Die große Kinderfrage, oder

gibt es noch ein anderes Thema, das viele Frauen so beschäftigt? Als Irit hier in ihrer Schilderung von dem Nachmittag mit ihrer Tochter am Rande erwähnte, dass ich es gar nicht verstünde, wenn Frauen sich bewusst gegen Kinder entscheiden, gab es gleich mehrere Kommentare. Es ist eben immer noch so, dass es nicht egal ist. Das sehe ich auch daran, dass ich oft sehr angefasste Reaktionen erlebe, wenn ich mich offen dazu äußere.

Es gibt eben viele Frauen, die mit dem Schwanger werden Probleme haben, das liegt sicher hauptsächlich daran, dass heutzutage erst an die Familienplanung gegangen wird, wenn die fruchtbarsten Zeiten sowohl bei Männern als auch bei Frauen vorbei sind (auch wenn Männer Kinder zeugen können, die sie dann nicht mehr aus dem Kinderwagen heben könnten – wir denken an Charlie Chaplin und Konsorten, so funktioniert auch das nicht mehr so einfach!). Und je älter wir sind, desto eher hat man doch mal eine aufsteigende Infektion gehabt oder andere die Fruchtbarkeit beeinträchtigende Erkrankungen. Diese Frauen vertragen es gar nicht, wenn über die Kinderfrage offen geredet wird, weil es sie daran erinnert, dass es nicht geklappt hat.

Die, die sich durch das quälen, was von Ärzten so euphemistisch „Kinderwunschbehandlung“ genannt wird – ich würde es eher  „krebsfördernde Hormonstoßtherapie für Schmerzbefreite“ nennen- sind erst recht äußerst empfindlich, sei es, weil sie noch mitten drinstecken, sich aber nicht outen wollen, sei es, weil sie damit gescheitert sind und sich nicht outen wollen, sei es, weil sie damit Mutter geworden sind und sich – genau, eben gerade nicht outen wollen.

Und dann gibt es noch die, die eigentlich nicht gerne mit Frauen aus den beiden genannten Gruppen in einen Topf geworfen werden wollen, das sind die bewusst Kinderlosen, die einfach keine Lust/Gelegenheit/nicht den richtigen Partner oder sonst welche Gründe hatten, sich gegen Kinder zu entscheiden. Ich persönlich kann das für mich nicht richtig nachvollziehen, weil mir schon als Kind klar war, dass ich Kinder haben würde, aber ich wollte damit nicht sagen, dass es nicht für andere Frauen die richtige Entscheidung sein kann.

In diesem Sinne: Weder Irit noch ich wollten auch nur eine von euch ärgern, kränken, vor den Kopf stoßen, im Gegenteil, wir mögen euch alle, und ich befürworte die Pluralität unter Frauen und die Toleranz. Lasst uns nicht urteilen über die Lebensentscheidungen anderer Frauen und diese nicht abwerten, sondern sie mit freundlichem Interesse betrachten, wer weiß, was wir jeweils draus lernen können?

  • Also, ich für meinen Teil habe mich nicht auf den Fuß getreten gefühlt. Ein wenig empfindlich, ohne es zu wollen, ist man eventuell dennoch: wenn mit knapp Mitte 30 die Familie keine Gelegenheit auslässt, um nach potentiellen Enkeln, Nichten, Neffen etc zu fragen. Oder wildfremde Menschen mich aushorchen, ob es denn bei uns demnächst so weit wäre. Das finde ich grenzverletzend – zumal auch immer nur ich gefragt werde und nicht mein Mann.

    Aber das hat mit Deinem Beitrag ja nun gar nichts zu tun 🙂

    Und wie Du schon sehr richtig schreibst, diese „Kinderwunschbehandlung“ ist wirklich ein lustiger Euphemismus. Trotzdem erwartet die „Gesellschaft“, dass frau sich einer solchen unterzieht, wenn es nicht von selbst klappt. Kann da grad nicht in aller Öffentlichkeit drauf eingehen.

    Dass Frauen heute später mit der Familienplanung beginnen, stelle ich auch fest. Es ist allerdings auch so, dass man oft spät erst jemanden kennenlernt, mit dem das möglich ist/der das auch will. Manchmal kommt es mir vor, als seien Männer heute noch mit 30 in der Pubertät. Die fühlen sich „zu jung für Kinder“ bis sie graue Schläfen kriegen.

  • Vorher fühlen sie sich bis zu den ersten grauen Haaren noch nicht reif für eine Beziehung…

  • Deinen letzten Satz find ich richtig gelungen geschrieben, sollten wir alle öfter befolgen dann wäre alles leichter

  • Ich habe dich nie als Frau kennen gelernt, die die Lebensentwürfe anderer nicht akzeptiert. Deswegen habe ich mich auch nicht aufs Füßchen getreten gefühlt – auch wenn ich nicht verstehen kann, wie man drei Kinder haben kann 😉

  • Ach, Zebra, das war wieder so nett von dir – meine Erfahrung ist ja sowieso, dass Frauen, die mit ihrem Leben zufrieden sind, selten so kritisch mit anderen Lebensentwürfen sind.

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