Mein Aufreger des Monats, oder

warum sind es IMMER Frauen, die mich wirklich in Harnisch bringen? Nach Kristina Schröders unterirdischen Ouevre „Danke, emanzipiert sind wir selber!, das ich hier verrissen habe, nun „Dann mach doch die Bluse zu. Ein Aufschrei gegen den Gleichheitswahn“ von Birgit Kelle.

Die Autorin bemüht sich auf 176 für mich schwer erträglichen Seiten, ein überholtes Lebensmodell zu dem einzig Wahren zu stilisieren, nämlich das Leben als Hausfrau und Mutter. Sie ist katholisch, hat vier Kinder und ihre allererste Stelle als Journalistin mit Anfang Zwanzig sofort aufgegeben, um sich bis jetzt vierzehn Jahre der Aufzucht ihrer Kinder und der Pflege ihres Haushaltes zu widmen. Hätte sie es nur gelassen, oder si tacuisses, wie mein Lateinlehrer peinvoll zu sagen pflegte, wenn ein Schüler so richtig daneben gehauen hatte. Nein, statt weiter die Welt zu gestalten (ihre Worte), indem sie ihre Kinder umsorgt, Kuchen backt und was da sonst noch alles so zu tun ist, zieht sie durch die Talkshows, schreibt Kolumnen und nunmehr sogar dieses quälende Buch, um was zu sagen? Na, dass sie als „Vordenkerin einer neuen selbstbewussten Frauengeneration“ (O-Ton Keller) ihr strunzkonservatives Leben nun doch lieber etwas aufhübschen möchte als großartiges Lebensmodell. In einem Rundumschlag erledigt sie diese überalterten oder toten Feministinnen von Alice Schwarzer über Simone de Beauvoir und Elisabeth Badinter (die ja, wie die Autorin nicht müde wird zu erwähnen, auch gar keine Kinder haben) bis hin zu der von mir ob ihrer Klugheit und ihres Überblicks sehr bewunderten Jutta Allmendinger (die übrigens Mutter ist, Frau Keller, jawohl ja!) mit dem (Totschlag-)Argument, dass diese die Frauen ja in das Korsett der Gleichstellung der Geschlechter stecken würden. So eine Art Zwangsbeglückung. Dabei wollten das durchaus nicht alle Frauen, vor allem nicht so gebildete und intelligente wie Frau Keller.

Nun bin ich diese Argumente ja seit vielen Jahren von Männern gewöhnt (Frauen wollen nicht in Aufsichtsräte, nein, das ist auch gar nichts für sie!). Aber ich bin doch immer wieder erschüttert, wenn mir das Familienbild eines Horst Seehofers von  einer Frau ummantelt mit schmissigem Ton und garniert mit einer tatsächlich vorhandenen Telegenität um die Ohren gehauen wird. Abgesehen davon, dass auch nicht alle Frauen Mutter werden wollen oder können, ignoriert die Autorin souverän die Entwicklung unserer Gesellschaft, die es sich gar nicht mehr leisten kann, auf die Berufstätigkeit gut ausgebildeter Frauen zu verzichten, hat nicht das mindeste Bedürfnis, für ihre (kostenlose) Ausbildung auch etwas zurück zu geben und als Rechtfertigung werden ausschließlich die vielen Briefe von so vielen Menschen, denen sie „aus der Seele spreche“ (O-Ton Keller) angeführt. Na, wenn es da die behauptete Schweigespirale über das wunderbare Leben der Hausfrauen und Mütter tatsächlich existiert haben sollte, dann hätte sie es mal lieber dabei belassen.

Ich hoffe, es fallen nicht so viele darauf rein, und der Autorin wünsche ich, dass ihr Mann sich dann auch später an dieses Lebensmodell gebunden fühlt, so dass sie auch nach dem Großwerden der Kinder noch von seinem Einkommen partizipieren kann – das empfindet sie nämlich (lebenslang, nicht etwa während der ersten Lebensjahre des Kindes) als ihr gutes Recht!

37 Kommentare

  • Die ist mir die Tage auch irgendwo begegnet, hm, ach ja, in Zusammenhang mit der neuen Brigitte MOM. Da ist eine Susanne derselben Ansicht.

