Satire vom Feinsten, Titanic-Liebhaber, hier entlang, oder

wer sich gut unterhalten lassen will und auch harte Scherze verträgt, der möge sich das Buch „Er ist wieder da“ von Timur Vermes besorgen. Und natürlich lesen. Ich bin in erster Linie davon fasziniert, wie kreativ (oder bekifft?) Autoren sein können – auch mein Mann war zunächst fassungslos.

Aber damit ihr auch versteht, was ich meine: 2011 wacht der Führer, ja, ihr habt richtig gelesen, Adolf Hitler, mitten in Berlin auf. In dem Zustand, in dem er vor seinem Tod war. Und staunt zunächst. Über die Ruhe (Berlin ist ohne Flak doch wirklich viel angenehmer), über die vorhandene Bebauung (hatte er nicht angeordnet, das alles, aber auch wirklich alles zerstört werden sollte, um den Siegermächten nichts zu hinterlassen), über die Angewohnheit, Hundekot aufzuheben (offenbar eine psychische Erkrankung), über die türkischen Zeitungen (war der Türke uns dann doch noch zu Hilfe gekommen?).

Nachdem er den Schock überwunden hat, in Jahre 2011 ganz alleine (Bormann? BORMANN???) aufgewacht zu sein, fällt er sogleich einer Fernsehproduktionsfirma auf (haben Sie das vorbereitet? – Nein, ich habe eine feste Weltanschauung!), die ihn Reden im Fernsehen halten lässt. Darüber bekommt er eine Unterkunft, Zugang zum „Internetz“, eine Mitarbeiterin (Ja, mein Führa!) und orientiert sich in der veränderten Welt. Weder die Politiker noch die bestehende Situation können ihn in irgendeiner Weise überzeugen. Das gesamte Buch ist in der Ichform geschrieben, und Fermes hält es wirklich durch, diese Gedankenwelt aufzuspannen und auf die heutige Zeit zu übertragen. Bösartig werden die Medien vorgeführt, die Politiker entlarvt und die tatsächlich teils irrwitzigen Verhältnisse wie die Bankenkrise dargestellt.

Ich habe oft sehr gelacht, auch geschaudert, keine Frage, aber das ist Satire auf höchstem Niveau. Wer also über die titanic-Cartoons der Woche lachen kann, ist mit diesem Buch gut bedient.

Ich frage mich nun nur noch – heißt der Autor wirklich so oder ist das ein weiteres Pseudonym? Anscheinend gibt es ihn und er heißt auch so, denn im Spiegel war ein Foto von ihm…

  • Man schreibt ihn Vermes 🙂
    Das klingt schon ordentlich irre, muss ich sagen. Ich schaue, ob es bei skoobe verfügbar ist, da lese ich am meisten.

  • Habe jetzt eine ganze Weile die Rezensionen gelesen und das Buch dann auf meine Wunschliste gesetzt. Eine Freundin hatte mir schon darüber erzählt und ich werde mir wohl das Hörbuch kaufen. Finde das Thema sehr speziell. Danke für die Empfehlung!

  • Oh, sorry für den Tippfehler, ich habe es geändert.

  • Dieses Buch habe ich 2x zu Weihnachten verschenkt und mir dann selbst auch noch gekauft, weil ich Satire dieser Art sehr gern lese. Ab und zu blieb mir das Lachen zwar kurz im Halse stecken, weil manche (Miss-) Entwicklung sehr genau beim Namen genannt wird. Insgesamt habe ich mich jedoch köstlich amüsiert und möchte viel öfter etwas in dieser Art lesen. Kann das Buch nur empfehlen.
    In einer Zeitung wurde übrigens die Frage gestellt, ob ein solches Thema überhaupt in Deutschland vertretbar sei – ich finde, auf jeden Fall.

  • Wir haben es als Hörbuch von Christoph Maria Herbst gelesen, was es nochmal sehr speziell macht. Ich schwanke beim Hören zwischen Lachen, Staunen und Kopfschütteln. Absolut empfehlenswert.

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