28.01.2013

Ein sehr schöner Artikel auf SPON zum Thema Sexismus. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als würden wir in nächster Zeit sehr viel über dieses Thema nachdenken.

Hier mal der Link.

Was mich an der Sache noch mehr befremdet als irgendwelche not- oder möchtegerngeilen Typen: wieso gibt es Frauen, die das offensichtlich ganz normal finden? Eine Entschuldigung hält FDP-Vorstandsmitglied Katja Suding für überflüssig. Wenn ich jetzt wie ein Mann denken würde, wäre mein erster Gedanke „die ist nur neidisch, vermutlich füllt sie nicht das Dirndl“. Als Frau denke ich „wie kann man nur“.

  • Ich kann noch etwas dazu beisteuern: Neulich saß an meinem Tisch bei einem formellen Abendessen auf einem chirurgischen Kongress ein Universitätsprofessor, der doch tatsächlich ernsthaft äußerte, dass Frauen für die Chirurgie nicht belastbar genug seien. Ich musste so lachen und hab geantwortet, dass ich das im Jahre 2012 nicht mehr erwartet hätte. Ob ihm nicht klar sei, dass sich heutzutage nur noch 3 % aller Medizinstudenten für das ehemalige Königsfach Chirurgie interessierten? Dass die Chirurgie ohne Frauen nicht überleben könnte? Und ob er ernsthaft meinen würde, dass Frauen, die Kinder zur Welt brächten, körperlich oder psychisch nicht belastbar genug seien für Arbeiten, die Männer schon seit vielen Jahren selbständig verrichten könnten?
    Er war ziemlich sprachlos. Hob dann sein Glas und fragte, ob er trotzdem noch mit mir anstoßen dürfe. Ich war großzügig, schließlich hatte er sich unmöglich gemacht, nicht ich.

  • So toll find ich den Spon-Artikel jetzt nicht, viel zu viel Erklärung, warum Männer nicht – mehr – sexistisch sein sollten. Mir wertet das die Generationen von Frau zu sehr ab, die keine Chance hatten z. B. Kampfjetpilotin zu werden.

    In anderen Publikationen wird eindeutig versucht, der Journalistin die Schuld zuzuweisen. Aber den unpassenden Satz hat Brüderle gesagt. Gut, dass ich sowieso nie FDP gewählt habe, denn das wäre mir heute peinlich!

  • Mich ödet dieser Sturm im Wasserglas jetzt schon extrem an: eine Journalistin, der nach einem Jahr plötzlich einfällt: Huch, da war ja noch was, ein Magazin, das Lichtjahre von seiner Glanzzeit entfernt jede Publicity nutzt, ein alternder Mann, der offensichtlich Probleme hat, sich sicher über das gesellschaftliche Parkett zu bewegen. Dann finden sich die allseits bekannten Medienhuren, die nur zu gern auch noch ihre ungefragte Meinung dazugeben und Skandal schreien. gäääähn…
    Vielleicht hat der Herr ja vor Jahr und Tag seine Ehefrau mit diesem Dirndl-Spruch aufgerissen oder andere weibliche Bekannte mit seinen charmanten Sprüchen überzeugen können. Vielleicht hätte er aber auch nur einfach in seinem Politikerleben den korrekten Umgang mit dem jeweiligen Gegenüber wenn schon nicht lernen, dann wenigstens adaptieren können; bei besagtem Anlass die Klappe zu halten wäre ebenso hilfreich gewesen wie der Verzicht auf das ein oder andere „Gläschen“. Vergleiche zwischen Partei und Politiker sind selbst mir jetzt zu platt. Und die Dame, die ihn verteidigt, findet seine Dirndl-Sprüche entweder richtig gut und hofft, dass auch sie mal in den Genuss einer solchen Charme-Offensive kommt oder ist einfach nur karrieregeil.