    Tja, seien wir ehrlich: ist doch auch ein bequemes Leben. Ich gebe die Verantwortung für den wirtschaftlichen Teil komplett ab (Geld, was ist schon Geld), sage „danke“ an die Gesellschaft für die Finanzierung meiner Ausbildung (hoffentlich haben wenigstens die Kinder etwas davon) und nehme den einfachsten aller Wege.

    Was ich mich immer frage: warum haben die eigentlich eine Ausbildung gemacht? Spaß an der Arbeit kann es ja nicht gewesen sein. Da hätte man auch gleich mit 16 zu Hause bleiben können, heiraten, Kinder kriegen.

    Manchmal frage ich mich, ob Janne und ich die einzigen Mütter sind, die GERNE arbeiten gehen und morgens mit einem Lächeln im Gesicht im Büro erscheinen. Weil man gerne hingeht. Weil man gerne das tut, wofür man Geld bekommt. Weil man gerne jeden Tag etwas dazulernt.

  • Und, um es mal ganz offen zu sagen: Weil meine Kinder und ich es nicht schön zusammen gehabt hätten, wenn ich zu Hause geblieben wäre. Denn all meine Energie nur hier… Danke. Wobei ich nicht verschweige, dass es auch harte Zeiten waren, als die Kinder klein waren. Da war ich oft so müde, dass ich mich nachmittags nicht hinsetzen durfte, weil ich dann sofort eingeschlafen bin. Und ich hatte nicht viel Kontakt mit Kollegen, von Mittagessengehen mal ganz zu schweigen. Aber ich wusste immer, dass ich das will. Jeden Tag.

  • Manchmal kommt es mir so vor, als ob wir nicht viel weiter seien als in den 80ern, vor allem, wenn ich so etwas höre oder davon, dass Frauen, die oft deutlich jünger sind als ich, das von euch beschriebene Lebensmodell und die Haltung zu finanzieller Selbstständigkeit leben und propagieren und Männer das mitmachen. Meine Eltern waren da um Meilen weiter.
    Und diese 40 Jahre alten Sprüche über angebliche „Gleichmacherei der Geschlechter“. Gähn.

  • hm, ich habe gerade mal ein wenig nachgelesen. Frau Kelle hat so dermaßen viele Posten und ehrenamtliche Vorsitze, dass man sich fragt, wann sie sich um die Kinder kümmert 😀

    Offensichtlich hat sie auch was gegen Schwule, Schwulenehe etc. das wundert mich nicht

  • zumindest kann man ihr so nicht nachsagen, dass sie sich zu ihrem gewählten Berufsbild nur herablässt und nicht einen Teil ihres Lebens darin verbringt 😉 aber solange Frau (Suppen)Kelle noch eine stabile Beziehung und einen liquiden Mann hat, der fortlaufend zu ihr aufschauen kann… (ob er das macht, ist eine andere Frage).

  • Also mir fehlen zu ihr einfach die Worte.

  • Nein, ihr seid nicht allein! Ich liebe meine Arbeit – und meine Arbeit liebt mich offensichtlich auch! ;-)))

    Und das sagt jemand, der katholisch ist und drei Kinder hat. Höhö.

  • Oje, ich bin naiv. Ich dachte doch tatsächlich, diese Art Meinung wäre bald ausgestorben. Aber was will man von einer Frau mit der Biographie von Frau K. auch erwarten ? Ich weiß gerade auch nicht, was ich schlimmer finde – ihr Frauenbild aus dem vorletzten Jahrhundert oder dass sie selbiges nicht wenigstens still für sich behält. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses Buch neben all dem anderen Papiermüll, der so verlegt wird, sein verdientes Ende auf dem Grabbeltisch und dann im Reißwolf findet, bevor er in den Köpfen landet.
    Mich würde interessieren, was sie macht, wenn ihre Kinder größer und aus dem Haus sind. Und was macht dann der Mann ?

  • Der Mann muss arbeiten, schließlich müssen sie ja von etwas leben. Außerdem habe ich den deutlichen Eindruck, dass sie nicht zu Hause sitzt und sich um die Kinder kümmert, sondern eher durch das TV tingelt und nebenher noch diverse Jobs macht. ICh frage mich da immer, warum solche Leute nicht mal ob ihres persönlichen Lebensstils befragt werden.

