„Die Mamas unter uns“

Es gibt Dinge, bei denen ich innerhalb von einer Zehntelsekunde auf mindestens 180 bin. Ganz weit vorne ist dabei das Mama-Geschwätz von erwachsenen Frauen.

In Foren und Facebookgruppen gibt es dann gerne mal Posts, die mit „an die Mamas unter Euch“ beginnen. Oder man wird von wildfremden Menschen gefragt: „ach, du bist die Mama von …?“ . Und am allerschlimmsten sind diejenigen, die offensichtlich keinen eigenen Namen mehr haben und sich gerne mal als „die Mama von…“ vorstellen. Ich frage mich dann immer unwillkürlich, ob noch so etwas wie ein Eigenleben vorhanden ist.

Ich mag zwei Aspekte nicht. Zum einen die Reduktion auf die Mutterrolle und zum anderen dieses Verniedlichungs-Geschwätz. Das ist so weiblich-klischee-mäßig wie es schlimmer kaum noch geht. Ich habe mal darauf geachtet, da wird dann auch gerne mal im Gespräch der Kopf schief gelegt – diese Kleines-Mädchen-ich-bin-nett-und-niedlich-Attitüde (unbewusst natürlich).

Ich bin die Mutter meiner Töchter und NUR SIE nennen mich Mama. Ich bin auch mit meinem Mann verheiratet und nicht mit dem Papa meiner Kinder. Und ich halte meinen Kopf gerade.

31 Kommentare

  • Steffani Freund

    Genau das sind die Momente, in denen ich feststelle, dass ich ein agressiver Mensch bin. Schier wahnsinnig macht mich dann , wenn diese Mamas mit infantilem Vergnügen bei Schulveranstaltungen am Sackhüpfen etc teilnehmen. Wenn dann noch der ‚Papa‘ dazukommt, wird die imaginäre Mähne in den Nacken geworfen und der Arme wie von einer Ertrinkenden umarmt.
    Diese Damen werden kaum Leser dieser Seiten sein, haben sie doch die Verwendung von Mascara und Lippenstift im Moment der Entbindung sofort für alle Zeiten eingestellt.

  • Lach. Ich bin zwar keine Mama, finde das Verhalten deswegen aber umso schrecklicher 😉

  • Das sind vermutlich die selben „Beauties“, die Burzeltag feiern.

  • Und ich dachte immer, dass das nur mich nervt! Übrigens nerven mich auch die Mama-Kind-Fotos auf Facebook oder in Foren, wo es definitiv nur um die Frau geht…
    Danke für diese Worte!
    Und noch viel mehr Danke für den wundervollen Blog, der mich informiert, inspiriert und mir Spaß bringt!
    Viele Grüße!
    Uta

  • mindestens genauso schlimm finde ich übrigens dieses „kindgerechte“ Gebrabbel, bei dem gerne von sich selbst in der driteen Perosn gesprochen wird… „ja, die Mama macht dir gleich ein lecker Happi Happi“, die Zitate in Zusammenhang mit dem Stillen erspar ich euch.

    Ich habe mit meinen Kindern immer wie mit normalen Menschen gesprochen und bisher kann ich keine Fehlentwicklungen feststellen. Außer dass sie schon sehr klein einen großen Sprachschatz hatten und Nebensätze verwendet haben.

    Ach, noch eine kleine Geschichte am Rande: kürzlich hat meine kleine Tochter (8) Mist gebaut und einen Brief/Geschenk wochenlang nicht abgegeben. Wir haben es mehr zufällig gemerkt und als wir sie darauf ansprachen meinte sie: „Da habe ich die Situation wohl falsch eingeschätzt, ich dachte, ich mache es noch und ihr seid so nicht beunruhigt“. (wörtlich!)

  • Ich finde das nicht schlimm. Es geht doch dann nur um die Zuordnung, in der Schule oder im Kindergarten: dieses Kind ist meine Tochter und die anderen Kinder wissen gleich, dass ich die Mutter bin. Ich bin selbstbewußt genug, dass ich mich dadurch nicht auf die Mutterrolle „reduziert“ fühle.
    Was mich agressiv macht, ist dieses Vergleichen: mein Kind kann das schon, mein Kind drückt sich schon wie ein Erwachsener aus !
    Übrigens bin ich meine Leben lang berufstätig gewesen und ich mache mein Leben und Wertigkein nicht an Mascara und Lippenstift fest !!!! Jeder wie er mag !
    Ansonsten bin ich hier eine eifrige Leserin aber heute war ich auf 180° und mußte das loswerden.

