Diese sinnlose Hektik, kennt ihr das auch, oder

geht euch das nie so? Wenn ich nicht aufpasse, bin ich manchmal so aufgedreht, dass mir das nicht mehr gut tut und auch sonst niemandem etwas bringt.

Wie so ein Hamster im Laufrad, vor lauter Aufgaben und Zeitstress sehe ich dann gar nichts mehr und hetze mich zweckfrei ab, denn schneller bin ich so natürlich nicht, ganz im Gegenteil. Eine gute Freundin sagte mal zu mir „Fahr langsam, ich habe es eilig!“ und das ist auch ganz richtig. Ich weiß das. Ich weiß auch, dass ein guter Tagesanfang mit Meditation auf der Dachterrasse, einem guten Kräutertee und mindestens einer Stunde für mich, bevor die Familie aufwacht, dem ganzen Tag einen anderen Rhythmus und eine andere Farbe gibt. Trotzdem schaffe ich es nicht immer.

Neulich waren wir abends länger aus (Geburtstagsfeier), haben ein paar Gläser getrunken, deswegen mochte ich nicht wie sonst um 05.15 Uhr aufstehen, war zu spät dran, musste mich beeilen und war entsprechend drauf, als ich auf mein eBike stieg, um zur Arbeit zu fahren. Es gab keinen Grund, denn ich war durchaus rechtzeitig unterwegs, um alles zu schaffen, was an dem Tag anstand. Aber ich musste gewinnen, also trat ich in die Pedale wie verrückt und wollte einen anderen Radfahrer überholen, wozu ich hätte auf den Gehweg wechseln müssen, und es kam dann, wie es kommen musste, das Vorderrad rutschte ab, und ich knallte hin – diese eBikes fahren 25 km/h, und ich hatte nicht gebremst. Nun, zum Glück hatten gerade mal wieder drei meiner Schutzengel Dienst, so dass das Fahrrad zwar aussieht, als wenn es einen Unfall gehabt hätte, ich aber letztlich total glimpflich davon gekommen bin, nämlich mit einer etwas häßlichen Schürfwunde am Knie, ein paar kleineren Macken und einigen blauen Flecken. Nicht mal der Nagellack war verkratzt. Als ich dann feststellte, dass mein Holzschuh durchgebrochen war, und mir das Bike genauer anschaute, wurde mir erst klar, wieviel Glück ich gehabt hatte. Besser der Schuh als mein Fuß, und besser der Lenker als meine Hände.

Was lehrt mich das? Durchatmen, einen Gang zurück, vor allem, wenn es hektisch wird. Denn nach dem Sturz musste ich ja dann auch erst mal die Kette wieder ranpfriemeln, nach Hause fahren, und zwar gaaanz langsam, weil der Lenker so verbogen war, mich waschen, verpflastern, umziehen… Und hab trotzdem alles noch geschafft. Ich hätte es nur lieber ohne diesen Schreck/Schock und die Schmerzen gemacht, aber ich verspreche, ich lerne daraus. Lasst uns alle etwas cooler bleiben und nicht mehr dauernd versuchen, uns selbst rechts zu überholen.

14 Kommentare

  • Ein sehr schöner Beitrag. Wäre ich nicht so ein Morgenmuffel, sprich, käme ich nicht morgens so furchtbar schwer aus dem Bett, vor allem jetzt, wo es noch dunkel ist, und kälter wird, ich würde versuchen, den Tag so zu starten, wie Du es beschreibst ( ich meine jetzt nicht die etwas missglückte ebiketour). Aber, dieser Artikel motiviert mich, es wieder zu versuchen. denn der Tag ist dann ein anderer, schönerer, angenehmerer und oft auch effektiver für meine Umwelt und für mich.

  • Wie wahr. Für mich ist das auch eine andauernde Lernaufgabe. Gute Besserung!

  • Puh, keine schöne Art darauf hingewiesen zu werden, dass man sich sinnlos abhetzt, aber effektiv.
    Gute Besserung den blauen Flecken!

    Ich komme mir manchmal schon vor wie ein Hamster im Laufrad, nur keinen Leerlauf. Gehe ich von Wohnzimmer in die Küche, muss ich was mitnehmen, was sowieso in die Küche gehört. Fahre ich Trambahn, muss ich paar Mails schreiben.
    Komme ich vom Arztermin, unbedingt noch Gemüse fürs Abendessen einkaufen, laufe ja fast am Laden vorbei. So die harmlosen Beispiele.
    Bewundere manchmal meinen Dreijährigen, der mit konzentrierter Ruhe 20 min mit einem einzigen Auto irgendwas macht (leider muss man ihm dabei Gesellschaft leisten, alleine

  • Ach ja, die Jahre mit kleinen Kindern, daher kenne ich das auch, immer alles gleichzeitig und dann noch ständig aufs Kind achten, denn die brauchen ja noch viel Aufmerksamkeit und Zuwendung. Da bin ich manchmal in den Keller gegangen, um nachzuschauen, ob ich die Wäsche wirklich aufgehängt oder nur daran gedacht habe. Weil ich dabei noch telefoniert habe oder mit den Kindern geredet oder was auch immmer. Da ist es noch schwieriger, bei sich zu bleiben, zeitweise sogar unmöglich, fand ich. Uns allen mehr Gelassenheit, und der Regenbogen auf meinen Beinen erinnert mich dauernd daran.

