Mein Aufreger des Tages

Ich hörte es heute morgen schon in den Nachrichten: zwei Kölner Krankenhäuser haben ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abgewiesen. Das ganze vor dem Hintergrund, dass man womöglich ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft, den möglichen Abbruch und die Pille-Danach hätte führen müssen. Dies sei in den Krankenhäusern seit zwei Monaten untersagt. Muss man noch spekulieren, wer der Träger dieser Krankenhäuser ist?

Nein, vermutlich nicht. Der Träger hat den schönen Namen „Stiftung der Cellitinnen zur hl. Maria“ und gehört zur katholischen Kirche bzw. hat das Erzbistum Köln eine Stellungnahme abgegeben.

Da bekomme ich Brechreiz.

Wie ignorant können Menschen sein, die einem Vergewaltigungsopfer Hilfe verweigern mit Hinweis auf formale Vorgaben, die ggf. noch nicht mal zutreffen? Leben wir wirklich im Jahr des Herrn 2013 und in einer zivilisierten, demokratischen Gesellschaft? Über die Pille danach kann man ja gerne streiten, aber hier geht es auch um Sicherstellung von Spuren.

Pfui.

Hier noch Links zum weiterlesen: WDRSpiegel Online

  • „Liebe Deinen Nächsten“
    …Schönen Gruß an die katholische Kirche

  • gabriele fieseler

    Hallo, ja, ich bin deiner Meinung, so etwas ist unmenschlich und darf nicht passieren, es widerspricht christlichen Grundsätzen und auch den Grundrechten unserer Gesellschaft. Trotzdem möchte ich mich an dieser Stelle auch kritisch äußern und allen die jetzt empört den Finger erheben und rufen, dass sei wieder typisch, scheinheilig u.s.w.sagen , dass dieses menschliche Versagen meines Erachtens immer und überall da passiert, wo Leitlinien vorgegeben sind und flexibles, vernünftiges Denken nicht möglich ist. Ich finde, dieses Verhalten ist typisch für unsere Bürokratie und für die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten und die nicht in der Lage sind, da wo es nötig ist, sich über Konventionen hinweg zusetzten, sondern stur nach Vorgabe arbeiten. Dieses Verhalten ist deutsch, autoritätsgläubig, kleingeistig, aber nicht unbedingt katholisch. Wir haben in diesem Lande viele, alte verknöcherte Strukturen und die Leute finden es doch gut, es ist doch bequem einer Linie zu folgen. Unten schreibst du: „Schönen Gruß an die katholische Kirche“. Zweifellos ist der Umgang mit dem Thema „Abtreibung und Pille Danach“ problematisch, aber ich frage mich, was haben wir denn für kindische Ärzte, die ein Ethos geschworen haben, und in so einer Situation aus Angst nicht handeln und sich hinter den Vorgaben der Kirche verstecken. Das regt mich viel mehr auf. Die Kirche ist eine Institution, eine Behörde in der viele alte Männer in der Führung arbeiten, den Verein kennen wir doch jetzt. Die sind wie sie sind. Aber der Rest dahinter ist für mich feige und handlungsunfähig: „Ja, wir haben das nicht gedurft, die Kirche verbietet es uns.“ Also wirklich. Letztendlich ist der verantwortlich, der in der Situation steht, und das war der Arzt.
    Trotzdem, danke für den interessanten Link, der Artikel passt gerade sehr gut in meinen Unterricht, werde ihn morgen mit zur Schule nehmen und diskutieren, aber vielschichtig und nicht einseitig gegen die Kirche.

  • Kirchliche Träger/ Arbeitgeber sind so. Ich möchte das nicht gut heißen, und es rechtfertigt auch nicht, aber es erklärt es, meine ich. Ein Arbeitnehmer erklärt sich durch den Arbeitsvertrag mit der Einhaltung dieser Vorgaben einverstanden. Niemand muss bei einem kirchlichen Träger arbeiten, aber wenn er es tut, dann gelten deren Spielregeln. dazu gehört bsw. auch, dass geschiedene Kindergärtnerinnen im Fall der Wiederheirat ihren Arbeitsplatz riskieren, nicht aber, wenn sie „nur“ mit jemandem zusamem leben. Das ist sicher kein Vergleich. Aber in kirchlichen Kh ist Abtreibung verboten.

  • wieder ein Grund mehr, unser nicht funktionierendes Gesundheitssystem zu vereinheitlichen und meinetwegen auch zu verstaatlichen. Wer braucht kirchlich getragene Krankenhäuse, die dann solchen Bockmist verzapfen? Keiner.