  • darum geht es doch: die Meinung los zu werden 🙂 meine kenne ich ja schon

    Die Kindervergleicherei finde ich auch daneben, es gibt doch immer eins, dass bessere Noten hat, besser Klavier spielt, schöner tanzt etc nchtsdestotrotz finde ich meine natürlich WELTKLASSE

    Zur Zuordnung: vielleicht liegt es daran, dass ich mich nicht über die Mutterrolle definiere, das ist ein Teil von mir, aber nicht der Hauptteil. Und von daher käme ich halt nicht auf die Idee, mich als „Mutter von“ vorzustellen. das gibt es höchstens bei Unklarheiten als Zusatzinfo. Aber nie als Mama, das ist der Kosename meiner Kinder für mich. Ich bin die Mutter.

  • @ich lach mich weg, hahahahaha !

  • @ Andrea : was ist ein Burzeltag????

  • Geburtstag… da hat die Gehirnerweichung schon eingesetzt *grins*

  • Wie meistens… es kommt darauf an. Als Zuordnung finde ich die Mama – Bezeichnung völlig o.k., in einer Gruppe von mehreren Kindern samt Erwachsenen ist es effektiv, gleich zu wissen, aha, das ist also die Mama von… (…dem kleinen halslosen Monster, das immer die Blumen über den Gartenzaun hinweg abrupft). 😉 Ich weiß aber welche Art von Müttern du meinst, diejenigen die sich tatsächlich über ihr Kind definieren und das so stark, dass sie sich selbst als Anhängsel deklarieren. Das wiederum ist dumm und einer erwachsenen Frau nicht würdig. Nur einfach dämlich klingt auch, wenn sich erwachsene Menschen gegenseitig mit Mama und Papa anreden. Haben die keine eigenen Eltern ?
    Leider übernehmen wildfremde Leute mittlerweile diese Bezeichnung, was besonders albern ist. Ich wurde z.B. mal gefragt, als ich meiner Nichte ein Eis kaufte, ob „die Mama denn auch eins will“. (Weiß ich nicht, die Mama ist gerade ca. 30 km entfernt.)

    Abgesehen davon finde ich, das Wort „Mama“ (und „Papa“) ist eines der schönsten, die die Menschen sagen können.

  • Burzeltag – OMG! Ich hatte gerade einen Entenbürzel vor meinem geistigen Auge 😀

  • …noch was…
    Was sagt ihr eigentlich dazu, das manche Eltern meinen, Kinder dürften sich überall und in jeder Umgebung so benehmen, wie sie gerade wollen ? DAS regt mich jedes mal auf, wenn ich in Cafes o.ä. bin. Vom Verhalten auf z.B. Friedhöfen will ich gar nicht reden…

  • Natürlich dürfen sich Kinder nicht so benehmen wie sie gerade wollen… ich hasse diese kleinen Störenfriede z.B. im Café, die ungehindert rumkreischen wie am Spieß.

    In einem gewissen Alter ist es natürlich nicht machbar, aber spätestens ab 3 sollte eine gewisse Grundkenntnis von gutem Benehmen da sein.

    Ich schäme mich da immer fremd

  • Mein persönlicher Hass sind Anrufbeantworter, die mit allen Kindernamen, auch Babys, besprochen werden. Als ob es wichtig sei, dass irgendein 8 Monate altes Kind auch nicht da ist….

  • …oder völlig bescheuerte Kindernamen an Autoheckfenstern. Als ob es irgendjemand interessiert, wer da alles mitfährt.
    Abgesehen davon wird mir immer noch ganz warm ums Herz, wenn meine 26 und 28 Jahre alten Töcher „Mamaaa“ zu mir sagen…

  • Oh, danke, das tat so gut 😉

    Bin auch (aber natürlich nicht nur) Mutter (!) von X und Y, aber zuerst habe ich immer noch einen eigenen Namen, mit dem ich mich vorstellen kann. Erst dann – zum besseren Verständnis, je nach Umfeld – nenne ich die Namen meiner Kinder. Vielleicht liegt es auch am Alter: Ich bin 40+++, da habe ich schon ein eigenes Leben vor meinen Kindern gehabt. Meine Kinder sind dann dazu gekommen.