  • Ich nehme mir das auch immer wieder vor und leider verfalle ich dann doch immer wieder in den Trott und erwische mich dabei mich selbst zu stressen und unter Druck zu setzen.

    Es gibt da einen wunderschönen Text von Eugen Rucker, den ich mir dann gedanklich immer wieder abrufe 😉

    Ein Forschungsreisender unternahm einmal einen Gewaltmarsch durch den Urwald am oberen Amazonas. Zunächst kam die Expedition unerwartet schnell vorwärts. Am dritten Morgen aber blieben alle Einheimischen mit ernsten Mienen auf den Fersen sitzen und machten keine Anstalten aufzubrechen. Erstaunt fragte der Forscher, ob die Träger mehr Geld verlangten oder mit dem Essen nicht zufrieden seien. „O nein, mein Herr“, antwortete der Sprecher, „Wir können nicht weitergehen, weil unsere Seelen zurückgeblieben sind, und nun müssen wir warten, bis sie unsere Körper wieder eingeholt haben.“ (Eugen Rucker)

    In diesem Sinne einen stressfreien Tag 😉

  • Liebe Janne, da hast du ja noch mal Glück im Unglück gehabt. Ich wünsche dir, dass der Regenbogen schnell verblasst.
    Ich musste mir zwei Mal den rechten Arm brechen und so richtig habe ich die Lektion immer noch nicht gelernt. Hinterher ärgert man sich dann über sich selbst und fasst gute Vorsätze. Mein Mann ruft mir oft hinterher „Mach langsam“. Und wenn ich dann noch nicht außer Hörweite bin, halte ich mich auch daran, weil ich weiß, dass es vernünftig ist. Aber ich fürchte, man hat einfach ein bestimmtes inneres Tempo, angeboren oder anerzogen. Meine 90-jährige Mutter saust immer noch durch die Gegend und meine Schneiderin verlangt mir mit ihren provozierend langsamen Bewegungen und Sätzen immer viel Geduld ab. Ich betrachte die Aufenthalte in ihrer Schneiderei mittlerweile als Meditationsübung. Wir können halt alle nicht aus unserer Haut heraus.

  • @Janne: Gute Besserung!

  • Oh ja – wahre Worte. Danke fürs Erinnern und Dir alles Gute!

  • ..ja, immer schön durch den Tag spurten, das läßt sich das Leben eben nicht auf Dauer so gefallen, kenne ich genauso, Liebe Janne.
    Mich hat gerade eine ziemlich olle Erkältung erwischt, die auch genau dann auftaucht, wenn es einfach zu viel, zu schnell, zu viel Multi-tasking ist…und was soll ich sagen? So eine Zwangspause nicht gleich mit Medikamenten wegzudrücken, macht Sinn und entschläunigt sofort..
    Dir alles Gute & viele gelungene Morgenmeditationen!

  • Janne, wie gut, dass du so beschützt worden bist! Gute Besserung!

  • Danke, Ihr Lieben. Die Wunde ist nur noch halb so groß und die blauen Flecken werden immer interessanter. Aber ich kann wieder Hosen tragen, Yoga machen und war heute auch das erste Mal wieder laufen.

  • Wie schön, dass es Dir wieder besser geht!
    Liebe Grüße!

  • Zuerst mal Glückwunsch, dass alles so verhältnismäßig glimpflich abgegangen ist.
    Das Gefühl, besonders viele Aktivitäten in sowenig Zeit wie möglich zu pressen oder noch besser, die Zeit „effektiv“ zu nutzen, indem ich versuche 7 Dinge gleichzeitig zu tun (schließlich sind wir doch alle ein wenig Napoleon), kenne ich nur zu gut. Immer grinst das Leben dann und zeigt mir jedes Mal, dass es sich nicht mit Hektik überrumpeln lässt, zum Glück in der Regel ohne solch drastische Mittel, wie du sie gerade erfahren hast. Ich versuche ja auch, daraus zu lernen…. Es klappt immer öfter, aber leider nicht immer. Dann ist es gut, zu lesen, dass es anderen ebenso geht und daraus wieder einen Denk-, besser gesagt Erinnerungsanstoß zu bekommen. Danke fürs Erinnern !

  • Ja, das kenne ich auch gut. Gerade in der Vorweihnachtszeit….irgendwie komme ich gerade da immer ins “ Rödeln „, war deshalb vor zwei Jahren fast vorm Burn-Out.
    Ich hatte das bisher gut im Griff, aber gerade jetzt merke ich genau, das es mir zuviel wird.
    Naja, noch zwei Tage, dann habe ich erstmal zwei Wochen Urlaub :-)))))

    Eine schöne Zeit, Maya

Deine Meinung?