Was Liebe ist, wollen wir doch alle gerne wissen, oder

ein durchaus kluger Titel für dieses Buch von Ulrich Woelk, denn wer würde nicht danach greifen, zumal ja auch das Cover durchaus ansprechend ist. Wer möchte nicht lesen, was Liebe ist? Der Titel hat auch eine Verbindung zu dem Inhalt des Buches, denn der Erzähler, selbst Mitte Dreißig, lernt eine jüngere Frau kennen, die ihm das Lied „you don´t know what love is“ widmet, als sie es singt.

Es gibt eine Liebesgeschichte, eine regelrechte amour fou, zwischen den beiden, mit allem, was dazu gehört – erratische, intensive Treffen und Trennungen, einen Partner der Frau, Missverständnisse, aber auch große Nähe und Intimität. Ich habe den Erzähler besser verstanden als die junge Zoe, die eher als unberechenbar dargestellt wird, während der Erzähler sich sehr differenziert und reflektiert zeigt. Interessant und mit leichter Hand verwoben wird dabei seine Epilepsie, die obwohl seit zehn Jahren anfallslos, doch sein Leben bestimmt sowie die Familienverwicklung in das Dritte Reich, als das kriegswichtige familieneigene Unternehmen gezwungen ist, Zwangsarbeiter zu beschäftigen. Hier zeigt sich dann noch eine persönliche Verflechtung, die ich euch aber jetzt nicht erzählen werde, denn sie macht den Hauptstrang des Buches aus. Nur soviel: die amour fou scheitert, dies aber äußerst originell, was ja auch nicht weiter überrascht, weil es einer solchen immanent ist, aber das Buch endet nichtsdestotrotz gut, denn der Erzähler scheitert nicht, ganz im Gegenteil, er findet tiefe Zufriedenheit und Glück.

Wer von euch sich also auf eine mit leichter Hand erzählte, aber dennoch substantielle Geschichte einlassen möchte, möge zugreifen!

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