Aus dem Nähkästchen

Nach der angeregten Diskussion in den letzten Tagen habe ich mir auch so meine Gedanken gemacht – über das Leben an sich. Kinder, Beruf und so weiter. Also sozusagen Irits Gegenstück zu Jannes Artikeln.

Die Diskussionen über Kinder ja/nein und Berufstätige Mutter ja/nein finde ich immer wieder erstaunlich. Wobei ich erstens über mich und zweitens über andere staune.

Bei mir staune ich darüber, wie intolerant mein erster Impuls ist. Ich war nie besonders kinderversessen und wenn mein Mann nicht einen deutlichen Kinderwunsch nachdrücklich geäußert hätte, wäre ich vermutlich heute immer noch ohne und vermutlich auch nicht unzufrieden mit der Situation. Nun sind meine beiden Töchter aber da und NATÜRLICH kann ich nicht mehr verstehen, wie man ohne Kinder leben kann. Kann ich natürlich, meine andere beste Freundin neben Janne ist kinderlos und ich habe nicht den Eindruck, dass sie schlecht lebt oder doof oder emotional unterbelichtet ist.

Kinder machen Freude, keine Frage, aber sie machen auch einen unglaublichen Stress. Stichwort: 24/7 Betreuung. Sie sind IMMER da, nie eine Pause, immer Beanspruchung, nie mehr spontan entscheiden (ok, sagen wir mal mind. 10 Jahre lang nicht) und immer verantwortlich sein. Und teuer sind sie auch noch. Das ist nicht jederfraus Sache und ich kann gut verstehen, wenn man so nicht leben möchte.

Abgesehen davon gibt es natürlich noch die vielen ungewollt Kinderlosen, sei es aus medizinischen Gründen oder weil einfach der passende Partner nicht da ist. Das ist schlimm. Und ich habe Verständnis für die damit verbundene Dünnhäutigkeit. Aber eigentlich sind das die Frauen, die aus der Diskussion herausfallen – es ist ja keine bewusste Entscheidung. Es ist einfach schlimm.

Also an der Stelle: leben und leben lassen.

Bei der Diskussion über berufstätige Mütter vs. Hausfrau sieht es bei mir schon anders aus. Zum einen ist es so, dass ich gerne arbeite und mich Montagmorgens freue, wenn ich zur Arbeit fahre. Ich kann mir nicht mal vorstellen, wie ein Leben ohne diese intellektuelle Herausforderung aussähe. Wobei das wohl das Stichwort ist: nicht jede hat eine Arbeit, die ihr Spaß macht und eine Bereicherung ist.

Zum anderen liebe ich meine Selbständigkeit. Als im Alter von 9 der Schulwechsel anstand, sagte meine Mutter zu mir, dass müsste ich dann aber allein auf dem Gymnasium schaffen, sie könne mir nicht helfen. Das habe ich mein Leben lang wörtlich genommen, ich schaffe es allein. Ich lebe von meinem Geld, habe meine eigene Altersvorsorge und alles andere wäre für mich ein Alptraum.

Kurz zusammengefasst: als Hausfrau zu Hause zu bleiben wäre meine Höchststrafe. Ich kann mir nicht vorstellen, was man den ganzen Tag macht und wo die Weiterentwicklung ist. Andererseits kann ich mir auch nicht vorstellen, Ärztin oder Richterin oder Finanzbeamtin zu sein, es gibt eine ganze Menge, was ich mir nicht vorstellen kann.

Also muss auch ich einsehen, dass es andere Frauen gibt, die das ganz anders sehen. Denen es Spaß macht, die Familie zu versorgen und sich mit den Kindern intensiver zu befassen. Denen es nichts ausmacht, kein eigenes Geld zu verdienen. Die sogar nur ein Konto gemeinsam mit dem Ehemann haben (oh Graus). Ich werde vermutlich altersmilde, aber so richtig kann ich mich nicht mehr darüber aufregen. Soll doch jeder machen wie er will – solange ich es nicht bezahlen muss.

Ach ja, es ist und bleibt schwierig.

  • Hallo Irit,

    auch über deinen Beitrag zu dem Thema freue ich mich sehr.
    Darf ich fragen, wie du das gehandhabt hast, als deine Töchter kamen? Damit meine ich, wie lange du in Elternzeit warst und ob du danach gleich wieder 100% in den Job eingestiegen bist. Wenn ich mich im Büro so umschaue, sind alle mindestens 3 Jahre weg und bei den meisten kommt auch gleich Kind Nr. 2 in der Zeit. Das macht dann fast 6 Jahre – was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann!

    Viele Grüße
    Jess

  • Liebe Irit, danke für den schönen Artikel!