    Noch toller finde ich die Aussagen in einem Interview in der Welt.

    http://www.welt.de/vermischtes/article119672277/Hausfrauen-duerfen-oeffentlich-beleidigt-werden.html

  • Hab’s gerade gelesen. Sie ist provokativ und dumm zugleich in diesem Interview. Allein die Aussage, dass die Kinderbetreuung berufstätiger Frauen den Staat ja soviel kostet – geht’s noch? Die gleichzeitig arbeitende Mutter nützt dem Staat wohl nichts und trägt nicht zum Bruttosozialprodukt bei?
    „Hausfrau, Mutter, Glücksklee…“
    Mir ist schlecht. Ich geh mal ….

  • Wo sie allerdings recht hat: Hausfrauen werden heute diskriminiert. Das finde ich auch ungut. Warum darf in unserer Gesellschaft nicht einfach jede Frau nach ihrem Gusto glücklich werden – ob mit oder ohne Kinder, als Hausfrau, berufstätige Mutter oder Karrierefrau etc.?! Warum muss immer gewertet werden? Warum wird alles gleich zum Dogma?

  • nun ja, das Problem ist einfach, dass die Hausfrau i.A. nicht wirtschaftlich abgesichert ist. Das kann jede machen, wie sie will. Wenn man aber zuerst auf Kosten der Allgemeinheit studiert und womöglich später wiederum auf Kosten der Gemeinschaft lebt (=Hartz 4), dann ist das nicht ok – vor allem, wenn es acuh anders gegangen wäre

  • Das ist natürlich auch ein Argument, da hast du Recht!

    Dennoch finde ich es bedenklich, dass man es als Frau in der Regel nur falsch machen kann: als arbeitende Mutter ist man eine Rabenmutter, als nicht arbeitende Mutter ist man das Heimchen am Herd. Als kinderlose erfolgreiche Frau ist man karrieregeil …. etc.

    Bei Männern sehe ich diese Klischees nicht. NIE!

  • Exilberlinerin

    Aua ! Schon der Titel des Buches ist eine Frechheit

  • Ich arbeite natürlich, auch mit Kindern, klar. Wozu habe ich denn studiert? Was soll den Kindern denn da bitte fehlen? Mein Mann und ich leben nach dem Prinzip, Einkommen und alle Arbeiten so zu teilen, dass wir uns auch viel Freiheit geben und nehmen können. In Phasen kann so mal der eine oder der andere etwas komplett Neues machen, auch wenn es weniger Geld einbringt, z.B. noch mal ein Studium, berufliche Veränderung etc. Was ich absolut nicht verstehe sind zwei Dinge: Zum Ersten Männer, die gern die komplette (finanzielle) Verantwortung der Familie über Jahre freiwillig alleine tragen – was für eine Bürde! Zum Zweiten Frauen, die sich solche Leitbilder suchen. Alice Schwarzer und andere Feministinnen sind mutige Kämpferinnen für Gleichberechtigung – nicht für die Benachteiligung der Männer wohlgemerkt. Setzten sich Männer mit dem Thema Feminismus auseinander, wären sie vielleicht erstaunt, wie viel Freiheit sie gewinnen würden. Simone de Beauvoir hat so viel für die Gleichberechtigung getan, dass ich ihr immer wieder dankbar bin für all die mutigen, klugen Bücher. Bessere Beziehungsratgeber gibt es kaum. Und sie hat Sartre unendlich viel Liebe und Freundschaft und Kraft zur Entfaltung gegeben und von ihm erhalten. Das ist echte, tiefe Freundschaft und eine Art von Beziehungsniveau, das Frau Keller und Frau Schröder wohl leider nicht verstehen können.

  • @susi: Du hast die kinderlose erfolglose Frau vergessen, oder gibt es die nicht (zumindest nicht als Klischee)?
    Aber im Ernst, es ist wirklich schlimm, dass dieses Schubladendenken anscheinend nur bei Frauen angewendet wird, besonders schlimm, wenn es von anderen Frauen kommt.

  • @April: Meinst du mit „Schubladendenken“ jetzt mich? Ich hoffe nicht. Es ist mehr die Erfahrung, die ich selbst als arbeitende Mutter von drei Kindern mache.

    Immer noch. Leider.

  • @susi: Natürlich meinte ich nicht dich, sondern wollte nur die von dir aufgezählten Kategorien zitieren. Hatte ich so missverständlich formuliert ? Arbeitende Mütter haben meinen großen Respekt, vor allem glaube ich, dass es den Kindern auch gut tut, wenn Mama etwas weiteren Horizont als die eigenen 4 Wände hat.

