Noch drei quick-reviews für Urlaubsbücher, damit

ihr auch noch eine Chance habt, die Bücher rechtzeitig zu kaufen und mitzunehmen: Erstens „Zwerge kommen hier keine“ von Sara Shilo, zweitens „Tagsüber dieses strahlende Blau“ von Stefan Mühldorfer und drittens „Tierische Profite“ von Donna Leon, der 21. Fall von Brunetti.

Das letzte Buch ist schnell besprochen, leider auch schnell gelesen – warum leider? Nun, es ist sehr gut, wie alle Brunetti-Krimis, die ja viel mehr als Krimis sind, sie sind Charakterdarstellung des Brunetti ebenso wie seiner Familie und Mitarbeiter, Sittengemälde des Italiens der heutigen Zeit und last but not least liebevolle Venedigschilderung. Ich bin immer so gefangen, dass ich die Bücher an einem Abend auslese, was mir dann wieder zu schnell zuende ist, aber ich kann nicht langsamer, dazu sind sie zu spannend. Auch die aktuelle Geschichte ist sehr politisch, ich würde ja fast sagen, die Fälle werden von Mal zu Mal persönlicher und eindrücklicher. Sehr empfehlenswert!

Das Buch von Mühldorfer hat mir auch sehr gefallen. Es ist die sensibel erzählte Ich-Geschichte eines jungen Mannes, der eines Tages sein wohlgeordnetes Leben betrachtet und sehr zufrieden ist mit seiner Ehe, seinem Sohn, seinem beruflichen Fortkommen und seinem Wagen. Ja, sogar das Licht an diesem Tag ist ebenso schön wie alles andere. Und dann geschehen ein paar ganz alltägliche Dinge, und am Ende des Tages ist nichts mehr so wie es war und es wird auch nicht wieder so. Keine Angst, es geschieht kein Amoklauf und auch sonst nichts Schlimmes, es stellt sich nur heraus, dass der Ich-Erzähler einer Illusion erlegen ist. Nämlich der, dass man sich in seinem Leben zurücklehnen und genießen kann, wenn es einem gerade so gut gefällt und dass es dann einfach so bleibt. Auch empfehlenswert, zudem leichtgewichtig und daher für Flugreisen ebenso geeignet

wie meine letzte nachdrückliche Empfehlung: Die berührende, verstörende, erschütternde Lebensgeschichte eine Einwanderin nach Israel, aus Afrika stammend, die letztlich untergeht in diesem Land, das sie zwar mit offenen Armen aufnimmt, aber auch gnadenlos und hart mit seinen Neuankömmlingen umgeht. Eine zeitlose Geschichte der Heimatlosen auf der Suche nach Bindung und Identität, erzählt in einer beeindruckend direkten und schonungslosen Sprache.

 

Ein Kommentar

  • Das mittlere Buch („…Blau“) klingt für mich am interessantesten.
    An die Brunettis komme ich nicht mehr heran, ich habe insgesamt 3 gelesen und mich von Buch zu Buch dabei mehr gelangweilt. (Fans, bitte werft mich nun nicht in die Lagune! ) Inzwischen habe ich bis auf den 1. Fall, der mir noch am besten gefiel, alle verschenkt. Dabei liebe ich Italien und Venedig sowieso! Aber zum Glück auch für die Buchhändler sind die Geschmäcker auch beim Lesen ja verschieden.
    Allerdings wird mein nächster Urlaub eine Städtereise, da komme ich eh nicht zum Lesen und werde statt Büchern also lieber Reiseführer einpacken.

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