  • Liebe Irit,

    ich stimme deinen Ausführungen voll zu. Genauso ist auch meine Meinung.
    Jeder muß für sich seinen Lebensweg bestimmen bzw. finden und falls man damit dann noch glücklich ist, hat man äh frau doch alles richtig gemacht.

    LG Ela

  • Ich denke auch, dass jeder seinen Weg gehen muss. Licht und Schatten gibt es immer, Wehmut über nicht ergriffene Möglichkeiten auch.
    Liebe Grüße
    Lissy

  • Hallo Irit, ich bin nach beiden Kindern jeweils nach 1 Jahr wieder arbeiten gegangen. Kinder sind meiner Meinung nach unter anderen Kindern im Kindergarten viel besser aufgehoben als mit Mutti allein zu Hause. Sie entwickeln sich super, werden selbstbewusst, lernen von den Größeren, sehen Mama und Papa auf dem gleichen Level usw. Ich wünsche mir für meine Söhne künftig auch bitte keine Hausmuttis als Frauen! Und deshalb hoffe ich, dass es viele Frauen wie Dich gibt, die ihren Töchtern vorleben, dass das Leben einer Frau und Mutter einen herausfordernden Job mit einschließt 🙂

  • Auch für mich wäre ein Hausfrauendasein Strafe! Ich liebe meinen Job, der mich sehr ausfüllt. Habe wieder angefangen zu arbeiten, als Spatz 7 Monate war, damals natürlich nur Teilzeit und mit größter Anstengung der Organisation und Unterstützung der besten Großeltern der Welt…

    Aber ich habe Freundinnen, die ihre fast Dreijährigen immer noch Zuhause betreuen (ist das ein Zufall, dass deren Kinder im Vergleich zu meinem Krippenkind leicht asozial und völlig unselbständig sind? Ups, böse Schnikki). Dürfen sie gerne, witzigerweise sind alle überhaupt nicht froh in ihrem Job, kein Wunder, es zieht sie nicht zurück…

    Alles in allem: mir egal, was andere machen. Und denen soll bitte egal sein, was ich mache.

  • Dann betrete ich doch einfach mal das Minenfeld… 😉

    In der Frage pro/contra Berufstätigkeit von Müttern bin ich insofern leidenschaftslos, als daß ich niemanden dafür verurteile, sich für Heim oder Büro entschieden zu haben.
    Ich würde mir jedoch wünschen, daß der Umstand, ein Kind zu haben, nicht mehr als Argument angeführt wird, wenn es um die Vermeidung unangenehmer Begleiterscheinungen wie Überstunden, Wochenendarbeit etc. geht. Nur, weil ich keine Kinder habe, bedeutet das noch lange nicht, daß ich kein Sozialleben oder Verpflichtungen habe.
    Und nein, ich habe damit nicht sagen wollen, daß alle berufstätigen Mütter „Drückeberger“ sind. Nur scheinen manche ihr Kind als Ass im Ärmel zu betrachten, gegen das man schwerlich argumentieren kann…

  • Leben und leben lassen ist eine der besten Maximen. Wenn nur alle Leute sich danach richten wollten.
    Ich maße mir nicht an, andere Lebensverhaltnisse immer wirklich beurteilen zu können und erwarte das gleiche auch von anderen. Sicher habe ich eine Meinung zu den Dingen, aber muss ich die wirklich immer zu jeder Gelegenheit äußern, auch wenn sie den anderen verletzt?
    Abgesehen davon ist es angenehmer und interessanter, mit Frauen Umgang zu haben, deren potentieller Gesprächsstoff aus mehr als aus Berichten über ihre Kinder besteht. Oder, wie eine Protagonistin aus „Sex and the City“ es formulierte: „Sie ist promovierte Anwältin und das einzige, über das sie redete, war ihre Windeltasche.“ Die Beschränkung des Horizontes ist für niemanden vorteilhaft, auch nicht für diese Frauen.

  • Ach, ich kann mir vieles auch nicht vorstellen. Aber ich finde es gut, dass es unterschiedliche Wahlmöglichkeiten für Frauen gibt. Die meisten Frauen, die ich kenne, sind zwar berufstätig und haben auch Kinder erzogen, aber ich habe auch Hausfrauen, Berufstätige ohne Kinder, ungewollt Kinderlose, gewollt Kinderlose und, und, und in meinem näheren und weiteren Umfeld. Ich finde das gut, weil ich dadurch auch vieles im Leben erfahre, was mir sonst sicherlich verborgen geblieben wäre. Mein Leben hat diese Vielfalt bunter gemacht und sie hat zu vielen guten und intimen Gesprächen geführt.

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