  • gabriele76

    Ich persönlich glaube nicht, dass diese Art zu denken irgendwann „abgelebt“ ist.
    Es wird immer Frauen geben (und nicht nur von der Gesellschaft dahin gedrängt), die sich zuhause sehr gut fühlen. Den Haushalt in Ordnung halten, gern Gastgeber sind, Kinder betüddeln, Klaus das Hemd fürs Büro faltenfrei bügeln und zur Not auch Klausi die drei Paar Hausschuhe auf Auswahl mitnehmen.

    Für das finanzielle Leben und all ihre Wünsche ist dann aber Klausi da. Ein Eigenheim mit weißem Gartenzaun, der jährliche Urlaub und das Zweitauto sind da nur die Grundlagen.

    Eine Kollegin hat während einer 10 monatigen Fortbildung jedes Wochenende für ihren Mann vorgekocht! Nein, sie ist keine 50 Jahre alt – sondern 26.
    Und hat unglaublich viel Freude daran ihren Mann so zu verwöhnen, wie er es von seiner Mutter gewohnt war *kreisch*

    Also ich kann nur von mir selbst sprechen: ich habe mir NIE jemanden zum „Wünsche erfüllen“ gesucht – dafür muss ich schon selbst sorgen! Essen zubereiten kann mein Mann selbst, der hat nämlich auch zwei Hände :o) und wenn er doch verhungern sollt, dann kann es nicht der Richtige gewesen sein *LOL*

  • Meine Mutter arbeitete früher auch immer – im Gegensatz zu vielen ihrer Bekannten, die meistens Frau vom Arzt waren. Aus meiner Sicht – und ich war jung damals, hatten die meisten eine leichte Profilneurose, weil die Kinder mittlerweile älter waren und das zu Hause bleiben eigentlich nicht mehr nötig war. Ich mochte es immer, dass meine Mutter halbtags arbeitete. Sicherlich ist es manchmal nicht leicht, etwas auf halbtags-Basis zu finden, aber ich kenne genügend Frauen, die seeeehhr gemütlich zu Hause sind, obwohl sie über eine entsprechende Ausbildung verfügen. Richtig schlimm finde ich es dann, wenn sie dann noch von Stress reden -zwischen Golf und Tennis – und den Mann dann noch alles mögliche übernehmen lassen, weil sie ja so gestresst sind. Ich arbeite wahnsinnig gerne. Ich kenne aber auch Frauen, von denen ich wusste, dass ein Kind schon deshalb zum Lebensmodell gehört, weil es für sie der geschellschaftlich legitimierte Weg ist, nicht mehr arbeiten zu müssen. Selbstredend wurde trotz nur einem Kind nie wieder ein Fuß in ein Büro gesetzt…

  • In einem Blog für „fabelhafte Frauen über 40“ hätte ich aber schon ein wenig mehr Toleranz erwartet. 🙂

    Es gibt so viele verschiedene Lebensentwürfe, und wer möchte sich anmaßen, da zu ver- oder beurteilen, welcher der Entwürfe nun besser ist? Ein Paar entscheidet sich dafür, dass er das Geld heimbringt und sie die Kinder betreut? Na und? Lasst sie doch, wenn das für beide in Ordnung ist. Solange niemand der Allgemeinheit auf der Tasche liegt, soll doch jeder nach seiner Façon leben und glücklich werden. Nichts für ungut, aber wirklich emanzipiert sind für mich nur die Frauen, die genau das machen, was ihnen gefällt. Im Haus oder im Büro.

    Schon erstaunlich, wie hier in die Klischeekiste gegriffen wird.

    Beste (kopfschüttelnde) Grüße
    Frau K.

  • Du sagst es: solange sie nicht der Allgemeinheit auf der Tasche liegen. Wie viele Hausfrauen kennst du, die eine eigene Rentenversicherung haben? Mit Blick auf die gültige Rechtslage und einer Scheidungsquote von einem Drittel ist das nicht so weit hergeholt.

    Aber das ist nicht der wesentliche Punkt. Die Toleranz ist bei der „Gegenseite“ nicht sehr ausgeprägt, Stichwort „Rabenmutter“.

