und empfehlenswerte Produkte vermitteln. Und meine Meinung zu allem möglichen kundtun. Ich denke, da bin ich authentisch geblieben.

Nur die Schminkecke, die macht mir derzeit etwas Sorgen. Ich sehe so oft Frauen um die 40 oder 50, bei denen ich am liebsten zu meinem Schminkkoffer greifen würde und nach einer Viertelstunde sähe es deutlich besser aus. Davon würde ich gerne mehr vermitteln, aber es ist schwierig. Eigentlich geht das nur mit gut gemachten (!) Videos. Und das ist einfach nicht mein Ding. Ungelöstes Problem.

15 Kommentare

  • Iliebe Irit, liebe Janne, meine Haut und ich haben, seit ich Euren Blog kenne und schätzen gelernt habe, sehr ! profitiert. Das bestätigen auch mein Umfeld und die Kosmetikerin, meine Haut war noch nie so gut gespflegt wie jetzt. Ich würde bei weitem nicht die Vielzahl v Pflegeprodukten kennen, die ich Dank dieses Blogs kenne. Die Schmiktips sind aus meiner Sicht vollkommen ausreichend, hilfreich und umsetzbar. Ich habe einige Bücher die hier vorgestellt wurden selbst Gelsen und/ oder verschenkt, mit Erfolg, glaube ich… Selbst kein Mann fragt morgens, was es denn heute neues bei Euch gibt….manchmal entwickeln sich hier recht intensive und interessante Diskussionen.. Ich finde, ihr macht das richtig ansprechend. Natürlich werden Produkte kostenfrei zur Verfügung gestellt. Ich kann nur für mich sprechen, aber die Tatsache, dass ich mit Euren Tips für mich etwas anfangen sprich umsetzen kann, bedeutet für mich, ihr seid authentisch.
    Macht bitte weiter so. Herzliche Grüße vom Mittelrhein

  • Ich schließe mich Julia vollumfänglich an – von euch habe ich viel gelernt, was Pflege angeht 🙂

  • Sorry für die Rechtsschreibfehler. Ich sollte zukünftig entweder doch warten, bis ich richig wach bin, oder dieses ipad besser konditionieren… u.a. soll es heißen, dass selbst mein Mann fragt, übrigens seit Eurem Beitrag heute, schmunzelnd, was es denn neues von der Crememafia gäbe…. um dann zu ergänzen, dass seine Haut seit der Bayercreme besser geworden sei. Und die Bücher habe ich gelesen..

  • liebe irit,

    dem „schlecht geschminkt übe 40“ kann ganz einfach geholfen werden – mit
    looking younger von robert jones
    in sehr leicht verständlichem englisch mit jeder menge Basiswissen, tollen vorher-nachher-fotos und detaillierter step-by-step-anleitung. damit kann echt nichts mehr schief gehen – sogar die technik des dunklen lidschattens von unten in den oberen wimpernkranz wird angewandt – damit mußt du dich also wirklich nicht mehr abeseln.

    in diesem zusammenhang sei das ebenso tolle buch
    how not to look old von charla krupp
    erwähnt; das thema make-up wird auch (kurz) behandelt, aber im vordergrund steht „der rest“ von haaren, Brillen, zähnen, Nägel und gaaanz viel zur richtigen Kleidung. praktisch die Ergänzung zu ersterem.

    diese beiden bücher wollte ich euch schon länger ans herz gelegt haben – dafür hast du nun heute die steilvorlage geliefert!

  • ich sehe gerade, daß „looking younger“ bei amazon praktisch vergriffen ist;
    wer interesse hat möge stattdessen „makeup makeovers beautybible“ von robert jones aufrufen.
    das ist scheinbar ein best off seiner drei Bücher – jedenfalls gibt es eine lange Leseprobe, auf der ich vieles aus ersterem buch wiedergefunden habe.
    der preis ist übrigens 14,40€

  • Netter Beitrag, die Punkte finde ich absolut richtig und auch deswegen ist dies hier einer der wenigen (um nicht zu sagen) der einzige Blog, den ich lese 🙂

  • Genauso gehts mir auch!

    Gute Infos, authentische Tests, in meinen Augen gut geschrieben – und ab und zu mal ein bisschen Reflexion. Das gefällt mir und ist morgens zum Standard bei mir geworden. Macht doch einfach weiter so! 🙂

  • Julia-Sarah

    Ich empfinde,dass genauso! Bin zwar keine fabfortie,weil 21,aber ich lese sehr gerne
    mit sowohl Bücherreviews, Anstösse des Alltags und alles,was mit Cremen und Pflegen zu tun hat. Vielen Dank für die Zeit und Mühe,die ihr hier investiert:)