  • nochmal ganz deutlich: Pille / Pille danach / Abtreibungen sind ein Thema für sich und beliebig diskutabel

    Was aus meiner Sicht nicht diskutabel ist, ist die Verweigerung der Beweissicherung bei einer potentiellen Straftat. Ich teile die Ansicht, dass dies keine unterlassene Hilfe ist. Aber das darf man doch garantiert auch nicht. Und es ist ja schon merkwürdig, dass bei zwei Krankenhäusern eine gleichlautende Begründung abgegeben wurde. Wohingegen es im evangelischen Krankenhaus kein Problem gab (und ich vermute mal, die gehören auch nicht zur Fraktion Pro-Abtreibung)

  • Wie ich diesen verlogenen katholischen Haufen nicht ausstehen kann.
    Das ist schon lange keine Glaubensgemeinschaft mehr, sondern eine Firma mit zweifelhafter moralischer Einstellung aus der Steinzeit.
    Zum Spucken…

  • Ok, muss schon etwas um Verzeihung bitten für meinen impulsiven, unfreundlichen Beitrag.
    Aber ich habe mich heute schon dermaßen über das Thema nach dem Lesen des Fokus-Artikels aufgeregt. Das musste kurz raus.

  • Unmenschlich!

  • Als ich es heute Morgen beim Frühstück in meiner Tageszeitung las, hab ich auch gedacht ich spinne. Hat mir mal wieder vor Augen geführt, warum ich aus diesem Verein ausgetreten bin. Finde es ein Unding.
    Einer Ärztin war bereits gekündigt worden, weil sie sich in einem früheren Fall über die Vorgaben hinweg gesetzt hatte. Man muss tatsächlich wissen, worauf man sich einlässt wenn man bei einem katholischen Träger arbeitet. Schwierig, die Courage aufzubringen und sich darüber hinwegzusetzen, wenn man die arbeitsrechtlichen Konsequenzen kennt. Ich will das nicht verteidigen, aber ich kann es ein wenig nachvollziehen. Und ich finde es trotzdem widerlich.

  • dass man sich weigerte, Beweise zu sichern, ist ganz klar unmöglich und gegenüber dem Opfer wirklich nicht entschuldbar. Ich habe den Artikel nicht gelesen, und ich bin mir auch nie so ganz sicher, ob das immer alles so stimmt, was da steht, und was sind Tatsachen, und was bereits Interpretation. Ich weiß nicht, ob die POI dabei war. Die müssten oder solten eigentlich wissen, wo sie mit diesen Fragen hinfahren. So wäre diese Erfahrung dem Opfer wenigstens erspart geblieben.

  • @anajana: ich kann das nicht verstehen!

  • Einer Frau nach einer Straftat eine Beweissicherung zu versagen ist schmutzig, einfach nur schmutzig! Richtig schlimm finde ich dabei, dass eine andere Frau, die Ärztin des ersten Krankenhauses sich dagegen entschieden, weil sie Angst um ihren Arbeitsplatz gehabt hat. Nicht nur, dass die katholische Kirche eine Richtlinie herausgegeben hat, die solche Ängste schürt, sehe ich aber doch auch die Rückgratlosigkeit einzelner, die eher zu wenig machen als zuviel, wenn die Anweisungen nicht so ganz eindeutig sind. Katholiken-Bashing finde ich im Moment so gar nicht angebracht, aber die Katholiken sollten sich nach diesem Vorfällen und auch nach dem jüngsten Verlauf der Missbrauchsgeschichte lauter und vehementer gegen ihre Kirchenfürsten stellen.

  • Bin gerade in Köln auf Dienstreise und könnte brechen, wenn ich höre, was da vor sich geht. Verlogen.

  • nur gut, daß wir schon vor jahren aus dieser FIRMA ausgetreten sind.
    wie war das noch gleich mit dem barmherzigen samariter?
    was noch nicht angesprochen wurde: hauptfinanziér dieser kirchlichen krankenhäuser ist der staat (soweit ich weiß irgendwas über 90%). wieso bitte herrscht dann noch kirchliches arbeitsrecht? und was heißt „sorge um arbeitsplatz“? ich kann mir nicht vorstellen, daß ein solcher kündigungsgrund ein hindernis für ein neues arbeitsverhältnis darstellen würde.
    ERBÄRMLICH. aber sooo bezeichnend für den ganzen verein.

  • Liebe Janne,
    das war gester auch mein Aufreger! Gerade ein katholisches Krankenhaus sollte doch Beistand leisten. Wie war das noch mit der Nächstenliebe?
    Große Sauerei! Ich bin auf eine Entschuldigung gespannt.

    Viele Grüße
    Jessi

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