    Ich habe es schon mehrfach gesagt: mir ist völlig egal, wer was macht. Solange ich nicht dafür bezahlen muss. Oder mir oberschlaue Belehrungen anhören muss, was ich alles falsch mache, welche Schäden ich bei meinen Kindern riskiere und warum mir mein Ehemann mangels Dauerumsorgung abhanden kommen wird.

    Ich mache, was MIR Spaß macht – und das sind Job und Kinder. Ob das andere auch spaßig finden, ist mir eher egal.

  • @Frau K.: eine -> wirklich <- emanzipierte Frau fasziniert eher dadurch, dass sie eigenverantwortlich, unabhängig (nicht zwangsläufig im Sinne von selbständig) und visionär ihr Leben bestreitet. Sie ist klug, am Leben interessiert, souverän und in meinen Augen vor allem berufstätig. Wenn sich eine Frau für ein Lebensmodell à la Cricket on the hearth entscheidet und darauf wartet, dass der Mann Dagobert-Duck-mäßig die Budgetbeutelchen nach Hause bringt, ist das in keinster Weise emanzipiert…

  • Gabriele76

    *lol*
    Ich hab noch was – aus der Mitte meines Alltags!

    Sitze mit einer Bekannten (zweifache Mutter, verheiratet) im Café und sie erzählt mir vom Elternabend
    „…war mir irgendwie peinlich, als ich erzählen musste, dass ich noch halbtags arbeite…“
    Was? Wie?
    „Na bei den anderen Frauen verdient der Mann soviel, dass sie bei den Kindern bleiben kann“

    Ich muss noch dazu sagen, dass ihre Jüngste zehn Jahre alt ist!!
    Ich fand das Gespräch erschreckend.

  • ich würde mich eher schämen, nur halbtags zu arbeiten… 😉

  • Interessant, dann wird also hier auch dieses Frauenzeitschriften-Ideal propagiert. 🙂 Das geht leider ein wenig an der Realität in meinem Umfeld vorbei. Da gibt es Teilzeit-u. Minijobs und Mami hetzt zwischen der Supermarktkasse und dem Kindergarten hin und her und ist hinterher trotzdem nicht finanziell abgesichert. Aber eine Frau, die einen dieser typischen, schlecht bezahlten Frauenjobs hat, ist in euren Augen auch nicht emanzipiert, und kommt gleich nach den Vollzeitmuettern, oder? 😉

  • irgendwie überzeugt das noch nicht ganz 😀 wenn man in einer unbefriedigenden Lebenskonstellation steckt, kann man das doch ändern oder was unterscheidet Unternehmer von Unterlassern?

  • Ich finde nicht, dass wir das hier holzschnittartig beleuchten – wie schon gesagt, ich bin selbst Mutter, liebe meine Kinder und verbringe viel Zeit mit ihnen. Ich bin über Frau Kelle so erschüttert, weil sie scheints der Meinung ist, dass ihr Leben modern, alleinseligmachend und einfach großartig ist. Und das reibt sie uns unter die Nase und stilisiert sich dabei noch zum Opfer von Verleumdung. Als wenn studierte Hausfrauen nicht tatsächlich ihre Ausbildung verschwenden würden, als wenn geschiedene Frauen ohne eigene Absicherung nicht später Aufstockung zum Lebensunterhalt bräuchten, als wenn Untersuchungen nicht zeigen würden, wie schwer sich Frauen nach mehr als einem Jahr Pause mit dem Wiedereinstieg tun undundund. Sie lebt doch im Wolkenkuckucksheim, ignoriert souverän die Scheidungsstatistik, und das wundert mich, denn mit ihr ist nicht gut Kirschen essen, wenn man nicht ihrer Meinung ist… Und die Änderung des Unterhaltsrechts empfindet sie als Enteignung, weil sie nämlich meint, lebenslang von ihrem Mann unterhalten werden zu müssen, nur weil sie die jeweils ersten drei Jahre ihrer Kinder sich um diese gekümmert hat. Ich hoffe doch sehr, dass die Kinder in den Kindergarten dürfen, da könnte doch auch sie wieder arbeiten!

  • @Frau K.: ich habe heute zwischendurch über ein ganz anderes Thema nachgedacht, aber es gibt eine Gemeinsamkeit mit deinem Post. Es erinnert an Frauenzeitschriften-Ideal. Das Problem ist nur: ich lebe so.