    Und wisst Ihr, was das Schlimmste ist? Diese „Mama Cards“. Eine Art Visitenkarte, auf der „Mama von …“ steht. Da möchte ich schreien. Aber ich habe gehört, das soll es neuerdings auch für Hundebesitzer geben 😉

  • ooh, die Autoaufkleber, ja!
    Mama ist für mich auch eine private Bezeichnung.
    Mein „Burzeltag“ hat ja Wellen geschlagen. So wie euch ging mir das auch, als ich das das erste Mal gelesen habe. Erwachsene Frauen, die Pseudobabysprache benutzen. Ja, und warum redet man min Kindern in Babysprache? Furchtbar. Was ich auch hasse, hier in der Region, wo viele zumindest regional gefärbt sprechen, ist, wenn Eltern dann so komisch betont schlechtes Hochdeutsch reden, anstatt ihnen wenigstens den eigenen Dialekt richtig beizubringen, und dann noch mit Babysprache: Schatzi, tätescht du noch ein Stückle haBÄN wollÄN? Grusel.

  • Aber richtig gruselig wirds, wenn sich ein Ehepaar mit „Mama“ oder „Papa“ anreden….

  • Hin und wieder ein Stündchen gepflegt langweilen hat meinen Kids (heute 23, 19 und 17) nicht geschadet. Mich nerv die Anarchie heute besonders auf Flughäfen.

    Als mein Sohn im Kindergarten war, nannte mich seine Freundin Merle immer Daniel-Mama. Nach mehrfachem verbessern „Ich heisse Susanna“, meinte sie dann leicht angenervt Susanna-Mama und dabei blieb es dann eine ganze Weile. Die dreijährige Kinderlogik fand ich einfach nur süss … Heute sagt der 23jährige Sohn: Kinder sind wie Pfürze – jeder erträgt nur seine eigenen

    • Da hat der Sohn ja mal so was von recht!
      Du übrigens auch – von wegen gepflegt langweilen.
      Dazu ein typischer Dialog aus „Kindertagen“ meiner mittlerweile 18jährigen Tochter: „Mir is langweilig!“-„Selber langweilig!“- alternativ:“Mir nicht.“

      Dabei fällt mir noch ein, dass viele Mamas irrsinnigerweise meinen, ihre Kinder stets „bespielen“ zu müssen (Papas auch).
      Nur keine Langeweile oder gar Eigeninitiative aufkommen lassen!
      Generationen von Kindern konnten sich bisher prima mit sich selbst oder mit anderen Kindern beschäftigen (zuweilen sogar leise, während die Eltern schlichterdings selbst beschäftigt waren).
      Könnten diese Aufmerksamkeit-kreisch-ICH-hier-Nervereien auch daher kommen, dass Kinder fordern, was sie gewohnt sind: helikopternde Erwachsene, stetiger „Tanz ums goldene Kind“?

      Nicht dass ich hier etwa missverstanden werde: Kinder sind wundervoll – ein Riesen-Geschenk! Sie aber zum Mittelpunkt des elterlichen Universums werden zu lassen, tut weder den Kindern noch den Eltern gut.

      That’s how C. cees it!

  • … macht ihr denn auch bei Halloween die Tür nicht auf????

    • Never!
      Ich find Helloween einfach nur total bescheuert!
      Absolut hirnloser Pseudo-Kultur-Import!!!
      Ich will nicht gezwungen werden, da mitzumachen (mit „treats“), während die „tricks“ bei uns in der Gegend völlig aus dem Ruder laufen.
      In Ami-Land gilt übrigens die gute Sitte, dass nur dort geklingelt wird, wo ein Licht oder ein Kürbis im Vorgarten Offenheit signalisiert.
      Ich feiere am 31.10. Jahrestag mit meinem Liebsten und hab keine Lust mehr, während des Candellight-Dinners von randalierenden Teenies oder verkleideten MAMAs (!!!-Aaah, hier der Bezug zum Thema!) samt vor sich her geschobenen Sprösslingen rausgeklingelt zu werden.

      Und jetzt kommt noch was ganz Schräges: Ich halte den 31.10. weiterhin für den Reformationstag. Ich wohne nicht weit von Limburg. Und ich finde es in diesem Jahr noch mehr als sonst wichtig, darüber nachzudenken, was es alles (noch) zu reformieren gäbe – bei Kirchens und überhaupt.
      Das ist zwar weniger luschdisch als Hexenhut-auf und Klingelstreich-Süßigkeiten-Randale zu spielen, aber mir gefällt halt die Denken-statt-hirnlos-übernehmen-Variante.