  • Exilberlinerin

    Finde Euch auch absolut authentisch, und was negative Bewertungen betrifft, so ist das Eure Entscheidung,ob oder ob nicht ihr Euch damit abgeben wollt. Hilfreich ist sowas natürlich manchmal schon, da es einem doch den einen oder anderen Fehlkauf ersparen könnte, allerdings ist die individuelle Verträglichkeitskomponente natürlich schon auch nicht von der Hand zu weisen. Schmink-Coaching funktioniert wahrscheinlich wirklich besser per Video, und es gibt da ja auf Youtube so einiges. Der beste für mich ist der Kanal von Michaela Conrads, einer erfahrenen Visagistin, makeupcoach.de Da wird auch mit weit verbreiteten Irrtümern aufgeräumt und die Praxis ist relativ einfach umzusetzen. Von Charla Krupp bin ich persönlich kein Fan, da bei ihr immer so ein bisschen durchklingt, dass es irgendwie verwerflich ist, älter zu werden oder dicker zu sein, unter Benutzung von abwertendem Vokabular. Das Buch habe ich allerdings nichts destotrotz auch gelesen. Tragischer weise, und auf eine perfide Art pervers, ist sie ja vor ein paar Jahren viel zu jung gestorben. So bewahren einen eben Styling, auf Jung getrimmte Haare und die passenden Jeans auch nicht vor dem Alter und dem Sterben… Aber da bin ich jetzt schon meilenweit vom eigentlichen Thema entfernt… sorry for this.

  • Danke, Irit, für Dein Statement!!

    Die „schlecht geschminkten Ü40“, die ich kenne, sind m.E. beratungsresistent. Die lesen kein Buch einer Visagistin und schauen auch keine Videos zu diesem Thema. Die sind einfach irgendwann stehengeblieben und erstarrt. Nach dem Motto: Was mit 20 gut war, kann doch heute nicht schlecht sein.

    Wäre vielleicht mal ein gutes Blogthema, wie man das z.B einer Freundin oder guten Bekannten gegenüber ansprechen kann.

  • Ich habe vor ca. einem Jahr euren Blog entdeckt und seitdem bin ich Stammleserin! Freue mich schon jeden Tag auf einen neuen tollen Beitrag von euch!
    Meine Haut hat dank euch auch schon sehr davon profitiert!
    Vielen Dank und macht bitte so weiter!

  • Ich habe es schon mehrfach gesagt – durch euch habe ich viel gelernt und neue Hersteller kennen gelernt, deren Produkte jetzt zu meiner Pflegeroutine gehören. Dass ihr vieles als Sample bekommt, ist für mich überhaupt kein Problem, da ich nie den Eindruck gewonnen habe, eine positive Meinung sei „gekauft“.
    Wirklich schlecht geschminkte Frauen habe ich auch in meinem Umfeld, darunter die Tochter einer Freundin, mittlerweile Mitte Dreißig, bei der ich mir seit zwanzig Jahren immer auf die Zunge beiße, um ihr nicht zu sagen, dass viel zu dunkles, pastöses Make up sehr unvorteilhaft ist. Ich denke dann immer, sie hat doch Kolleginnen, sie liest doch im Internet, sie will es wahrscheinlich genau so. Bei meinen Freundinnen würde ich wohl etwas sagen.
    Heikles Thema …
    Euch allen einen sonnigen Tag!

  • @ exilberlinerin……wie bei vielen amerikanischen Autoren ist der ton für europäische ohren mitunter ein wenig speziell. besonders gestört hat mich das allerdings nicht – es sind wirklich gute tipps dabei und für 2,49€ gebraucht geht das allemal o.k. .
    p.s.: es war, glaub ich, krebs.

  • Liebe Irit, liebe Janne,
    ich melde mich zwar nicht sehr oft zu Wort, aber jetzt ist es mal dringend notwendig. Seit ich euren Blog kenne, fühle ich mich einfach schöner! Ich habe so viel gelernt über Kosmetik und Pflege in den letzten zwei Jahren wie in den den letzten 20-30 nicht. Zwar sehr viel mehr Geld ausgegeben, aber es hat sich eben auch gelohnt, nicht immer, aber meistens. Neulich hat mich tatsächlich eine Kollegin angesprochen und gesagt, „du hast so schöne Haut, wie machst du das?“ BHA und Retinol und LSF!!! Und ein Kollege (!) sagte zu mir: „Warst du beim Frisör? Du hast die Haare schön!“ Keratase Volumen Schaum!!! Das sind nur zwei Beispiele.
    Danke, ihr seid toll
    Eure Susi

  • @Frau von und zu Irit 🙂 Der Blog ist aus folgenden Gründen authentisch: man merkt den behutsamen und detailverliebten Umgang mit sämtlichen Themen. Hier werden zum Beispiel Produkte nicht herzlos in die Welt gesetzt, wie so manch armes und hilfloses Tier, mit dem Gedanken: ach Du interessierst mich eigentlich nicht, ist mir egal, was mit Dir passiert und was ein anderer mit Dir anstellt. Im Umkehrschluss: bei den anwendbaren Produkten und deren Weiterempfehlung, wird gegenüber dem Leserkollektiv fortlaufend Verantwortung übernommen. Zudem spürt man Präsenz, Integrität und (ganz wichtig) Moderation, woraus sich offene (Folge)austausche ergeben. Schaut man nach links und rechts (ohne Namen zu nennen), erkennt man auch andere Entwicklungen. Da wird etwas am Morgen gepostet und das Gefolge darf reagieren (hmmm, ja, schön, toll, sehr gelungen, passt gut, angenehmen Tag) und am späteren Abend bedankt sich der Bloginhaber dann vereinzelt, falls zwischen dem Abendmahl, dem nächsten Waschmaschinengang und dem Bettaufschütteln noch Zeit bleibt… so, ecco fatto 😀

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