Ein Land mit einem eigenen Geruch

Neulich in Berlin: wir waren in der Alten Hauptpost und haben uns die Ausstellung in Sachen Modefotografie bei Condé Nast angeschaut. Diese war sehenswert, ich denke, ich werde mir noch den Ausstellungskatalog kaufen. Die Alte Hauptpost ist ein wunderschönes altes Gebäude in der Nähe der großen Synagoge und der Hackeschen Höfe. Direkt nebenan ist übrigens auch einer meiner Lieblingstaschenläden namens Penthesileia in der Tucholskystraße.

Das Gebäude wurde bis in die 90er Jahre tatsächlich als Post benutzt, danach für Ausstellungen. Es wurde nicht viel renoviert, maximal die Wände gestrichen und so sieht es ein bisschen anders aus als übliche Ausstellungsräume.

Wir kamen in einen der hinteren Räume und da war auf einmal dieser Geruch. Ich konnte ihn zunächst nicht einordnen, aber als ich die Augen zumachte, war sie sofort da, die DDR. Dieser charakteristische Geruch nach diesem Putz/Desinfektionsmittel, nachdem früher in der DDR sämtliche öffentlichen Gebäude rochen. Als Kind war ich oft mit meiner Mutter zu Besuch in der DDR und da waren die Bilder von grauen Häusern, autoleeren Straßen, Schlangen vor Geschäften und leeren Supermärkten. Und der Geschmack der guten Salmiakpastillen, die es in dieser Ausprägung nie bei uns gegeben hat.

So roch das ganze Land.

Untergegangen.

  • Wie wahr liebe Irit. Als Kind der DDR weiß ich genau was Du meinst. Manchmal wird man in so ein Geruchs Dejavu geschleudert.

    Daran denke ich heute, wenn ich hinter einem Trabbi herfahre:
    Mit 12 morgens um 7 in Dunkelheit und Kälte mit Ski und Rucksack im Linienbus zum Skifahren in die Berge. Die Übelkeit beim Geruch von Zweitaktmotoren, dampfende Menschen, Vorfreude auf die Abfahrten. (Was waren wir verrückt auf Sport.

    Glück und Übelkeit gleichermaßen. So wie die DDR 🙂

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