Die Mütterdebatte 2847. Teil

Die Zeitungen sind mal wieder voll davon: die Deutschen reproduzieren sich nicht in der von wem auch immer gewünschten Quantität und was kommt unweigerlich als nächstes? Genau, diverse Kommentare diverser Frauen plus Möchte-gern-schlauer-Artikel im Spiegel online und so weiter. Ich finde es grauenhaft. Natürlich ist da durchaus die eine oder andere Aussage dabei, bei der ich schmunzeln muss. Da war z.B. die Frau im Spiegel, die darüber schrieb, dass immer nur andere Frauen fragen, ob sie die Kinder mit dem Job nicht vernachlässigt.

Das kann ich so bestätigen. Wozu mir dann zwei Punkte einfallen.

Es gibt diverse Männer(!), die mich fragen, wie ich es denn mit der Betreuung organisiere und wie mein Mann und ich das Leben mit zwei Jobs und zwei Kindern (und einem Blog 🙂 ) hinkriegen. Bisher habe ich auch von noch keinem gehört, der sich wünscht, dass seine Frau zu Hause bleibt. Nicht wegen des Geldes. Die möchten alle keine Hausfrau haben. Schön war auch die Geschichte mit dem Kollegen, der jahrelang (!) über eine Kollegin und mich abgelästert hat, weil wir mit Kindern arbeiten gehen. Er ist zwischenzeitlich geschieden und gestand mir nach reichlichem Alkoholgenuss, dass er und seine Frau sich nichts mehr zu sagen gehabt hätten, weil ihre Leben einfach kaum noch Gemeinsamkeiten hatten. Ach ja, dann habe ich doch lieber reichlich Stress und habe mir mit meinem Mann noch etwas zu erzählen.

Die zweite Sache sind die Frauen, die o.g. Sätze von sich geben. Das sind Frauen, mit denen ich möglichst keinen Kontakt pflege. Warum auch? Wer nicht in der Lage ist, mein Lebensmodell zu akzeptieren, gehört nicht zu den Leuten, mit denen ich meine Zeit verbringen möchte. Noch nicht mal fünf Minuten. Mir persönlich ist es völlig egal, wie jemand lebt, solange er Verantwortung für sich selbst übernimmt und glücklich mit der Entscheidung ist. Die Frauen, mit denen ich Zeit verbringe und die ich mag, haben folgende Lebenssituationen: eine hat drei Kinder und arbeitet Vollzeit, zwei haben keine Kinder und sind beruflich extrem erfolgreich, eine hat zwei erwachsene Kinder, hat noch mal studiert und hat sich jetzt erfolgreich selbständig gemacht, eine hat zwei Kinder und hat lange nur sehr wenig gearbeitet, eine hat auch zwei Kinder und arbeitet Fast-Vollzeit. Also eine bunte Mischung.

Und alle haben eins gemeinsam: wir unterhalten uns nicht darüber, wie wer welche Betreuung organisieren sollte oder warum wer ein schlechtes Gewissen haben sollte oder ähnlichen Mist. Wir reden über Gott und die Welt, die Firmen, für die wir arbeiten, über Männer, über Sex, über alles. Ich denke, das liegt daran, dass wir alle in einer selbst gewählten Situation leben und es ändern, wenn es uns nicht mehr passt. Nicht immer dieses Rumjammern und die eigenen Probleme auf andere Leute projizieren. Das ist so langweilig und nervtötend.

Warum gibt es eigentlich so viele Frauen, die sich so ein Gelaber von vorgeblichen „Freundinnen“ anhören? Aus der Telefonliste streichen, gleichgesinnte Frauen suchen und glücklich weiterleben. Derlei Klötze am Bein braucht niemand.

  • Ich glaube, dass Frauen dazu neigen, zu kritisch mit sich selbst zu sein und sich deswegen jeden Scheiß anhören. Als mich ein Vorgesetzter fragte, als ich nach der Elternzeit mit meinem zweiten Kind wieder arbeiten ging, wie ich mir das denn vorstellen würde mit zwei Kindern, hab ich zurückgefragt, ob er denn auch Kinder hat. Ja, drei. Und, hab ich gesagt, wie organisieren Sie das mit ihrer Arbeit? Er, etwas verblüfft, ja, meine Frau ist zu Hause. Ich: naja, sehen Sie, und ich hab das auch organisiert. Sollte es irgendwann mal nicht mehr klappen, können wir ja noch mal drüber reden.

  • Ich frage mich auch immer, warum manche die Meinung anderer (meist fremder) Menschen für so wichtig erachten.
    Habe im Freudeskreis auch eine bunte Mischung an Konstellationen. Wir sind alle zwischen 30 und Anfang 40, einige arbeiten Teilzeit, andere wie ich Vollzeit (Kind fast 2,5, hab sehr früh mit Teilzeit angefangen mit viel Organisationsaufwand und großartige Unterstützung durch Ehemann und alle Großeltern des Spatzes), 2 sind Zuhause und alle sind mit ihrer Situation soweit zufrieden.
    Jedem wie es passt!

    Es gibt hier wirklich kaum eine „Leben und leben lassen“ Mentalität, man muss sich schon darüber auslassen, was andere falsch machen und was man selbst toll hinbekommt.
    Versuche mich nicht daran zu beteiligen.

  • Haha! Das ist so typisch fuer diese Gesellschaft! Als ich mit 3 kleinen Kindern zu Hause blieb, wurde mir Faulheit vorgeworfen ! Als ich dann Vollzeit arbeitete kamen Kommentare wie “ Rabenmutter“! Es war natuerlich stressig-aber positiver Stress! Und aus den Kindern ist auch was geworden( Abi, soziale Kompetenz etc)! Haha

  • Ich kann nicht bestätigen, dass es nur Frauen sind, die so unsagbar dämliche Sachen fragen oder sagen. Solche blöden Kommentare habe ich auch von Männern gehört. Andererseits kenne ich kaum Familien, in denen die Frau dauernd und konstant zu Hause geblieben ist bis die Kinder groß waren. Die sind alle wieder angefangen.

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