    Warum sollte jemand nicht emanzipiert sein, nur weil er eine bestimmte Art von Job ausübt? Wichtig ist doch, dass man ihn gerne macht. Und sich davon ernähren kann. Die Frage ist ja vielmehr: warum machen so viele Frauen solche schlecht bezahlten Jobs? Warum trauen sie sich nichts zu? Warum wollen sie nicht mehr?

    Ich hatte kürzlich ein erschreckendes Erlebnis. Es gab einen Workshop mit ca. 25 Teilnehmern (alle mind. Abteilungsleiter), die Frauen haben sich so dermaßen schlecht verkauft, es war in meinen Augen eine Katastrophe. Das ist das Problem, Frauen verkaufen sich andauernd unter Wert.

    Ansonsten kann ich Jannes Post nur unterschreiben, aus der Fähigkeit, Kinder zu gebären leitet sich kein lebenslanger Unterhaltsanspruch ab – ich wundere mich immer, dass Männer so blöde sind, das mitzumachen, ich würde meinem Mann was erzählen, wenn er auf meine Kosten leben wollte.

  • worum ging es denn in dem Workshop und warum haben sie sich schlecht verkauft? Es gab bei uns mal eine Praktikantin (26 Jahre jung, eigentlich sollte man da Kampfgeist und Engagement erwarten), die hat tatsächlich nur einen einzigen Tag durchgehalten und ist dann aufgrund von Heimweh und angeblicher Überlastung gleich wieder abgereist (noch in der Nacht) 😀 Ihre Bewerbung las sich in der Theorie gut aber sie hat sich in der Praxis ebenfalls so dermaßen schlecht verkauft…

  • Design für ein ziemlich großes Projekt. Naja, viel zu zurückhaltend, sofort zurückrudern, wenn Gegenwind kommt, Chancen zur Profilierung nicht nutzen (Ergebnisse vortragen) und so weiter, dabei sind die fachlich echt gut. Merkt nur kaum keiner.

  • Schon gut, dieses Thema ist einfach zu komplex, um es mal eben auf so eine Diskussion runterzubrechen. Und natürlich leitet sich aus der Fähigkeit, Kinder zu gebären, kein lebenslanger Unterhaltsanspruch ab 😉

    Nichts desto trotz fehlt mir auch hier, wie in vielen anderen ähnlich gelagerten Diskussionen zum Thema, die Berücksichtigung der Frauen, die nicht studiert haben. Drama, ja. Aber die gibt es. Die kleine/re Kinder haben. Und die bei den Arbeitgebern nicht die erste Wahl sind. Die, aus welchen Gründen auch immer, einen „Frauenjob“ auf Mini- oder Teilzeitbasis oder als Freiberufler ausüben, der es finanziell schwer bis unmöglich macht, sich alleine über Wasser zu halten, von der Altersabsicherung ganz zu schweigen. Sicher, heute können wir Bundeskanzlerin werden und zum Mond fliegen und die Frau, die nicht studiert und zum Karrieresprung ansetzt, ist halt selbst schuld, weil sie es vergeigt hat. Aber ist das echt alles so einfach? Ich denke nein. Und wenn diese Frauen, die es nun mal gibt, unterschwellig oder direkt als „karriereunwilliges oder karriereunfähiges Dummchen“ (überspitzt formuliert) bezeichnet werden, dann finde ich das traurig. Das sie in der Politik keine Lobby haben, ist klar. Aber offenbar sind sie überall die Verlierer – nicht nur finanziell. Mag ja sein, dass wir mehr Freiheiten und Möglichkeiten haben als jemals zuvor. Aber zugleich gibt es immer weniger Verständnis für die, die nicht das eingeschlagen haben, was als der „perfekte Karriereweg“ bezeichnet wird. Und ganz ehrlich, diese Intoleranz und die Schuldzuweisungen, die nicht berücksichtigen, dass es neben persönlichem Unvermögen auch andere Lebenswege gibt, die mit der eigenen (karriereorientierten) Lebenswirklichkeit nichts zu tun haben, machen mir Angst. Aber es passt leider in diese Zeit. 😉

    Beste Grüße

    Frau K.