      Das musste jetzt raus – Prädikat: Thema verfehlt;-)

  • aber sicher… bewaffnet mit Tonnen von Steinen 🙂 kleiner Scherz angelehnt an Charlie Brown

    ich habe den Eindruck, dass hier viele Kinder haben. Und klar gibt es Süßigkeiten an Halloween!

  • Exilberlinerin

    Hallo ihr Muddis har har har. Man sagt hier auch „je suis la maman de….“ Ist mir aber noch nie wirklich aufgestossen. Niederländisch-Sprachler benutzen allerdings gerne das Wort „Mutti“ wenn sie deutsch reden, und das stösst auf sehr sehr wenig Gegenliebe (z.B. bei der Schwiegermutter. Furchtbar).

  • So, nochmal mein Kommentar von gestern 😉

    Bin auch (aber natürlich nicht nur) Mutter (!) von X und Y, aber zuerst habe ich immer noch einen eigenen Namen, mit dem ich mich vorstellen kann. Erst dann – zum besseren Verständnis, je nach Umfeld – nenne ich die Namen meiner Kinder. Vielleicht liegt es auch am Alter: Ich bin 40+++, da habe ich schon ein eigenes Leben vor meinen Kindern gehabt. Meine Kinder sind dann nur dazu gekommen.

    Und wisst Ihr, was das Schlimmste ist? Diese „Mama Cards“. Eine Art Visitenkarte, auf der „Mama von …“ steht. Da möchte ich schreien. Aber ich habe gehört, das soll es neuerdings auch für Hundebesitzer geben 😉

    Ich bin dankbar, dass wir irgendwie so versteckt wohnen, dass weder zu Halloween noch St. Martin noch whatever ein Kind klingelt 😉

  • Für mich ein ganz heißes Thema: Die grauenhafte Arroganz und Ignoranz Erwachsener gegenüber „niederen“ Berufen wie Kellnern übernimmt gern die verzogene Nachkommenschaft. Habe einige Jahre in der Gastronomie in NL und D hinter mir, vor und während des Studiums. Und mir geht noch heute die Hutschnur hoch, wenn sich Mamis Liebling auf dem Fußboden von Restaurants wälzt und Kellnerinnen beleidigt. In Holland waren das fast immer deutsche Familien. Diese Hausmuttis, die natürlich nur Mama genannt werden möchten, gehen zwar selbst nicht arbeiten, aber fühlen sich der doofen Bedienung noch haushoch überlegen. Da könnte ich… Nein, ich halte mich zurück 😉 Warum bringen die ihrer Brut das Essen nicht daheim bei oder schicken sie frühzeitig zu fähigen Kindergärtnerinnen? Mamacards? Ich glaub es nicht. Aber an Fasching oder von mir aus Halloween können die Kinder ruhig klingeln, da gibts natürlich was Süßes. Find ich kindgemäß, daher völlig ok. Nur der mangelnde Respekt vor der Arbeit Anderer – ohne je den Finger gerührt zu haben – das ist wirklich übel.

  • Das ist noch zu toppen: Ganz schlimm finde wird es, wenn die Kinder dann richtig groß sind und als Erwachsene von ihrer MAMA berichten. Keine Ahnung, ob dies ein Phänomen im Ruhrpott ist(bin eigentlich Hamburgerin, aber seit Jahren im Pott ansässig) oder ob dies im psychiatrischen Umfeld häufigerso vorkommt. Jedenfalls berichten ständig irgendwelche Patientinnen, die zwischen 20 und 50 sind, dass ihre MAMA heute käme, oder dass ihre MAMA dies und das täte. Für meine Ohren klingt das sehr befremdlich….. und immer kindlich-unreif. Ich (47) nenne meine Mutter in der direkten Ansprache auch Mama, aber wenn ich ÜBER sie spreche, damm sage ich immer „meine Mutter“.

  • @Isabel: ja, das finde ich auch seltsam…

    @Nice: das kann ich auch nicht leiden, kleine arrogante Kotzbrocken

  • @Isabel: Genau das ist mir in letzter Zeit auch aufgefallen. „Ich fahre zu meiner Mama.“ passt aus dem Mund einer Sechsjährigen, aber aus dem Mund einer Dreißigjährigen wirkt es bizarr. Dasselbe gilt natürlich für „Mutti“.

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