Historienschmöker sind auch ab und zu schön, oder

eine Leseempfehlung für euch: Der Winterpalast von Eva Stachniak. Ich bekam es von einer Freundin, die es ihrerseits nicht lesen wollte, weil sie keine Historienschinken mag, aber es ging um Katharina die Große, und das interessierte mich sehr.

Grundsätzlich kann man mich mit den drei Bänden der Wanderhure oder sonstigen Schmonzetten auch jagen, aber ich bin schon, seit ich lesen kann, ein großer Fan von historischen Romanen, weil sie die Vermittlung von Wissen mit Unterhaltung verbinden. Mich interessieren nämlich neben den harten Fakten wie Jahreszahlen, Kriegen und Erbfolge vor allem die Einzelheiten des täglichen Lebens, erst dann kann ich mir ein Bild von dem Leben in der jeweiligen Epoche machen. Buchstäblich will ich wissen, wie haben die Menschen gewohnt, geheizt, gewaschen, was haben sie gegessen, geträumt, wie lange haben sie gelebt und was war ihnen wichtig. Dieses Interesse befriedigt das vorliegende Buch in jeder Hinsicht.

Es ist aus Sicht einer fiktiven Ich-Erzählerin geschrieben, einer jungen Frau einfacher Herkunft, die im Zarenpalast gefördert von dem intriganten Kanzler, rasch in den engeren Kreis der Dienstboten der Zarin Elisabeth aufsteigt, mit der geheimen Aufgabe, ihm alles zu hinterbringen, was sie beobachten kann. Und sie ist eine intelligente junge Frau, die bald gelernt hat zu spionieren, zu lauschen, zu suchen und zu finden. Als die junge Adelige Sophie an den Hof kommt und mit dem Großfürsten Peter verheiratet und in Katharina umbenannt wird, schließt sie sich der heimatlosen Prinzessin eng an und begleitet diese unerschütterlich solidarisch all die Jahre bis sie zur Zarin Katharina der Großen wird. Dann kommt es, wie es kommen  muss, sie erkennt ihre Unwichtigkeit auch für Katharina und fliegt vom Hof – das Schicksal vieler UnterstützerInnen der Großen, die gerne lange übersehen, dass den Großen auch eine große Rücksichtslosigkeit immanent ist, denn sonst wären sie nicht da wo sie sind…

Lesenswert, unterhaltsam, sprachlich schön, und vor allem sehr detailreich – mit 48 war Zarin Elisabeth trotz allem Luxus um sie herum eine alte Frau, deren Tod niemanden verwunderte.

2 Kommentare

  • Danke für die tollen Tipps! Den Winterpalast hatte ich in Buchhandlungen schon öfter in der Hand und habe ihn mir jetzt, nach Deiner Beschreibung, direkt fürs Kindle gekauft. Von dem Korea-Roman habe ich eine Leseprobe angefordert.
    Einen wunderbaren sonnigen Sonntag!!!

  • Ich habe es auch nicht so mit Wanderhuren, aberdas klingt nach dem idealen Buch für verregnete Herbstabende.

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