  • Charlene hat es meiner Meinung nach gut getroffen. Männer die sich heute noch so verhalten, benehmen sich einfach schlecht. Punkt. Ich denke wir haben alle mittlerweile gelernt damit angemessen umzugehen.

  • ich pflichte chralene bei – und überhaupt nervt die ganze diskussion. hat unsere gesellschaft keine anderen probleme? „wir frauen“ beanspruchen (bald per gesetz) top-führungspositionen, fangen aber wegen verunglückter pseudo-sexistischer bemerkungen an zu jammern. andererseits ist in vielen klassen nur nach kleidungs-korrektur noch sportunterricht möglich, da den jungen damen ihre brüstchen bei einer unanachtsamen bewegung herauszuhüpfen drohen (es scheint gängige praxis zu sein, daß zwölfjährige nur noch mit push-ups das haus verlassen – gern mit dramatische abend make-up und offensichtlicher duldung der eltern). und was ist mit uns selbst? vor einiger zeit haben sich hier mehrere frauen dazu „bekannt“, gern enge röcke und decolleté-betonte ausschnitte zu tragen. gucken erwünscht – oder ist das auch schon sexistisch? und was ist mit den ganzen meist viel fieseren kommentaren unserer geschlechtsgenossinen? ist das auch sexistisch? frauen hauen mitunter ganz andere sachen raus! überhaupt sex und medien.
    klar gibt es grenzen, aber für mich, die ich mitunter auch lauthaus über „herrenwitze“ lachen kann und – achtung – zu vorgerückter stunde in passendem kreis auch mal einen erzähle – fangen diese grenzen noch nicht bei einem (einmaligen) unpassenden spruch an.
    ich habe drei söhne zu respektvollem umgang mit mädchen/frauen erzogen und finde dieses „unter-generalverdacht-stellen“ und entsprechendes verunsichern der männer nicht angebracht.
    vielleicht sollten wir mal eher über anstand reden. dann hätte sich die ganze debatte – und vieles andere an problemen mehr – von selbst erledigt.

  • tja, dann sollten wir wohl die engen Röcke und push-ups lassen und uns angemessen kleiden – z.B: in einer Burka. Ich kann mich als Frau anziehen wie ich will und absolut niemand hat das Recht, mir sexistisch zu kommen. Es gibt nicht umsonst Slutwalks. Warum um alles in der Welt sollte ich mir von einem Mann – und sei es auch nur implizit – vorschreiben lassen, was ich trage? Und von einer Frau auch nicht.

    Es geht hier nicht um schmutzige Witze (erzähle ich auch gern) oder darum mit irgendeinem zu flirten. Es geht darum, dass Männer ihre Machtposition dazu ausnutzen, Frauen Dinge aufzudrücken, die diese nicht wollen und aufgrund eines Abhängigkeitsverhältnisses auch nicht verhindern können. Und diese Grenze lässt sich ganz eindeutig ziehen.

    Anmerkung Irit: ich habe meinen Kommentar nochmal ein bisschen geändert… war doch sehr emotional unterwegs

  • Blöde Sprüche von Männern gibt es doch häufig, , in allen möglichen Berufssparten. Ich finde, es hängt ein Stück weit auch davon ab, wie Frau darauf reagiert. Ich bin nicht auf den Mund gefallen, dann gibt es je nach Situation eine Retourkutsche.
    Aber man oder Frau sollte auch nicht immer alles auf die Goldwaage legen, meine ich jedenfalls.
    Die Chirugie ist je nach Fachbereich schon körperlich sehr anstrengend. Mein Partner ist Unfallchirurg, die Hälfte seines Tems ist weiblich, auch Oberärzte. Aber glaube mir Janne, das ist rein körperlich nichts für jedermann o jede Frau. Dazu gehört Kraft, überdurchschnittlich gute Kondition, auch für die Nachtdienste und die auch körperlich anstrengenden OPs. Frauen haben diese Kondition nicht immer. Vielleicht wollte der Herr Prof das sagen;-)

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