    (Die mal besser nicht fragt, ob ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht habt, wer eure Kinder betreut, damit ihr Vollzeit arbeiten könnt, euch die Brötchen verkauft, die Waren abkassiert oder die Haare schneidet, wenn alle ein paar Karrierestufen nach oben fallen wollen. 😉 )

  • Liebe Frau K., wie kommt jetzt gleich der Rückschluß zustande von der wunderbaren Welt der gut ausgebildeten Trotzdem – Vollzeithausfrau auf die vollzeit arbeitende Nichtstudierte ? Letztere ist doch gerade das Gegenteil Ersterer. Dass Frauen (immer noch) unterbezahlte, unterwertgeschätzte Tätigkeiten machen müssen, ist ein ganz anderer Fehler im System, der mit dem eigentlichen Postthema aber nichts zu tun hat. Vielleicht aber einen separaten Beitrag verdient.
    Ich sehe jedenfalls keinen Unterschied bei der Antwort auf die Frage, ob die grundsätzliche Teilnahme am Berufsleben sowohl für eine studierte als auch nichtstudierte Frau vorteilhafte Auswirkungen hat – finanziell und menschlich. Ich konnte auch weder dem Post noch den Kommentaren entnehmen, dass Frauen ohne ein Studium als dümmer oder weniger „wert“ eingeschätzt wurden. Es ist nun mal so, dass Mensch und Studium nicht immer zusammen passen und das ist auch gut so, denn es trägt zur sozialen Vielfalt bei.

    Ach so, die „karrieregeilen“ Frauen fallen übrigens nicht die Stufen hoch, sondern erklimmen diese in der Regel mühsam durch den Einsatz von viel Arbeit und Zeit. Widerstände gibt es dabei nämlich genug. Und außerdem kann rein physikalisch betrachtet nichts nach oben fallen, sondern nur nach unten 😉 das sagt eine, die nicht mal Physik studiert hat.

  • @Frau K: Komisch, Männer werden so etwas wie deine Frage in Klammern nicht gefragt, wenn sie mit Kind Vollzeit arbeiten wollen…

  • @Andrea: Stimmt. Genau das habe ich mir im Rahmen der Vorstellungsgespräche auch immer gedacht, wenn diese Frage kam. Und sie kam. Immer. Mittlerweile muss ich leider zugeben, dass sie nicht ganz unbebrechtigt ist. Vor einiger Zeit fing ich damit an, kleinere Textaufträge an Kolleginnen zu übertragen. Und wähnte mich mit einer Bearbeitungsfrist von 4 Wochen auf der sicheren Seite. Einige der Texte kamen pünktlich bei mir an. Viele andere nicht. Entschuldigung Nummer 1: Mein Kind war krank. Entschuldigung Nummer 2: Ich musste zu einer Aufführung im Kindergarten/in der Schule. Daraus habe ich Konsequenzen gezogen. 😉

  • Liebe April,

    der Rückschluss leitet sich aus dem Vorwurf „der Allgemeinheit auf der Tasche zu liegen“ ab. Das trifft ja eben nicht nur auf Hausfrauen zu. Und richtig, es geht ein wenig am urprünglichen Post vorbei und bezieht sich mehr auf die Tonart, die hier in den Kommentaren mitschwingt. Aber wenn der Aspekt der ungenügenden Altersabsicherung, der eben auch die in den „Frauenjobs“ beschäftigten Frauen trifft, weniger schwerwiegend ist, dann wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen und ich lande zwangsläufig wieder bei der eingangs erwähnten Intoleranz.

    Für deinen Hinweis danke ich dir. Als ich meinen Kommentar absendete, war ich mir der unglücklichen Wortwahl wohl bewusst, aber im Vertrauen darauf, dass sich schon jemand finden wird, der meinen Fauxpas freudig verbessern wird, habe ich auf einen ergänzenden Kommentar verzichtet. Ich habe eh schon zu viel geschrieben, weswegen ich mich hiermit verabschiede und den kleinen physikalischen Exkurs dankend mitnehme. 😛

    Beste Grüße

    Frau K.

    Die nach dieser Diskussion wieder weiß, warum sie mit Männern einfach besser klarkommt. 😉

  • @Frau K: Meine männlichen Kollegen sind in vergleichbarer Hinsicht nicht zuverlässiger als meine weiblichen; die Entschuldigungen klingen nur anders (pseudoprofessionell; nie etwas Familiäres) bzw. Mann hat nicht den Eindruck, Mann müsse sich erklären bzw. die Verantwortung für die Verzögerung wird auf andere geschoben. Da kann frau auch von lernen…

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